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Full text: Alte und Moderne Kunst XVIII (1973 / Heft 130 und 131)

Joann von Nepomuck sambt der Saullen oder 
Felsen" (Abb. 1-3) in der „Neuhausergassen" 
(d. h. vor dem Jesuitenkalleg), dann „in der 
Dienergassen den Appolo, und die Trafe 
(: Trophäe : Lyra) an der Saullen ad. 150 fl., 
in der Sendlingergassen die Dianna auf den 
Prunen, dann die Zier der Saulle. 150 fl.", 
für die Instandsetzung der Bacchusfigur in 
der Weinstraße 50 fl., desgleichen für das 
Ausbessern der Pallas „in der Burggassen" 
150 fI.", für die Instandsetzung der Bacchus- 
figur in der Weinstraße 50 fl., desgleichen für 
das Ausbessern der Pallas „in der Burggassen" 
sowie „ein neues Kindl darzue zumachen, so 
anders" für 250 fl. Dazu kommen noch einige 
Nebenausgaben. Abgerechnet 300 fl., die bereits 
zu einem früheren Zeitpunkt ausbezahlt war- 
den waren, erhielt Straub nach dieser „Specifi- 
catian" als Gesamtsumme den Betrag von 
499 fl. Die Aufrechnung für Straub wird ergänzt 
durch den Kämmerei-Akt 31248 (München, Stadt- 
archiv). Er ist vorn 3. Juli 1751 datiert. Dieser Akt 
enthält eine spezifizierte Aufstellung des „bür- 
gerlichen und StadtmaIers" Anton Züchenberger 
über die von ihm geleistete „Maler Arbeith" an 
den städtischen Brunnen. Das Zitat lautet: 
„weitters zwey haubt Prunen. Einer in der 
Weinstrassen, den andern in der Dienersgassen, 
beeder Haubt Statuen wieder, Jhro zugehör 
aber mit Guetten Goldt vergoldet. Dan beede 
Saulen Vnd Kästen Marmorieret. auch die Götter 
(z Gitter) Schwarz. dan das davon befindliche 
laub werkh, Vnd Palmen, abermahl mit Guetten 
Goldt Vergoldet, Vor Verbrauchtes Goldt. Oel, 
Vnd farben, dan arbeither lohn, letzten Vndt 
rechten Preis zu somiren. Vor einen 60 fl. 
Thuet... l20." Als Gesamtbetrag erscheint die 
Summe von 171 fl. Darunter quittierte der Maler 
mit folgender Bemerkung: „lst diesem Canta 
völlig bezahlt wordten mit höflichstem danckh 7". 
Obwohl undatiert, aber sicher ebenfalls aus 
dem Jahre 1751 stammend, ist weiters eine 
spezifizierte und quittierte Rechnung, die „lhro 
Churfrstl. Durchl. in Bairen Vndt Cöllen Hof- 
bildhauer" J. B. Straub dem Münchener Stadt- 
magistrat vorlegte (Akt Kämmerei 31248, Mün- 
chen, Stadtarchiv). In dieser Abrechnung mit 
einem Gesamtbetrag von 799 fl. erscheint eben- 
falls die Brunnenplastik: „Vor in der Dieners- 
gassen den Appallo Vndt die Trafe (: Trophäe 
für: Lyra) an der Saullen - - - 150 fI." 
Eine weitere zeitgenössische Erwähnung dieser 
Brunnenbekrönung enthält endlich die „Kurzge- 
faßte Nachricht" von J. K. v. Lippert (1772). Sie 
hat einen unmittelbaren Quellenwert insofern, 
als tatsächlich alle darin enthaltenen Mitteilun- 
gen über Werke Straubs auf persönliche Anga- 
ben des Bildhauers zurückgehen. lm Augsburgi- 
schen Monatlichen Kunstblatt, wo die eben ge- 
nannte Kurzbiographie Straubs erschienen ist, 
heißt es: „Für die Haupt- und Residenzstadt 
München. Einen Apoll mit einer Harfen und 
Genie." 
