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Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)

Otto Eberhardt

Ägyptische Motive

in der Bilderbibel

des Julius Schnorr

von Carolsfeld

Otto Eberhardt

Agyptische Motive

in der Biiderbibel

des Julius Schnorr

von Carolsfeld

Anmerkungen 1- 17

' Die Biiderbibel erschien in mehreren Lieferungen ab 1852. Vollständige

 Ausgabe: Julius Schnorr von Carolsfeld, Die Bibel in

Bildern. 240 Darstellungen, erfunden und auf Holz gezeichnet,

Leipzig 1860. Danach mehrere weitere Auflagen. auch in kleinerern

 Format und auch in England und Frankreich, blszum Nachdruck

 bei Barowsky, München o. J. (ca. 1915). - zur Entstehung

ausführlich A. Schahi. Geschichte der Biiderbibel von Julius

Schnorr von Carolsfeld, Dlss. Leipzig 1935. - Zitat H.W. Singer,

 Julius Schnorr von Carolsfeld (Künstler-Monographien

103). Bielefeld - Leipzig 1911, S. 112.

' K. Andrews. The Nezarenes. A. Brotherhood cf German Painters

in Rome, Oxford 1964. s. es.

' Ebenda Anm. 2. Vgl. ferner die Einzelbeobachtungen bei Schahl

(wie Anm. i) s. a2, es, as. Andrews erinnen außerdem

auf S. 65 an Dürer.

' Die Vorrede zur ersten Lieferung von 1852 wurde 1860 mit einzelnerl

 Ergänzungen wiederholt, die Gesamtausgabe enthält

beide Texte; Zitate Schnorr (wie Anm. 1) S. lXa und 3a. Vgl. Singer

 (wie Anm. i) S. 106.

1 Scnahl (wie Anm. 1) etwa S. 35. 86-90. 981. Vgl. ferner unten

Anm. 13. Schiußteil.

' P. Märker - M. Stulfmann. Zu den Zeichnungen der Nazarener

(Die Nazarener. Ausstellung Städei. Städtische Galerie im Städelschen

 Kunstinstitut, FrankfurilM, 2a. April bis 2a. August

1911. s. 1e1 e1ae, Kaialogtext s. 1a1e211). s. 1ea und 1ss.

l Schnorr (wie Anm. 1) s. VII l. und rt. vgl. allgemein schehl (wie

Anm. 1) s. 2a.

' Ebenda S. iXb Lind 3b.

' Werner Schultza. Julius Schnorr von Carolsfeld (Sächsische

Lebenabllder 2. Leipzig 1938, S. 351-360), S. 355; Singer (wie

Anm. 1) S. 661.

l" Besonders deutlich Llndner zu dem unten noch ausführlich zu

betrachtenden Bild Nr. 44; bei Schnorr (wie Anm. 1) eigene Zählung

 s. l1. Er verweist aul die nGemälde-r in den neuerdings

.wieder Qßbffnßieriu aitagypiischen Gräbern und stellt lest:

i-Nach diesen vieltausendjährigen bildlichen Darstellungen hat

der Künstler bis auf die geringste Kleinigkeit hinsichtlich der

Bekleidung, der Werkzeuge, des ceschirrs u. s.w. unser Blall

ausgearbeitet, so daß es uns irl dieser Beziehung in die Zeit der

Begebenheit selbst versetzt, und neben der Anregung des Gemüths

 bei dem Bescheuer auch noch Belehrung erzielt wird;

Nach Sonahl (wie Anm. 1) s. 129. Anm. a0 errdlgien Llndners Erläuterungen

 i-nach Schnorrs eigenen Anweisungen und Bemerkungen-i.

 Die direkte Vorlage wird er allerdings nicht gekannt

haben. Vgl. ferner ZU Nr. 45 ebenda S. 12 usw. Ähnlich Merz, bei

Schnorr (wie Anm. 1) eigene Zählung s. 11. passim.

" Für entscheidende Hinweise danke ich aufrichtig den Ägyptologen

 Dr. Beiniich. Würzburg. und or. Oster, Mrinsler.

" Schah! (wie Anm. 1) S. BGff. und 138f.

" Die Bibel oder die Heilige Schrift des Alten und Neuen Testamenls

 nach der deutschen Ubersetzung VDn Dr. Martin Luther.

