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Full text: Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 183)

7 L. Lücke. irWickelkind als Elllllt. Wien Osnabrück, Stad- 
ihes Museum 
7 L Lucke, i-Prinz Frederik von Danemarkit 
53 71505) Elienbein t753l55 De Danske Kongers Kro- 
igiske Samling pa Fiosenborg, Kopenhagen 
7 L. Lücke", rrWeinendei Kinderkoplii. Elfenbein Braun- 
iweig, Herzog-Anton-Ulrich-Museum 
Z.L. Lucke, iiSchreierider Knabe-i, Ellenbein. Nach 
301577 London Victoria and Albert Museum 
I. L. Lücke, irWickelkirid-i als Etui, Elienbein, Ormulu-Fas- 
ig Ehem englischer Privatbesitz bzw Kunsthandel. Ver- 
rollen 
 
8 
nen oder auch adaptierten Figurenschemata nach 
Stand- und Bewegungsmotiven sowohl im großen wie 
kleinen Format bisweilen fast seriell abzuwandeln und 
zu wiederholen bereit ist, 
So verwendet er den Typus des Wickelkindes in ganz 
verschiedenen Bereichen und in unterschiedlicher Be- 
deutung. Das iiL, von Lücke leClN bezeichnete, 17,6 cm 
lange Elfenbeinfigürchen der Königlich-Dänischen 
Sammlung aul Schloß Rosenborg in Kopenhagen 
(Abb. 8), das1867 ausdem Kunstmuseum übernommen 
wurde und den Prinzen Frederik (1753 a 1805) dar- 
steiltßs,zeigtdensichervor1756Porträtierten-imSep- 
tember dieses Jahres hat Lücke laut Brief des Grafen 
Schmettau schon Kopenhagen bzw. die Fayencefabrik 
in Schleswig verlassen - sogar mit dem Elephantenor- 
den und dem Stern des Danebrog-Ordensaö. Höchst- 
wahrscheinlich anschließendwährend des Londonauf- 
enthaltes1657 - 60, sohufJ. C. L. LückedasimVictoria 
ßi Albert-Museum aufbewahrte Wickelkindpaar eines 
schreienden Knaben und eines den Zeigefingerder Lin- 
ken in den Mund legenden Mädchensal, beides wohl 
nicht nur Darstellungen von Temperamenten und einer 
sozial bestimmten Auflassung von den Geschlechtern, 
sondern wahrscheinlich auch, wie J. Rasmussen ver- 
mutet, eine ironisierende Anspielung, eine Parodie auf 
die von der Zeit wie von Lücke offenbar hochgeschätzte 
Darstellung der Philosophen Demokrit und Heraklit als 
Beispiele unterschiedlicher Weltsicht. Zu dieser nur 
scheinbar weit hergehoiten, mehrdeutigen Interpreta- 
tion der zwei Wickeikinder paßt die Charakterisierung 
der Lückeschen Kunst durch den anonymen Poeten, 
der die zusammengewachsenen Zwillinge 1742 be- 
schrieb (Abb. 22): iiwo Natur und Kunst und Witz sich in 
einem Bilde SChiiCleffitt, wobei das Mädchen gegenüber 
dem Schreihals durch die typische Fingergeste noch 
zum Sinnbild tugend- und vorbildhafter Schweigsam- 
keit wird. 
Büchsen und Flakons aus Porzellan als Wickeikinder 
gibt es in der Wiener Manufaktur mehrfach, u. a. zwei 
Exemplare in der ehemaligen Sammlung K. Meyers? 
M. Meinz veröffentlichte zum ersten Mal das riL. 
Lückllnvenw bezeichnete Wickelkind aus Wiener Por- 
zellan als Büchse, dessen Papieraufschrift aut ein Ge- 
schenken eine Hohenzollernprinzessin deutet (Abb. 7). 
Das Wickelkind ist reich mit Blüten und Blättchen be- 
malt, die Schleifen sind dagegen einfarbig. - Obdiese 
Darstellungenwirklich nurdieChristkindbiider, in Sach- 
sen Bornkindlgenanntund soauch in reichem Steckkis- 
sen bald nach 1741 vonJohannJoachim Kändler in Mei- 
ßen dargestelltw. protanieren oderobnichtLückeine- 
ben den Verbindungen zum weiteren Kreis um B. Per- 
moser- auch in England Anregungen für dieseArt der 
Kinderdarstellung empfing, istnochzu klärenWienäm- 
 
