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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 177)

bezeichnen. Sie sind nicht nur in derselben Technik

 und mit ähnlichen, wenn auch einfacheren

Bandwerkumrahmungen ausgeführt, sondern geben

 ebenfalls zum Teil sehr seltene Szenen aus Bibeliliustrationen

 wieder.

Nach der Chronologie des Alten Testaments sind

folgende Szenen vorhanden: die Bewirtung der

drei Engel durch Abraham (Gen. XVlll) auf der

Rückenlehne, ein Drache auf dem Sitz des Thronsessels;

 auf den Hockern: Jakobs Kampf mit dem

Engel (Gen. XXXII), Versöhnung Jakobs mit Esau

(Gen. XXXIII), Auffindung des Mosesknaben (Exod.

II), die Kanaaneischen Riesen (Num. Xlll), der blühende

 Stab Aarons (Num. XVll), David schont den

schlafenden Saul (1 Sam. XXV), David opfert Gott

das Wasser der Zisterne von Bethlehem (2. Sam.

XXlll), die Ohnmacht der Esther (Esther XV).

Die beiden Bilder der Davidgeschichte sind der

großen Bilderbibel von Christoph Weigel uHistoriae

 veteris testamenti iconibus rappresentataerr

(1708) entnommen, deren Illustrationen Jan und

Caspar Luyken zeichneten. Beide gehen auf Caspar

 (1672-1712), den jüngeren der beiden Meister,

 zurück, dessen Kompositionen von Christoph

 Weigel gestochen wurden. Die Szene im Lager,

 als David Speer und Becher aus dem Zelt des

schlafenden Saul nimmt, zum Zeichen, daß er ihn

hätte töten können, aber verschont hat, ist genau

nach dem Stich kopiert, die andere, die David

zeigt. als er zu Gottes Ehre das Wasser ausgießt,

das ihm die drei stärksten Helden unter Lebensgefahr

 aus der Zisterne zu Bethlehem gebracht haben,

 gibt die Figurengruppe genau, den Hintergrund

 gegenüber dem Stich etwas vereinfacht,

wieder.

Fünf der Bilder gehen auf die Kompositionen zurück,

 die Melchior Füßli (1677 - 1736) für die große

r-Physica sacrau (1731 -35) von Johann Jakob

Scheuchzer gezeichnet hat und die auch als vKupfer

 Bibel historischer Vorstellungen SiCir ebenfalls

in Augsburg verlegt wurden. Nach Füßli sind folgende

 Bilder gearbeitet: die drei Engel bei Abraham,

 Jakobs Kampf mit dem Engel, die Versöhnung

 Jakobs mit Esau, die Kanaaneischen Riesen

und der blühende Stab Aarons. Jeweils ist die

Hauptgruppe genau in die Stickerei übernommen,

die Nebenszene in den zum Teil sehr vielflgurigen

Stichen aber vereinfacht oder ganz weggelassen.

Die Vorlage für die Auffindung des Mosesknaben

durch die Tochter des Pharao schließlich entstammt

 der i-Historlschen Bilderbibel  mit Fleiß

gezeichnet, in Kupffer gestochen verlegt und herausgegeben

 von Johann Ulrich Kraussen Burgern

und Kupfferstechern in Augsburg Anno 170244. Die

Hauptgruppe wurde genau, allerdings seitenverkehrt,

 wiedergegeben, die Zahl der Begleitfiguren

verringert und die Landschaft wesentlich vereinfacht.

 Für das letzte Bild, die Ohnmacht der Esther,

 ist die Vorlage z. Z. nicht zu nennen. Die entsprechende

 Szene kommt zwar in der rrBiblia Ectyparr

 vor, stimmt aber mit der Stickerei zu wenig

überein, um sie als Vorbild bezeichnen zu können.

Wie auf dem Ornat finden sich auch hier neben

sehr bekannten und häufig wiederholten Themen,

wie den Engeln bei Abraham, dem Engelskampf

Jakobs oder der Auffindung des Moseskindes,

sehr seltene Themen ausgewählt, wie z. B. die Kanaaneischen

 Riesen. Zur Illustration des Textes,

der die Rückkehr der von Moses ins Gelobte Land

gesandten Kundschafter berichtet (Num. Xlll), gelangen

 in der Regel Josua und Kaleb mit der riesigen

 Weintraube zur Darstellung, nicht der Bericht

über die Riesen, die andere Ku ndschafter gesehen

haben wollten und damit das Volk in Schrecken

versetzten. Ebenso ist aus der Geschichte der

Esther zumeist nicht die Stelle aus dem XV. Kapitel,

 sondern das Erscheinen der Königin vor Ahasver,

 der ihr als Zeichen der Huld das Szepter entgegenstreckt,

 aus dem V. Kapitel gewählt. Auch

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die beiden Szenen zur Geschichte Davids zählen

keineswegs zu den häufig dargestellten.

Diese auffallende Zusammenstellung würde auch

hier den Gedanken an ein spezielles Programm

nahelegen, doch ist ein solches m.E. nicht zu erkennen.

