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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 176)
















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l l-Trlorrlo della amicitiaw, 1978.

KewlLondon

Eltempera, Durchmesser A0 cm

2 Jrlonfo della raglone l- (Triumph

der Vernunlu), 1980. Entwurf in

GOUBCitG für Stift GDHWGIQ

Durchmesser 21 cm

3 lfrrlonlo della reglcne llu, 1980.

Entwurf in Gouache lnr

Stift Gcttwelg

Durchmesser 21 cm

4 - s Entwurlszeichnungen zum

Fresko nTrionfo della reglone- fnr

Stift Gottweig, 1930

7 i-Trionfo della ragione-i, reeo

Fresko ausgeführt in Stift Göttwelg



8 Friedrich Danielis

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Friedrich Danielis als Freskant



Friedrich Danielis, geboren 1944 in Bad Reichenhall,

stellt seit 1960 aus. Reisen ist unabdingbare Voraussetzung

 seiner Kunst, lassen sein Oeuvre vorwiegend in

Wien, New York, Chicago, London, Berlin, Madrid, Mailand,

 Triest, Venedig, Fiom u.a. entstehen. Unvenuechselbar

 sind die rhythmisch blühenden, leuchtenden Farbengarben

 in schwlmmendem Sfumato an skeiettlerter Rippenarchitektur,

 kulinarische Farben- und Formenleste.

Seine Bilder sind Ausstülpung und Chromatisierung seelischer

 Befindlichkeiten und Intention, Transpositionen

des oftmals Gesehenen, Gesagten und Gehörten In die

Einmaligkeit und Subjektivität ungegenstandllchen Zeigens

 voll demonstrativer Not- und Aufwendigkeit, getrageri__vom

 traumwandlerisch sicheren Blick fürs Essentielle,

 Uberzeitliche, Einziggültige und -wahrhaftige. Danielis

wird so zum Wieder- und Neuentdecker langst Institutionalisierten

 Reichtums vergangener Kulturepochen und

vergegenwärtigt und vermittelt daraus das Uberzeitlich-Objektive

 an unsere Welt.

Techniken sind Pastell, Zeichnung, Eitemperamalerei, ab

1975 Gouache, Aquarell, Radierung, ab 1973 die Gobeilnwlrkerei,

 ab 1977 die Maiolikatechnik. im September 1980

ist das Fresko Wirklichkeit geworden im Deckengemälde

"Trionfo della raglone-t im Graphischen Kabinett des Stiftes

 Gottweig, unmittelbar neben dem Stiegenhausfresko

Paul Trogers, 1739, in einer Flachkuppel mit über 3,12 rn

Durchmesser und einer Gesamtflache von gut 8 Quadratmetern.

 Danielis' Ceuvre ist primar von Musik und Literatur

 geprägt - nicht nur initiiert. Besonders Mozarts Zauberflote

 führt ihn ab 1967 zu verschiedenen Zyklen und

Triptycha. bis zum vorläufigen Endpunkt eines wZauberflotenmodells:

 1979 mit implizierter Bühnenrealisierung.

Joseph Haydn inspirierte mit seinem Oratorium zu einem

gewaltigen Polyptychon i-Die Schöpfung:- 1979.

E.T. A. Hoffmanns nGoldener Topfu regte 1980 zu Radierungen

 an, Nestroy schon 1974 in wSchmafu-t zu feurigen

Gouachen. Mit den wAdleriana-i (1976) und den nTfiflißlSu

nach den Gedichten nThe Wedding and other Marriagesu

von Jeremy Adler interpretierte Danielis 1980 zeitgenössische

 Lyrik ins Optische.

Dritte Konstante im Schaffen die subtile Kennerschaft

der Oeuvres bedeutender Freskanten, wie Piero della

Francesca, Giovanni Battlsta Piazetta, Giambattista Tiepolo

 und Francisco Goya. 1972 nehmen die "Porridge-Papersu

 in ihrer Papierstruktur den Freskogrund unmittelbar

 vorweg, und es bedurfte nur mehr ihrer technischen

Realisierung und materialgerechten Umsetzung in Göttweig.



