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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 177)

'. Volbach

ne romanische Pyxis im

äzesanmuseum zu Mainz

Die im Diözesanmuseum zu Mainz aufbewahrte

Pyxis (Abb. 1) wurde vom Domdekan Ludwig

Hähnlein (T 1977) aus der Kapelle des bischöflichen

 Palastes in Mainz in das Diözesanmuseum

überbracht. Leider fand sich kein Hinweis, wo sie

sich ehemals befand. Doch kann man annehmen,

daß das Stück aus der Mainzer Diözese stammt.

Die Pyxis diente wohl zur Aufbewahrung von Fieiiquien

 oder Hostien. An dem ursprünglichen Zustand

 ist nichts geändert. in jüngster Zeit wurde

dann die Pyxis in den Werkstätten des Römisch-Germanischen

 Zentralmuseums leicht restauriert.

Hat die Arbeit auch keinen großen künstlerischen

Wert, dürfte eine Veröffentlichung nicht eines gewissen

 lnteresses entbehren, da ähnliche Stücke

bisher nicht bekannt sind. So befindet sich nur eine

 mit Stoff bekleidete Hoizpyxis in der Bußdorfkirche

 in Paderborn' oder eine Holzpyxis mit Perlstickerei

 ist im Hallischen Heiligtumsbuchi abgebildet.



Die runde, mit Stoff (Samit) innerlich bekleidete

Näher verwandt sind die Kölner Borten. Diese Seidendamaste,

 Samit} lassen sich bis in das

15. Jahrhundert in zahlreichen Gegenden und

Stoffen nachweisen. Stilistisch würde der Stoff

der Mainzer Pyxis wohl in das 11. resp. 12. Jahrhundert

 einzuordnen sein. Wie wir noch sehen

werden, würde diese Datierung auch zeitlich gut

zu der zeitlichen Einordnung der Bronzeappliken

passen. Dabei erhebt sich zunächst die Frage, ob

die Pyxis ursprünglich wie diejenige in Paderborn

nur mit Stoff bekleidet war oder ob sie gleich mit

Bronzen geschmückt wurde und der Stoff nur als

Unterlage diente. Es scheint mir aber sicher zu

sein, daß die Verzierung mit Reliefs gleich beabsichtigt

 war und der Stoff nur als Unterlage dienen

sollte. Wäre die Pyxis wie die in Paderborn nur mit

einem Stoff zunächst verziert gewesen, so hätte

man wohl kaum zwei verschiedene Stoffe als Unterlage

 gewählt, sondern einen einheitlichen

Stoff. Wie gern und oft man kleinere Behälter mit

Metallverzierungen versah, zeigt vor allem die



wanische Pyxis mit Bronzereliefs. Höhe mit Deckel

nm (ohne Deckel 56 mm). Diözesanmuseum Mainz

rkungen 1 - 11

in, J., Das christliche Aliargerät, 1930, s. 340, Abb. 175.

lfi, J., Die Rellqulere, 1940, S. 209, Abb. 152. _

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a Jongke und M. Taverler, in Trier, Zeitschrift 40141, 1977I78,

i5.

diesen Hinweis denke ich Frau Flury-Lemberg, Riggisberg.

ierner Schmidt, H In Zeitschrift des deutschen Vereins für

stwissenschait 1 S. 100. - Markowsky. B., Seidengewe

97a, s. so. - Geile a, a History ofTextile Art. 1979. s. 21a.

94 b.

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aioff, G., Der Sllberbecher aus der Regnliz bei Peiistadt.

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 und sächsischen Kaiser, II. Nr. 180. S. 53.

r, e., Tierornementlk, 1904.

1, H., in: Jahrbuch der kunsthist. Sammlungen lnWlen, 195a,



m, v , n: werdendes Abendland an Rhein und Ruhr, Essen

. s. 19a.

Holzpyxis hat einen unteren Durchmesser von

10,2 cm, ohne Deckel beträgt die Höhe 5,6 cm, mit

Deckel 7,8 cm. Die Wandstärke beträgt 0,9 cm. Am

Rande befinden sich 9 Bronzereliefs (Abb. 2)

(H. 2,6 cm, L. 4,1 cm). Auf dem Deckel ist das Format

 der Bronzen kleiner, Seitenlänge 2,4 crn, Höhe

2 cm (Abb. 3). Er besteht in einem äußeren Ring

von sechs Tieren und einem inneren von vier

(Abb. 4), dazwischen befinden slch vier spitzovale

Masken (H. 2,5, Br. 1,3 cm). in der Mitte befand

sich ein Knauf, der verlorenging. Eine Vierpaßrosette

 bildet die hintere Schließe. Das Schloß besitzt

 zwei Ösen. Den Abschluß der Seiten bildet je

ein Messingstab, der mit vier kleinen Rosetten verziert

 ist.

Bei der Stoffbekleidung handelt es sich um einfache

 zweifarbige Köperstoffe, von denen zwei größere

 verballhornte Schriftzeichen zeigen (Abb. 5),

vielleicht nach einem orientalischen Vorbild kopiert,

 und ein kleines Fragment, vielleicht von einem

 zweiten Stoff eines geritzten Köpers. Auf diese

 technische Eigenart wies mich Herr Gabriel

Vial in Lyon hin. Dabei wies er auf einen Vergleich

mit dem in Reims aufbewahrten Kopftuch des hl.

Reml hlnß Eine gewisse Verwandtschaft zeigt

auch der Stoff aus dem Sarkophag des hl. Pauiinus

 in der Pauiinuskirche zu Trier. Er wirkt aber

wie eine Vorstufe zu unserem Stoff!

schöne Veröffentlichung von Egger." Damit

scheint wohl sicher zu sein, daß Stoffe und Verzierungen

 gleichzeitig entstanden sind. Sicher werden

 sie auch aus derselben Gegend stammen. Natürlich

 ist es schwierig, für die Kleinbronzen eine

bestimmte Werkstatt anzunehmen. Dafür ist auch

ihre künstlerische Qualität zu gering. Da aber die

Pyxis sicher aus einer Kirche der Mainzer Diözese

stammen dürfte, wird auch hier die Werkstatt der

Bronzen gewesen sein. Verwandte Darstellungen,

vor allem das vierbelnlge Tier mit zurückgewandtern

 Kopf und erhobenem Schweif (Abb. 2), finden

sich schon in der Frühzeit des Mittelalters. Hier

hat der Künstler nun vollkommen die Art der Tierdarstellung

 vor allem des insularen Kunstkreises

in einem Band und Linienwerk überwunden! Von

einer realistischen Darstellung war in der merovingischen

 Epoche nichts zu spüren. So entstand bei

der Tierdarsteilung eine Verbindung von Linienwerk

 mit dem Bandwerk, die es oft schwierig

macht zu sehen, wo die Tlerdarstellung aufhört.

Die Darstellung des Tieres auf dem Kästchen von

Essen-Werdem aus dem 8. Jahrhundert wird realistlscher.

 in der westlichen Kunst erscheinen solche

 Tierdarstellungen sowohl auf Gürtelschnallen"

 wie auch auf Belnkästen", so auf der Bursa

von St. Peter in Salzburg, heute in New York, Clolsters".

 Deutlich ist die Verwandtschaft mit östli-11


            
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