 Eine weitere Frage ist, warum die Vorlagen

 aus verschiedenen Werken genommen wurden,

 da doch z. B. die Auffindung des Körbchens

mit dem Mosesknaben auch in der Bilderbibel

Weigels vertreten ist, die allein schon durch ihr

Format für die Herstellung der Stickvorzeichnung

geeigneter gewesen wäre als der kleine vielfigurlge

 Stich von Kraus. Es ist anzunehmen, daß von

dem Zeichner der Stickvorlagen nicht die illustrierten

 Bibeln selbst, sondern einzelne Stiche benützt

wurden. Diese waren als Vorlagen nicht nur handlicher,

 sondern natürlich auch wesentlich billiger.

Auch das Phänomen, daß einzelne Szenen seitenverkehrt

 gestickt wurden, die anderen nicht, wie

es hier und bei dem Ornat zu beobachten ist,

spricht dafür, daß nicht die Bibeln selbst, sondern

Blätter nach ihren Illustrationen verwendet wurden.

 Daß Sticker graphische Blätter besaßen, die

ihnen als Vorlagen und Anregungen dienten, ist -

wenngleich in weit geringerem Maß als für Malerateliers

 - historisch überliefert." Für Österreich

kann Frater Benno Haan, der berühmte Kunststicker

 im Stift Admont, als Beispiel genannt werden.

 Rechnungsbelege weisen aus, daß er auf

dem Egidlmarkt in Graz verschiedene Kupferstiche,

 ornamentale Blätter, aber auch "historische

Kupferu kauftels Für einen Teil der Heiligenbilder

auf den Wandteppichen im Presbyterium der Admonter

 Stiftskirche ist überliefert, daß sie nach

Kupferstichen gemacht wurden, für andere malte

ein Laienbruder des Klosters die Vorlagenßs Es

kann daher auch bei den vorliegenden Arbeiten

nicht verwundern, wenn Vorlagen verschiedener

Herkunft in einem Stickereiensemble vereinigt

wurden."

Durch ihren Zusammenhang mit deutschen Bibeliilustratlonen

 bilden die Stickereien der Schottenabtei

 eine interessante Parallele zu den wesentlich

 früheren Leinenstickereien der Schweiz" wie

zu dänischen Arbeiten des späten 16. und des

17. Jh.s," zu denen jedoch keinerlei direkte Beziehungen

 bestehen." in der kirchlichen Barockstickerei

 Österreichs dagegen stehen diese Bildprogramme

 vereinzelt da. Dieser gehören sie jedoch

 ihrem künstlerischen Charakter wie auch ihrer

 handwerklichen Ausführung und Bestimmung

nach an. Die charakteristischen Formen des Laubund

 Bandwerks füllen in dem Ornat als große einheitliche

 Kompositionen die gesamten Flächen

der Gewänder. im Gegensatz zu der sonst häufig

zubeobachtenden Methode, ein oder zwei Motive

.auf allen Teilen eines Ensembles regelmäßig zu

wiederholen und nur durch kleine Variationen dem

Schnitt anzupassen, liegt hier für jeden Gewandtypus

 ein eigener, vollständiger Entwurf vor. Es

kann hier also nicht genügt haben, den Stickerinnen

 eine kleine Vorlage zu geben, die sie dann für

alle Stücke verwenden konnten, sondern es mußte

jeweils eine komplette neue Zeichnung geschaf--

 fen werden. Dies war das Werk eines Zeichners, sicher

 nicht der ausführenden Stickerinnen. Wenn

in der Umsetzung der figuraien Stiche in Stickvorlagen

 manche Unsicherheit beobachtet werden

konnte, so sind in den ornamentalen Entwürfen

Werke von großer dekorativer Einheit und Wirksamkeit

 gelungen, die für die Ausführung in Gold,

Silber und farbiger Seide bestens geeignet waren.

in dem harmonischen Zusammenklang von Ornament

 und Blumen mit den Blldfeldern wie in der

reichen farbigen Gestaltung und prächtigen Ausführung

 zahlen diese so gut wie unbekannten

Werke nicht nur zu den interessantesten, sondern

auch zu den bedeutendsten Zeugen der Wiener

Stickkunst des 18. Jh.s.

Anmerkungen 14 - 20

" Vgl. 1.5. die Angaben bei Garde. a. 3.0., S. 194 ff., ZU Gert OSSBrin.



ß P. Jacob Wichner, Kloster Admont in Steiermark und seine Beziehungen

 zur Kunst, Wien 1588, S. 137.

" Fledler, 3.3.0.

" Ein charakteristisches Beispiel bieten 12 gestißkte Wandbshange

 aus dem 1. Viertel des 1B. Jh.e. deren Dekorationen Stiche

nach Callot mit anderen, anonymen Stichen vereinigen, die ihrarseits

 auch als Vorlagen für Porzellanarbeiten gedient haben.

Vgl. Leonle von Wilckens, Zwölf gestickte Wandbehange aus

Dresden, Pantheon XXHQGZ.

" Verona Trudel, Schweizerische Leinenstickereien des Mittelalters

 und der Renaissance, Bern 1964.

" Garde. a. a.O.

1" Die Unterschiede erstrecken sich ebenso auf Art und Technik

der Ausführung und den Verwendungszweck wie auf die geistigrellglßsen

 Voraussetzungen, auf denen diese Werke beruhen.
            
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