In der Gegenwartskunst scheint das Fresko zu Unrecht eine

 eher untergeordnete Rolle einzunehmen, besonders

das reine al fresco ohne Höhung und Konturen in secco.

Der Maler unterwirft sich dem sogenannten Tagwerk und

malt mittels Karton oder Pulveri oder noch früher mittels

Sinopien als Vorlagenstütze in den nassen Grund. Jeder

Fehlstrich ist irreparabel. Dies erfordert exakte Ausarbeitung

 von Komposition und Farbauswahl auch und gerade

in der ungegenständiichen Kunst. Danielis' Freskofarben

und Thema orientieren sich in Gottweig unmittelbar an

Tiepolo am Palazzo Reale zu Madrid ab 1762. Ausgangsfarben

 sind ihm Englischrot, Ultramarinrot, Permanentrot,

Umbra natur, Caput mortuum, Siena natur, Böhmische

grüne Erde, Chromoxidgrün, Permanentgrün, lndischgelb,

Nickeltitangelb, Kadmium- und Neapelgelb, Echtblau, cellnblau,

 Kobaltblau, Ultramarinblau und TitanweiB.

Die Komposition orientiert sich an der flachen Rundkuppel

 mit ihrer Zweiansichtigkeit. Die "Türme- und nStürze-t

spannen stärker den vorgegebenen Kuppelfond und vergroßem

 die Spannweiten mittels Flächenlösungen. Die

dominante Farbspannung ist warm-kühl und läßt sich in

einer betont unterbrochenen Grundfläche so auflösen,

daB von Farbwoiken ausgehend zu heiterem Licht Durchblicke

 durch die Komposition möglich werden: nmdadurch

 ist der ldee von Aufklärung durch Sinnlichkeit Deut-Iichkeit

 gegeben- Das Programm wTriumph der Vernunftmuß

 diese Leichtigkeit von Luft- und Lichtwelt mltkonstituieren

 und so sinnlich erfaßbar machen.

im Bereich menschlicher Tugenden kommt der Tugend

der Vernunft die höchste Stufe zu, denn sie ist es, die zwischen

 menschlichen Leidenschaften und Wünschen ein

humanes Maßverhaltnis schafft und auch gewährleistet.

Vorbilder und Exempla sind hier wieder die i-Zauberflöte-i

und die wSchöpfung-t. Sie zeigen auch, daß Vernunft eine

phantasiebegabte Tugend sein muß, um in menschlicher

Ordnung den Stellenwert eines wLeuchtturmsu einzunehmen.



In der Komposition ist dieses Bestreben durch ein vRÜCKgratw

 ausgedrückt, das die freischwingenden Möglichkeiten

 einbindet, eine Grundrichtung gibt als Achse den Sehsinn.

 Damit fallen auch den ambivalenten oder mehrwertigen,

 sich scheinbar in ihrer Logik widersprechenden

Strukturelementen gewichtige Rollen zu für komplexe

Verspannungen. Ziel war es, die Lösungen mit mehr als

zwei Funktionen ihre Endrichtung in der Großform finden

zu lassen, um Verunklärungen zu meiden, weil sonst die

nBedeutungen-r der Funktionen nicht mehr eindeutig erkannt

 werden können. Grundregel ist dabei: r-Bedeutungu

ist identisch mit Spannungsrichtung. Zusätzliche Verunklarung

 ist dem Kuppelrund immanent, darum haben die

Versuche der Aufhängung-t in imaginären Gelenken hier

immer mit dem doppelten Problem der Dreidimensionalitat

 und richtungslosen Ftundform zu rechnen. Darum ist

das wesentliche Bestreben, hier eine solide schwebende

Verteilung aller Gewichte zu erzielen. Bei aller Mehrdeu-"Qkeit

 der wBedeutUHQen-i : "Ftichtungenu ist unabdingbar

 die eindeutige Balance mit sicherer psychologischer

Ausiarierung" Gregor Martin Lechner OSB

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