lich ein noch immer nicht namentlich bekannte 
hauer und Modelleur in der Manufaktur Fulhan 
1671 von John Dwight (1661 - 1703) geleitet - 
nichtGrinling Gibbonsm-J. B.Lydia,dieTochte 
Dwights, nach ihrem frühen Tod am 3. März 16 
kindliche Adorantin mit lorbeerbekränztem Toter 
delinsalzglasiertemSteinzeugdarstellt,soaucht 
ste des verstorbenen Kindes im Steckkissen mit B 
in der HandtYAußerdem ist es bemerkenswert ur 
vielleicht RückschlüsseaufgewisseTraditionen i 
lischen Manufakturen - unter Einbeziehung vo 
stellungen J. C. L, Lückes während seiner Englan 
Londonaufenthaite? - zu, daß zwei fast lebens 
Chelsea-Derby-Kinderbüsten von 1775180 oder 
später" in ihren Physiognornien das Thema derla 
den und weinenden Philosophen (Abb. 22 - 25) ai 
men - und sogar, wie es dieelfenbeinernen Wicl 
der (Abb. 8) taten, persiflieren. Sowohl die silhou 
ten Beliefsin Dresden. besondersdiedesMädche 
Häubchen und des weinenden Knaben, wie" dii 
reich gerahmten, enfacegesehenen Köpfe wein 
Kinder aus Elfenbein im Herzog-Anton-Ulrich-ML 
Braunschweig (Abb, 9)" und die Büste eines sch 
den Knaben im Victoria 8 Albert-Museum (Abb. 
bezeichnet irL.v.Lückeii, gehen in diese Fiichtur 
Typen- und Afiektenlehre des 18. Jahrhunderts, c 
rade in England eine besondere Bedeutung hatte 
Stil und der Technik nach sind die Braunschv 
Stücke, wenn überhaupt eigenhändig, wahrsche 
spät, gegen 1742MB, vielleicht sogarmit dem Lon 
Kopf nach 1 757 (?)entstanden, im Gegensatz zu di 
hen Dresdnern von 1725130. - Mit noch erhal 
leih gearbeiteter Ormulufassung an der Stelle di 
SchleifegebundenenGürtelsobenzeigtdasmit31 
Länge auffallend große, 1917 zuletzt nachgewies 
Wickelkind aus Elfenbein (Abb. 11) ausgeproche 
träthafte Züge. Die tiefe, ausdrucksvolle Bohrur 
Augen, die anliegenden, santt geschwungenen 
locken, der Kontrast kantig-festen Tuches und ha 
dünner Schleite sowie durch Fiitzung und Punkti 
gemusterterOberllachesind kennzeichnend fürJ 
Lückes expressive,virtuosgehandhabteEllenbeir 
nik. Das Tuch ist zudem offenbar noch bemalt", 
Zu der unter 8. genannten, voll bezeichneten Alle 
des Herbstes oder des Weines in Leningrad (Ab 
wäre unter den Eltenbeinarbeiten J. C. L. Lücke: 
auf die Gruppe von vor 1736 "Die Zeit hebtdie ges 
ne Kunstii (Abb. 12) zu verweisen. Die im Ganzen 
zeugend selbständig komponierte Porzeilangrupr 
vergleichbarer Vorliebe tür das reiche Detail, dift 
zierteOberflachen erinnertmitihrengrobemdicke 
hen, den kräftig rundlichen Gliedmaßen und de 
knochenlos weich und weit gespreizten Fingern L
	        

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