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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 177)

l Aktuelles KunstgeschehenlÖsterreich



Wien

Wiener Künstlerhaus

Die Kultur der Vojvodina

Eine umfassende Präsentation, die die verschiedenen Gebiete

 kulturellen Lebens umfaßte. Neben dem dominierenden

 Teil der bildenden Kunst waren auch der Film, die

Wissenschaft, die Musik, das Theater, das Veriagswesen,

die Fotografie und die Volkskunst dokumentiert. Die Arbetten

 von 95 zeitgenössischen Malern, Biidhauern, Webern

 und Keramikern zeigten, daß wir in der Vojvodina wie

in ganz Jugoslawien fast alle Kunstrichtungen westlicher

Prägung vertreten finden. Der Bogen spannte sich von einem

 lockeren Expressionismus, der von Cezanne herkommt,

 Ivan Jakobclc und Jovan Vitomirov gehoren hier

genannt, bis zu dem tachistischen Gerinne von Sandor

Torok, von landschaftlichen Impressionen, wie dem Bild

des Jovan Sevdic oder Beia Pechan, bis zum magischen

Realismus eines ivan Repasic oder Milan Miacevic. Dabei

 beeindrucken oft Blätter wie jene von Dusan Todorovic

 in ihrer kargen Art besonders. Beängstigend ist der anschauliche

 Neoreaiismus des istvan Zsaki. Einige beachtenswerte

 Webereien und auch eine stattliche Anzahl unkonventioneller

 Keramiken - es sei nur auf Redisa Petrovic,

 ivan Jandric und Iren Togyeras hingewiesen - waren

zu sehen. Am schwächsten schienen uns die Bildhauer.

Zwar sind auch hier verschiedene Richtungen am Werk;

am eindrucksvollsten waren die beiden Frauenfiguren von

Rakto Gikic und die torsoartigen Formen von Mladen Marinkov.



Sehr schön waren die Exponate der Museen von frühgeschichtiichen

 Funden bis zu mittelalterlichen Ikonen, wo

bei einige römische Artefakte (mit Gold verzierte Helme)

oder der Schatzfund aus Kovin, der Gegenstände aus der

La-Tene-Zelt zutage brachte, besonders erwähnenswert

sind. Die Volkskunst war neben Hintergiasbiidern besonders

 mit schönen Goldstickereien der verschiedenen Volkerschaften

 des Banats vertreten.

Vorn Theater berichteten 31 mehrfarbige, künstlerisch gestaltete

 Plakate. Welters waren Bücher und Zeitschritten

aufgelegt. Fiimvoriührungen, Konzerte, Volkstänze, Vortrage

 und ein Gastspiel des Theaters von Novl Sad (im

Akademietheater) gaben ein umfassendes Bild der Kultur

der Vojvodina. (20. 3. - 19. 4. 1981) - (Abb. 1)

Die Geometrie und ihre Zeichen

In der Passage-Galerie waren 61 Graphiken von ebenso

vielen Konstruktivisten aus aller Weit zu sehen. Folgende

Nationen waren vertreten: Italien, Südamerika, Schweiz,

Frankreich, Japan, Jugoslawien, Deutschland. Die Ausstellung

 ist in Zusammenarbeit mit dem Österreichischen

Kulturinstitut in Rom und dem Italienischen Kulturinstitut

in Wien zustande gekommen, und eine Gegenaussteiiung

der osterreichlschen Konstruktivisten wird in Rom stattfinden.

 Die wassociatione AM-t und das uSlUCiiO AM 16t- in

Rom organisierten den Austausch. (30. 4. - 31. 5. 1981) -

(Abb. 2)

Robert Proisl - "Lange Zeilen, ein Fotofolgebiid

Proisl hat eine Straße in Fietz, die diesen Namen trägt, fotografiert.

 Er zeigt auszugsweise dreißig Bilder von zehn

Hausern auf etwa hundert Metern einer abschüssigen

Gasse. Alle Fotos sind aperspektivisch. Fundamental:-stufungen,

 Tore, Fenster, Dachrinnen visualisieren den

Raster des Bildaufbaus, der von Proisl durch Linien außerhalb

 der Bilder markiert wurde. (Abb. 1a)

Wiener Secession

Gerhardt Moswitzer

Skulpturen I Fotografien I Zeichnungen

"Eisenzeuglandv war der Titel dieser Sammlung wesentlicher

 Objekte aus der Hand dieses steirischen Künstlers.