Mll Holzschnittan nach Zeichnungen der ersten Künstler

Deutschlands, Stuttgart-München (J.G. Cottasche Buchhandlung)

 1850. s. a4 und 86-88. Vgl. schahl (wie Anm. 1) s. 56ff. -

Singer (wie Anm. 1) s. a4; Nr. 45 im Entwurf von lazs, s. es:

Nr. 46 in Studien YOn 1828 und 1836. Demnach ist bei Nr. 45 die

Fassung in der oeitaschen Bibel in den ägyptischen Motiven

z. T. schon der Endlassung angenähert, während der Entwurf

von laza kaum einen konkreten Bezug zu Agypten zeigt. - Man

könnte erwägen. die zu Nr. 40-42, 49 und 51 der Biiderbibel

parallelen Bilder Gustev Jägers in der Cottaschen Bibel (S. 69.

70, 7G, 99. 103) mit heranzuziehen; denn sie sind sämtlich den

Bildern Schnorrs sehr ähnlich. in der Tat sind direkte Einflüsse

Schnorrs denkbar. de Jäger sein Schüler war und nwenigstens

zu Beginn des Werkes . . . gewissermaßen seiner Leilung- unferslend

 (Schahl s. 51). Doch sind umgekehrt Anregungen durch

Jäger nicht ausgeschlossen. Die Frage kann im vorliegenden

Rahmen nicht weiter verfolgt werden. Deshalb bleiben die Bilder

 außer Betracht, obwohl sich auch hier entsprechende Beobachlungen

 anbieten.

" Pyramide und Obelisk erscheinen dann auch bei der Darstellung

 der Flucht nach Agypten in Nr. 111.

" Bei Nr. 44 sind von den drei erkennbaren Säulen links oben die

rechte und linke erst unmittelbar für den Druck herausgearbeitet

 worden. Die Vorzeichnung Schnorrs (wie unten Anm. 23)

bleibt hier undeutlich. Bis zuletzt hat er also auf die agyplischert

 Motive geachtet. vgl. allgemein zum letzten Arbeitsgang

Schahl (wie Anm. 1) S. 106i.

" Genauere Abbildung elwe bei J.-F. Cnampoliion-leJeune. Monuments

 de l'Egypte el de la Nuble, Planches Bd. 4. Paris 1845

(Nachdruck: Centre de documentation du monde orlentai, Geneve

 0.J.l. Nr. COCXVlii. A. und B. Der Obelisk steht seit 1836

auf der Place de la Concorde in Paris. Schnorr war weder auf

das schwer zugängliche Werk chempollidns noch auf eine de

sichtigung in Paris angewiesen. Es gab bereits leicht erreichbare

 Abblldungen. Zum Beispiel wird in der ersten Auflage des

Brockhaus-Lexlkons: Bllder-Conversatians-Lexikon für das

deutsche VGIK. ad. 1. Leipzig 1931 (Nachdruck: München 1917).

der Artikel über Ägypten auf S. 36 durch die Ansicht auf den

Tempeleingang vdn Luxor mit den beiden Obelisken illustriert.

" J.G. Wllklnson. Manners and Customs oi the ancient Egyptians.

 lnciudlng lheir private Lire, Government. Laws, Arts, Manulaclures,

 Religion, and early Hlstory . . .. London 1837; 3. Aufl.

(Titel erweitert: . .. nellglen, Agriculture. and eariy Hlstory) Londcn

 13-11. Wilkinson gab dann auch eine Kurzfassung heraus: A

populär Account ol the anclent Egyptlens. 2 Bde. London 1554.

In seinem Buch über Julius Schnorr von Carolsfeld

 aus dem Jahre 1911 schrieb H.W. Singer voll

Anerkennung über die berühmte Biiderbibel

Schnorrs: "Seine reiche und leichte Phantasie

blüht in den Kompositionen zur Bibel aufs schönsie

 auf.l1' Noch pointierter lobte K. Andrews in selnem

 Werk über die Nazarener von 1964 an der Biiderbibel

 llthe absence of obvious borrowings in

the treatment of Subjectslr, um fortzufahren:

ilEaCh scene has been felt and thought out

afreshtt? Das trifft in zweifacher Hinsicht nicht

ganz zu.

im Bereich der Kunsttradition zeigt die Biiderbibel

durchaus gelegentlich Entlehnungen oder allgemeinere

 Verwandtschaften. in erster Linie ist die

Nähe zu den italienischen Flenaissancemalern zu

nennen, vor allem, wie auch Andrews einräumt, zu

Ftaffaell; Schnorr selbst hatte in seiner Vorrede

udie großen Muster der italienischen Kunstii wie

Raffael und Michelangelo als maßgebende nVOTbilderii

 für die gewählten nDarsteiiungsmittelrr erklärt!

