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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVII (1982 / Heft 184 und 185)

uieter UOQHEI

Die geometrischen Reliefs

von Josef Hoffmann

Der Architekt Josef Hoffmann fertigte für die 14. Ausstellung

 der Wiener Secession (1902) zwei heute verlorenegeometrischeReliefsamdieerstinderjüngeren

 Literaturzurungegenstandlichen

 KunstundzurKunstder

Jahrhundertwende in Wien eine ihrer Bedeutung entsprechende

 Beachtung gefunden haben (Abb. 1 - 3).'

Trotzdemliegtnoch keine Analyseihrerformalen Struktur

 vor, ebenso wie ihre Stellung im Rahmen des von

Hoffmann entworfenen Gesamtkonzepts und ihr Verhältnis

 zum kunsttheoretischen und künstlerischen

Kontext des Jahrhundertbeginns noch keine ausreichende

 Berücksichtigunggefundenhaben. Diemeisten

Autoren betrachten die Reliefs aus dem Blickwinkel der

theoretischen Überlegungen und der praktischen Versuche,

 die seit den zwanziger Jahren in der geometrischen

 Kunstangestelltwurden.DarausresultierenAussagen

 wie: Hoffmanns Relief? irübersprang in genialer

Unbefangenheit den noch bevorstehenden zweidimensionalen

 Artikulatiortsprozeß der geometrischen Form,

dem einJahrzehnt später Kupkas ,Fugen' und .Vertikalpläne'

 angehören, und betrat den Bereich der dreidimensionalen

 ,Konkretlon',eine Problemlage also,rriit

der sich Malevitch, Vantongerloo und das Bauhaus

neuerlich auseinandersetzen sollteniif oder, daß Hoffmann

 vin kaum glaublicher Weise Entwicklungen vorwegnlrnmt,

 die erst etwa fünfzehn Jahre später im Neoplastizisrnus

 und der tide Stljlrt-Bewegung zur Reife

gelangten:

Mitdem ToposdertiVorwegnahmeiiwirdinderKunstgeschichte

 eine Vorstellung vom vprophetischenw Schaffen

 des genialen Künstlers vermittelt, welche im Widerspruch

 zum tatsächlichen historischen Geschehen

steht.JosefHoffmann-unddasgiltgleichermaßen für

alle Künstler vor ihm und nach ihm - konnte weder etwas

 tivorweg-nehmenii noch nseiner Zeit voraus sein".

Die historische Tatsache ist vielmehrdie: Hoffmann hat

kurz nach derJahrhundertwendegemeinsam mit anderen

 Künstlern der Secession durch konsequente Reduktion

 der formalen Mittel auf einfache, rechtwinkelige

 Elemente einen geometrischen Stil geprägt, der

seine Gestaltungen vom Bauwerk bis zum kleinsten

Schmuck- und Gebrauchsgegenstand bestimmte. lrn

Rahmen dieses künstlerischen Kontextes sind auch die

beiden geometrischen Reliefs entstanden.

Betrachtet man von diesem Standpunkt aus die Entwicklungdesgeometrischen

 Gestaltensimzweiten und

dritten Jahrzehnt, dann lassen srch sehr wesentliche

Unterschiede feststellen. Sie betreffen sowohl die Stellung

 des Werkes im gesamtkünstlerlschen Kontext als

auch diestrukturellen Grundlagen der Komposition und

deren kunsttheoretische Fundierung: Revolutionärwar

zum Beispiel die im zweiten Jahrzehnt getroffene Entscheidung,

 die geometrischen Formen zur Gestaltung

autonomer Kunstwerke zu verwenden und diese an die

Stelle der traditionellen Werke der Bildkunst zu setzen.

Hoffmann entwickelte die Reliefs aus der Kombination

ernessymmetrischen Grundgerüstes undeinerdarüber

gelegten, formal ungebundenen Formstruktur. eine Gestaltungsweise,

 die den Prinzipien Piet Mondrians

grundlegend widerspricht. Schon diese Beobachtungen

 reduzieren dre konkreten Gemeinsamkeiten zwisehenden

 Reliefs undden WerkendesNeoplastizismus

auf die Verwendung einfacher geometrischer Formen.

DieAussage,Hoffmann habeamJahrhundertbeginnetwas

 geschaffen, was die Leistungen von Mondrian und

Vantongerloo vorweggenommen habe, erweist sich als

falsch. Wäre sie richtig, würde sie diese Künstler zu

Epigonendegradieren. Diesgilt schließlich auchfürdas

Verhältnis der neoplastizistischen Maler und Bildhauer

zu den Künstlern der sechziger und siebziger Jahre. In

24

l XlV. Kunstausstellung

der Wiener Secession,

1902, linker Seitenraum


            
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