Wenn auch bereits einige dieser Arbeiten in Wien zu sehen

 waren, so ziehen die in Gruppen angeordneten Stelen,

 großen Figuren und schreinartig verschlossenen, in

verschiedenen Materialien gearbeiteten Kasten den Betrachter

 immer wieder mit fast magischer Kraft an. Und

das ist es auch, das sowohl aus jedem einzelnen Stück

als auch aus dem ganzen Ensemble, und um ein solches

ging und geht es Moswitzer ja auch immer wieder, überzeugend

 zu spüren ist: die Kraft! Hier ist keine leere Geste,

 kein spielerischer Pathos, hier ist Sein, ist Elsenzeug

im Eisenzeugiand. Gestaltungen unserer Zeit! Nicht umsonst

 scheinen uns gerade die letzten Arbeiten des

Künstlers, jene Kombinationen verschiedener Materialien,

 so sehr verriegelt und in sich verschlossene Welten

zu sein, deren Konstruktionen aber durch dicke Piexiglasscheiben

 für uns doch einsichtig sind und die doch, wie

eben jedes achte Kunstwerk, mehr als nur das schaubar

Organisierte ist. Eine überaus exakte Arbeit. Eine durchdachte

 Aufstellung zelchnet die Ausstellung aus. Neben

den Plastiken waren noch die strengen Zeichnungen dazu

zu sehen und vor allem aber auch von Moswitzer aufgenommene

 Fotos seiner Objekte in der Landschaft. Hier,

im Widerspiel mit den Elementen der Natur, wird uns die

ganze Breite der Aussage erst im letzten vergegenwärtigt.

(3. - 29. 3. 1961) - (Abb. 3)

42

Ferdinand Penker

1950 in Klagenfurtgeboren, wohnt Penker seit 1977 in San

Francisco, USA. Er zeigte hier Temperabiider und Radie

rungen, arbeitet aber auch als Piastiker und hat seine

strengen Metallskuipturen auch bereits wiederholt ausgestellt.

 Bei den Bildern beschränkt er sich hauptsächlich

auf wenige Gestaltungseiemente, auf fast monochrome

Flächen mit einigen linearen Elementen, die dann signalartig

 aus dem gleichmäßigen Auftrag aufleuchten. Auch

bei seinen Radierungen ist es immer wieder der plötzliche,

 ja unenlvartete Einbruch einer Linie in dem gleichmäßigen

 Rhythmus der rasterhaften Striche, der die Aufmerksamkeit

 auf sich zieht. (3. 3. - 29. 3. 1981) -

(Abb. 3a)

Neue Galerie

Leopold Hauer

Die Zeichnungen und Öiblider des alten Meisters, Motive

aus der bäuerlichen Umwelt, sprechen mit ihren ehrlichen

Formen und herben Farben immer wieder an. Die geometrischen

 Einheiten der architektonischen Elemente, die

wir in diesen Bildern stets aufs neue finden, geben ihnen

eine Strenge und zugleich einen feierlichen Ernst. Es ist

erfreulich, daß Hauer nach wie vor diese Kraft der Aussage

 hat und seinem Weg auch immer treu geblieben ist.

(12. - 31. 3. 1981) - (Abb. 4)

Peter Kaiivoda

-mich fasziniert die entdeckung, daß reduzierung eine erweiterung

 sein kann-i, bekennt der Künstler, der hier Graphiken

 und Malereien darbot. Es sind aber nicht nur Reduzierungen,

 mit denen Kaiivoda sich beschäftigt, es sind

hintergründige Spiele mit den Versatzstüoken unserer

Kindheit (Papierschiffchen, Papiertschako, Himmel und

Hölle), eingebunden in eine Biidebene und mit lustigen

Farbsprltzern zu einer Einheit eingesegnet. Kein Purzeibaum

 ist Sünde und jedes Lächeln Befreiung, so sind

auch Kaiivodas Ewigkeiten keine drohenden Donnerworte,

 sondern farbflockige, fröhliche Geldstheiten, die da

und dort (zufällig?) figuraie Anklänge ahnen lassen. (4. 4,

bis 5. 5. 1981) - (Abb. 4a)

Friedrich Piahl

Das Motiv der Zeichnungen und Aquarelle ist Rom, meist

sind es freilich die Reste des antiken Rom. Piahl gelingt

es in einigen Blättern sehr gut, das schemenhaft Monumentale

 gewisser Ruinenstätten festzuhalten. Er beschränkt

 seine Palette und erreicht damit eine distanzierte

 Gehaitenheit. Freilich will uns die Anwendung dieser

Manier nicht bei allen Motiven den Gegebenheiten entsprechen.