 Außerdem sind mehrfach konkrete Anregungen

 durch ältere Zeitgenossen Schnorrs, zumal

 aus dem Kreis der Nazarener, anzunehmen."

Daneben kann man trotz des unbestreitbaren Einfallsreichtums

 aber auch nicht durchweg von freier

 Erfindung sprechen. Zumindest teilweise ist mit

einem bewußten Realitätsbezug zu rechnen. Man

hat neuerdings bemerkt, daß die Nazarener, darunter

 Schnorr, in ihren Zeichnungen gegenüber

ihrer anfänglichen nwirklichkeitsfernerr später

zunehmend "durch Aufnahme von Naturalismen

zu ,überzeugen'ii suchten! Zwar scheint dem

Schnorrs Vorrede zur Biiderbibel entgegenzustehen:

 Er bekennt sich hier nach wie vor zu einer

idealistischen Kunstanschauung! Zudem rühmt

er an den hgroßen ltalienernri gerade, daB sie sich

ufern gehaltene hätten uvon ängstlicher Beachtung

 archäologischer Genauigkeiten. wenn diese

der künstlerischen Behandlung widerstrebenrr,

denn die "Darstellungen der biblischen Geschichteu

 dürften nnicht zu gewöhnlichen wirklichkeitsbildern

 und Illustrationen historischer Romane

umgeschaffen werden-t." Doch gehen hier theoretisches

 Programm und praktische Realisierung etwas

 auseinander. Wie Schnorr 1826 nach dem

Auftrag Ludwigs I. von Bayern. ein der Münchner

Residenz einen Zyklus aus der Odyssee zu

maientt, durch Unteritalien und Si lien reiste, ltum

dafür Landschaftsstudien zu treibend". so bemühte

 er sich in seiner Biiderbibel auch verschiedentlich

 sehr genau um Wirkiichkeitsnähe im Sinne historischer

 Treue. Ein klares Beispiel dafür ist die

Verarbeitung zahlreicher altägyptischer Motive

bei der Darstellung der Schicksale Josephs und

Israels in Ägypten in den Bildern Nr. 39-51.

Die ägyptische Kunst und Kultur war damals bereits

 durch eine Reihe von Forschungsreisen und

Veröffentlichungen bekannt geworden. Schnorr

hat offensichtlich während seiner Arbeit entsprechende

 Werke gründiich studiert und ihr Angebot.

wenn auch teilweise mit begreiflichen Mißverständnissen,

 gezielt verwertet. um die ägyptische

Welt möglichst authentisch wiederzugeben. Und

er hat bei der Umarbeitung vorhandener früherer

Entwürfe oder Fassungen auch unter diesem

Aspekt entscheidende Änderungen vorgenommen

oder zumindest Einzelheiten ergänzt. ln den beiden

 in den Erstausgaben der Biiderbibel mit abgedruckten

 Erläuterungen durch die Theologen

B. Lindner und H. Merz ist der Bezug bereits bedacht

 und wird mehrfach auf wichtige ägyptische

Motive hingewiesen!" Doch hat die spätere

Kunstwissenschaft nicht genügend Notiz davon

genommen. so daß eine neue zusammenhängende

 Untersuchung angebracht erscheint."

Zunächst solien dazu in kurzen Listen auffällige

Einzelelemente aufgezählt werden, ehe dann die

weiterreichende Übernahme einer Gesamtszene



in Nr. 44 vorgestellt wird. Dabei werden auch frühere

 Fassungen oder Entwürfe. soweit sie in Veröffentiichungen

 erreichbar waren, mit verglichen.