Auf alle Straubsdien Brunnenfiguren ist dann 
summarisch nachfolgende Angabe zu beziehen: 
„Diese Statuen sind sieben Fuß (d. h. Schuh) 
hoch, und auf die Rohrbrunnen der Stadt ge- 
setzt worden", wobei hier daran zu erinnern ist, 
daß das gleiche Maß übrigens auch für die 
Venusfigur genannt wird, die Straub im Jahre 
1736 für den Springbrunnen im „Grafk 
feIdischen" Haus - vermutlich aus Eichenl 
geschaffen hatte. Auf Grund der Berec 
der mutmaßlichen Höhe des ieweiligen 
bzw. Marmorsockels, die man sicherlich mi 
IV: Meter veranschlagen muß, kommt mc 
gesamt mindestens auf die Höhe von cc 
bis 2,80 Metern, die ein solcher Stadtbr 
einschließlich seiner Bekrönungsfigur geha 
ben rnuß. In einer bisher unbekannten, 
überlebensgroßen Eichenholzstatue (eins: 
lich Sockel 1,83 Meter) konnte kürzlich vc 
überraschenderweise eine längst verlare 
glaubte einstige Münchener Brunnenfigur S 
identifiziert werden. Ihre Höhe von umgeri 
6,31 „bayerischem" Fuß beträgt N 6']: Fuß 
„Schuh"), wobei das genannte Maß 0,2' 
spricht". Mit der Höhe dieser Eichenholz 
ist bewiesen, daß eine derartige Strai 
Brunnenskulptur tatsächlich dem von J. 
Lippert angegebenen Maß von ungefähr : 
bayerischem Fuß (d. h. Schuh) entsproche 
Die eben genannte Statue ist identisch m 
uns bereits durch die Archivalien bekc 
Apollofigur, die Johann Baptist Straub fil 
Brunnen in der Dienerstraße im Jahre 175 
geführt hat. Über ihr gewiß wechselvollesE 
sal ist wenig bekannt. Erstmals ist diese 
in Unterhandenshofen bei IndersdarflObb. 
weisbar, wo sie sich, unbekannt seit wie l 
Zeit, in Privatbesitz befand. Dann war sie 
lang in einer Plastiksammlung in Niederb 
Anschließend gelangte sie 1972 in den Mi 
ner Kunsthandel. Seit 1973 ist sie in V 
Privatbesitz. Der von dem Restaurator J. 
4 Johann Baptist Slraub, Sitzende Diana. Detail 
von einem Bilderschlillen, München, Marslall- 
museum 
5 Johann Baplisl Slraub, Jüngling, Delail vom 
ClemensrAugusl-Ofen, um 1741. Brühl, Schlaß 
Auguslusburg 
6 Johann Baplisl Slraub, Apollo (Abb, l) Kopf 
7 Johann Baplisl Sfraub, Silzendes Mädchen mil 
Kartusche. Detail vom Clemens-Augusl-Ofen, 
um l74l, Brühl, Schloß Auguslusburg 
Anmerkungen 7,8 
lHeranzuliehen ist ferner ein „Pro Memorirl" (Äkl 
Wosserwerke Nr. l, München, Stadlarzhivl. Es inler- 
essierl durch folgenden Emlrcg; „lvem vor die Slaluu in 
der Dienergassen, der Apollo, Vnd Trapho l: Trophäe 
bzw. Lyrcl) genanl, ebenfalls 180 H." Wie aus dem 
nächst folgenden Foslen: der Brnnnenfigur „Diana ge- 
rrdrrr" (m der Sendlingergusse) hervorgehl, wo rar deren 
Gesamlbezahlung, d. h. „Dem Eildlhauer, und Maller 
mileinonder" der Belrug von 210 H. genannl m, dürlle 
sich der Slcdlschreiber bei der Erwähnung der Apdudrigrrr 
gdwrß geirrl haben. Alle übrigen Quellen Sagen nämlich 
ubereinslimmend, daß dem Faßmaler Anlon Zächenber- 
ger für das FGSSGU der ÄpQllOSlUVuE ein aerrdg von 
so fl. IUEfkGflHl wurde. Diese 60 n. einschließlich des 
BildhGUErlDlWHS für J. B. Slruub machen ledOCh genau 
den Oben angegebenen Belfüg von 210 n, und nichl, 
wie irrlümlich elhgeffdgen, HlH drd Summe von 180 n. aus. 
'3,4?63 buyer. Fuß I l Meier. Vgl. H. J. v. Alberli, 
Maß und Gewichl, Berlin 1957, S. 229. 
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