 Seinem lockeren Strich gelingt es, mit wenigen

Wendungen Tiefe und Raum zu schaffen. (7. 5. - 2. 6.

1981) - (Abb. 5)

Alois Riedl

in den l-iaupträumen der Galerie läuft gleichzeitig eine

sehr umfangreiche Schau großformatiger Bilder und

Zeichnungen des Oberösterreichers, der sein umfangreiches

 Oeuvre gänzlich dem Thema Sitzmöbei gewidmet

hat. Abgesehen von dem großen Fleiß des Künstlers, wir

sahen erst in den letzten Jahren immer wieder große Ausstellungen

 Riedls und immer wieder mit neuen Bildern, ist

auch gerade In dieser Exposition eine deutliche Entwickiung

 feststellbar. Auch hier sind es immer wieder die Formen

 der Polstermöbel, die in verschiedenen Techniken

festgehalten werden, doch es wird immer wieder sehr

deutlich, daß sie sich zu Individuen entwickeln. Assoziationen

 mit menschlichen Torsi in verschnürten Gefügen,

in gewissen Phasen an Otto Eders oder Rudolf Kedis

Schaffen erinnernd, steilen sich bei der Betrachtung dieser

 Arbeiten ein. Sehr eindrucksvoll sind die zu Tryptycha

angeordneten Werke mit blldüberschreitenden Kompositionen,

 die neue Ebenen zu erschließen scheinen. (7. bis

31. 5. 1981) - (Abb. 6)

Galerie auf der Stubenbastei

Anton Watzl

Eine große und sicher auch entscheidende Schau auf

dem bewegten und an Ausstellungen in aller Weit so

überreichen Künstlerweg. Es waren Erdgeschoß und

Obergeschoß der Galerie in Anspruch genommen. Die Bilder

 in Mischtechnik, ebenso wie die Federzelchnungen,

die eine eher harte und klare Gestaltung weisen, waren

nach der Lektüre von Ftobert Musils Roman nDer Mann ohne

 Eigenschaftenu entstanden und reichen von fast abstrakten

 Kompositionen bis zu deutlich mit dem Text verbundenen

 figuraien Erinnerungen. Die Farben sind dabei

in ihren sparsamen, fieckigen, fast plakativ reinen Setzungen

 Modulationslräger der jeweiligen Empfindungen, wobei

 natürlich Watzle Textauffassung eine große Rolle

spielt. Der zweite Zyklus war Hermann Hesses r-Siddharthau

 gewidmet. Reine Holzschnitte in Schwarzweiß, von

denen ähnliches wie von den Bildern zu sagen ist. Keine

Illustrationen! Watzls freie Umsetzungen jener bei Hesse

anklingender Gedanken in der von ihm geschilderten

Handlung eingebunden. Auch hier sind die verschiedenen

Elemente der Gestaltung vereinigt, oft in traumhafter Nähe

 einander vermählt. Es scheint uns kein Zufall, daß zu

der bei Tusch erschienenen Buchausgabe dieser Drucke

ein Textbeitrag der Friederike Mayröcker aufschelnt.

(31. 3. - 25. 4. 1981) - (Abb. 7)

Galerie Ariadne

Josef Kern

Der 1953 geborene Steirer ist einem recht harten Realismus

 verbunden. Wenn er auch hauptsächlich, bei sich

selbst beginnend, seine nächste Umgebung immer wieder

 kritisch festhält, so sind es meist recht zum Nachdenken

 herausfordernde Ausschnitte des Lebens. Mit breiten,

 groben Pinselstrichen erinnern uns manche Bilder an

Gersti, nur daß hier noch alles fester und gegenwärtiger

ist. (30. 1. - 21.2. 1981) - (Abb. B)

Erwin Bohatsch

Aus einem surrealen Mutterboden steigen bei diesem Maler,

 wie aus dem dunklen Humus der Erde, eine unglaubliche

 Füiie von unbestimmbaren Wesen, oft an diese und

jene konkrete Erscheinung erinnernd. Die Bilder lassen

uns oft an einen Blick durch ein Mikroskop denken, bei

dem uns auch eine reichhaltige, mit freiem Auge noch hie

geschaute Welt in ihrem Gewimmel ersteht. Der 1951 in

Mürzzuschiag geborene Maler stellt seit 1972 laufend

aus, und seine Bilder zeigen eine ständige Verdichtung.