Während Nr. 39 - 43.48.49 und 51 unmittelbar für

die Endfassung der Biiderbibel konzipiert sind,

gibt es zu Nr. 44 - 47 und 50 jeweils altere Vorstufen."

 Sie sind außer Nr. 50 in wesentlichen Versionen

 abgedruckt: Nr. 44 -47 in der illustrierten

Bibel des Cotta-Veriages von 1850. noch frühere

Stadien von Nr. 45 und 46 in dem Buch von Singer."

 in den folgenden Listen erscheinen Jeweils

nach den Motivangaben die Nummern in der

Biiderbibel. Eindeutige Änderungen in der Endfassung

 gegenüber den früheren Versionen durch die

Aufnahme ägyptischer Motive werden durch ein

+ in Klammern hinter der Bildnummer vermerkt.

Architektur und Plastik:

Pyramiden: 39, 43. 44. 47. 48;

Obelisken: 44 (+), 46 (+). 50";

Pylone: 41. 44 (+);

Säulen (in verschiedenen Formen): 39. 41. 42,

44 (+). 4815;

Hohlkehlen: im Dachgesims von Tempeln oder

Häusern 41, 44 (+), 50; im Türsturz 39. 41,

46 (+);

Sphinx:40;

Fiügelsonne: in der Hohlkehle des Türsturzes

45 (+). im inneren Deckengebälk des Tempels

48;

Götterbiid: 50.

Bei dem Götterbild in Nr. 50 sind irrtümlich die Bereiche

 vermischt: Nach Ausweis der Krone und

der Haltung mit Zepter und Wedel stellt es Osiris

dar. Doch müßte Osiris gemäß seiner ihm zukommenden

 Mumiengestalt die Beine geschlossen

haben. Der Unterkörper. einschließlich der Kleidung.

 entspricht der geläufigen Form der Königsstatuen.

 - Penibei genau ist Schnorr dagegen bei

dem Obelisken in Nr. 50. Er kopiert hier fast bis in

alle Einzelheiten der Kartuschen und des sonstigen

 Hieroglyphentextes - nur mit gelegentlichen

Vereinfachungen oder Mißverständnissen - die

mittlere Partie der Nord- bzw. Frontseite des rechten

 Obelisken vor dem Tempel von Luxor aus der

Zelt Ramses II."

Für die bisher genannten, ohnehin in der Mehrzahl

für Ägypten besonders bekannten Motive ließ sich

vorläufig keine spezielle Vorlage ermitteln. Für die

weiteren Motive. die näher zur Lebensweise der

Menschen gehören, ist die Hauptvorlage mit einiger

 Wahrscheiniichkeit klar zu bestimmen. Es ist

das umfangreiche Werk des Engländers John

Gardner Wilkinson i-Manners and Customs of the

ancient Egyptiansd. das nach seinem ersten Erscheinen

 im Jahre 1837 (3 Bände) rasch Verbreitung

 fand (3. Auflage 1847 in 5 Bänden) und neben

dem ausführlichen Text auch zahlreiche kommentierte

 Zeichnungen enthält." Die folgenden zwei

Listen nennen jeweils nach den Nummern der Bilderbibel

 die Band- und Seitenzahlen zu den Abbildungcn

 bei Wilkinson(: W.. nach der mirzugänglichen

 Ausgabe von 1847). die konkret benutzt sein

könnten.

Gebrauchsgegenstände:

Vasen: 44 (links vorn. +). 46 (+). 49 - W. 2. besonders

 158 Fig. 1. 355 Fig. 4;

Vasenständer: 44 (ebenda) - etwa W. 2. 160;

Wasserkrüge mit zwei Henkeln: 44 (links, +) -

W. 2. 345 Fig. 6; vgl. W. 2. 158 Fig. 7;

Töpfe fürTon oder Lehm: 44 ( + ), 48 (links oben) -

s. unten zur Gesamtszene in 44;

Trageloche: 44 (+), 46 (+), 48 - s. ebenda;

Hacken: 44 (+) - s. ebenda;

Lyra: 45 (+) - W. 2, 291 sowie 235;

Laute: 45 (+) - W. 2, etwa 234f.;

Fächer. zugleich ähnlich den aufragenden Papyrusblüten:

 45 (+) - W. etwa 1, 296 und 5. Tafel

 86 (neben 420);

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