(24. 2. bis 21. 3. 1981) - (Abb. 8a)

Turi Werkner

1948 in Innsbruck geboren, lebt dieser Maler in London.

Auch bei ihm haben wires mit einer ähnlichen Ausgangssteiiung

 zu tun, nur daß er alle vergleichenden Annäherungen

 von Haus aus ablehnt und auszuschalten bestrebt

ist. Werkner meint: n... gesucht ist das völlig entdrtiichte

und entsachlichte Un-Biid, vor dem nur mehr die Reaktion

,Das gibt's nicht? möglich iSLu Nun, seit Turi Werkner

gibt es auch das: Die gewünschte Reaktion bleibt aber bestimmt

 aus. Die auf Papier gearbeiteten Acryibilder sind

sehr unterschiedlich in ihrer intensivität. Bei manchen

blassen Blättern fragt man sich, trotz der Fülle von Gestaitungsbemühungen,

 ob es ein Gewinn ist, daß es das

gibt. Es ist sicher nicht das Chaotische, das zu diesem

Schiuß führt. Das finden wir bei Bohatsch auch, es ist

wahrscheinlich das Gewolite, nicht Gefundene, das eine

tönerne Schelle aus allem Bemühen werden läßt. (24. 3.

bis 22. 4. 1981) - (Abb. 9)

Robert Kabas

Der 1952 geborene Niederösterreicher hat ein vielfältiges

und spannungsreichee Oeuvre. Wenn wir frei von allem

Gedankiichen an dieses herangehen, werden wir schon

von der Kraft der linearen und coioristischen Gestaltung

fasziniert. Dabei sind diese oft sehr großen Acrylarbelten

in ihren Aussagen ganz und gar unserer Zeit, einer Zeit,

die von der Technik, der Physik, Chemie und der Psychoanlayse

 auf weite Strecken geprägt wird, verbunden. Kabas

 schneidet für sich viele Fragen an. Sein Ideenreichtum,

 seine Kombinationsfreude, sein Detaiieinsatz, all

das löst beim Betrachter sogleich verbindende Assoziationen

 aus. Seine Stärke scheint uns nicht im Additiven,

sondern im einmaligen Herausiösen des strukturellen

Magischen zu liegen. Seine Bilder erinnern an den Ausspruch

 Albert Camus': "Da erzählt man mir von einem unsichtbaren

 Pianetensystem, in dem die Elektronen um einen

 Kern kreisen. Man erklärt mir dieWelt mit einem Bild.

Jetzt merke ich, daß wir bei der Poesie gelandet sind: nie

werde ich wirklich etwas wissen; Kabas Bilder sind Poesie.

 (23. 4. - 21.5. 1981) - (Abb. 10)

Galerie Basiiisk

Peter Stransky

Söhne bekannter Künstler haben es immer schwer. Es

sind auch hier ähnliche Motive, wie sie seinen Vater Ferdinand

 immer wieder zu Gestaltungen reizen. Die Landschaft,

 die Gruppe, das Stilleben. Es ist auch ein ähnlicher

 Stil, eine Weiterführung der Famiiienschule. Besonders

 kraftvoli und gelungen scheinen uns einige Graphiken,

 wo Stransky der Jüngere mit sehr straffen Strichen

Tiefe und Raum, Atmosphäre und stille Herbheit getroffen

 hat. Auch bei einigen Ölbildern konnte man einen wesentlichen

 Fortschritt feststeilen. (5. - 30. 3. 1981)

Galerie im Theater am Schwedenplatz

Oskar Zimmermann

Ein zu Unrecht etwas ins Abseits geratener Zeichner und

Maler des Wiener Künstlerhauses zeigte figuraie Zeichnungen

 und Monotypien. Mit beiden Techniken überrascht

 er durch eine einfache, klare und das Typische erfassende

 Strichführung. Die Monotypien wirken besonders

 durch ihre wohigazielte Ausgewogenheit der Helligkeiten

 in dem Dunkel der Gründe. (18. 3. - 11. 4. 1951) -

(Abb. 11)

Galerie am Graben

Karl Vonmetz

Kleine Metaliobjekte, sehr sauber gearbeitet, kl.lhi, fast

funktionell. Dabei sind diese Miniaturen durchaus als

Schmuckstücke zu tragen, aber auch zum Aufstellen und
            
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