MAK

Full text: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 178 und 179)

-145. h . 
jedoch eher fürs Publikum (Hevesi). Wilda war 
sehr erfolgreich, nicht nur in Wien, sondern auch 
in Paris und selbstverständlich in Ägypten selbst, 
wo er, wie schon sein Lehrer, Bilder direkt an Rei- 
sende verkaufte. Die Nachfrage nach Bildern mit 
ägyptischen Sujets war so groß, daß Müller seine 
Schüler weiterzuempfehlen pflegte und ihnen da- 
mit die Grundlage für eine gute Existenz sicherte. 
So auch seinen Neffen Rudolf Swoboda (1859 bis 
1914), der ihn 1879 nach Kairo begleitete, danach 
weitere fünfmal (bis 1891) in Ägypten war und zwi- 
schendurch in London iebteß. Seine Werke befin- 
den sich heute noch zum größten Teil in engli- 
schem Privatbesitz - wie jene des ihm malerisch 
nicht unähnlichen Wilda und wie jene Franz Xaver 
Kosiers (1864-1905). Dessen erster Aufenthalt in 
Kairo fiel ins Jahr 1892, später folgten weitere. Er 
beschickte Ausstellungen in Kairo, München, Lon- 
don und im Wiener Künstlerhaus mit Bildern, wie 
i-Tayik. Sinai Beduinen, nim Hof eines arabischen 
Hauses" oder "Rast in der Wüsten". Soweit dies 
nach den Abbildungen in den diversen Ausstei- 
lungskataiogen zu beurteilen ist und wie auch der 
iiBeduinenscheich-r (Abb. 6) zeigt, muß für Kosler 
das Menschenbild des Orients im Mittelpunkt ge- 
standen haben, wobei ein gewisser Zug zur Heroi- 
sierung nicht zu übersehen ist. Er hat sich in 
Ägypten und England auch einen Namen als Por- 
trätist gemacht. 
im Zusammenhang mit der Wiener Orientmalerei 
muß des gemeinsamen Ägyptenaufenthalts von 
Müller, Makart, Huber und Lenbach im Winter 
1875176 gedacht werden. Vor allem für Hans Ma- 
kart (1840 - 1884) war diese Reise von Bedeutung, 
da sie sich in seinem Werk in einer eigenen, klar 
abzugrenzenden Gruppe von zehn bis zwölf Bil- 
dern niederschlug". Schon kurz vor diesem Auf- 
enthalt hat sich Makart mit einem ägyptischen 
9') 
literarischen Motiv beschäftigt - mit Kieopatra. 
Die "Nilfahrt der Kleopatrau und die Darstellung 
Charlotte Woiters als sterbende Kieopatra aus 
dem Jahr 1875 gehören zu seinen berühmtesten 
Bildern". in ihnen manifestierte sich die Ägypten- 
mode am wirksamsten für das Publikum: Sinnlich- 
keit, Theater, Exotisches nur soweit angedeutet, 
daß es leicht nachvollzogen werden konnte. Mül- 
ler redete Makart zu, nach Ägypten zu kommen. 
Dieser übertrug seine Arbeit vom Wiener Atelier in 
jenes nach Kairo. Nur die Modelle wechselten. Die 
Gewänder, die er in Wien für seine Modelle aus- 
suchte, hatten in Kairo von selbst den gewünsch- 
ten exotisch-maierischen Anstrich. Es versteht 
sich von selbst, daß der Maler, der nicht die Natur- 
wahrheit suchte, sondern Schönheit und Harmo- 
nie predigte, anders arbeitete als Müller, der mit 
seinen Modellen in der prallen Sonne saß. Makart 
richtete sich ein Atelier zurecht, in dem er malen 
konnte wie zu Hause. Dort arrangierte er Gruppen 
wie "Nubische Frauenii, "Die Nubische Familien. 
kleidete er Tänzerinnen in Gewänder der Pharao- 
nenzeit oder er porträtierte eine "Truthahnverkäu- 
ferinii (Abb. 1), die den Vogel wie einen pomposen 
Kopfputz um den Nacken gelegt trägt". Ein einzi- 
ges in dieser Zeit entstandenes Bild scheint inti- 
meren Charakters gewesen zu sein und täuscht ei- 
ne Darstellung wnach dem Leberw zumindest vor: 
ein vBetendes Arabermadchenli, das vom eben- 
falls in Kairo anwesenden Grafen Karl Lancko- 
ronski sofort angekauft wurde". Nach der Rück- 
kehr aus Kairo malte Makart in Eile das große Bild 
"Niijagdu, um im Münchner Glaspalast 1876 damit 
vertreten zu sein". Es ist bezeichnend für die Ar- 
beitsweise dieses Malers, daß weder das ägypti- 
sche Sonnenlicht noch das Milieu einen bleiben- 
den Eindruck hervorgerufen hat. Ja, er mied sogar 
das Licht, indem er nur im Atelier malte. Er ist ei- 
ner jener Künstler, für die der Orient ein g 
schaftliches Reiseabenteuer mit exotischer 
strich blieb. Der erotische Unterton, den die. 
tischen Bilder Makarts anschlagen (und nicr 
sie), wurde vom Publikum in diesem Fall gutg 
ßen und begrüßt, da man wußte, daß im C 
freiere Sitten herrschten. 
Ein ähnliches, nur einmaliges geseiischa 
orientiertes Reiseeriebnis hatte Hans C 
(1829-1885) im Jahr 1870, eine vafrikani 
Jagdfahrttr mit Graf Hans Wilczek nach Aiger 
Auf Canons späteres Werk übte diese Episod 
nen Einfiuß aus. Auch die wenigen, unmitt 
nach der Heimkehr entstandenen Bilder f 
sich stilistisch in das Oeuvre ein: die nFiam 
jagdti (nur in einer Radierung von Johann i 
bekannt) ist ein großformatiges Bild, der iiMit 
ruhe-r in der Österreichischen Galerie vergl 
bar, auf dem er sich selbst, mit einer langiäu 
Flinte im Hintergrund hockend, dargestellt 
Ein wohl nicht richtig so genannter vTürki: 
Basar" (Abb. 9) ist ein lebendiges Stück virti 
Beherrschung von Heil und Dunkel. 
intensiver, ohne deshalb ein Orientmaler ger 
werden zu können, beschäftigte sich Cari Rl 
Huber (1839-1896) mit Ägypten. Auch für di 
erfolgreichen Tier- und "Sportmaieru spielte 
gesellschaftliche Moment eine wichtige F 
doch tauchen in seinem Werk seit dem ersten 
enthait im Land des Nils, 1857, immer w 
orientalische Motive auf, und noch 1890, vier 
Jahre nach seinem letzten Besuch, schuf e 
Bild mit dem Titel "Der Tod des Beduinen 
Wien wurden nur jene seiner Orientbilder bek. 
die er hier im nachhinein gemalt hat. Das F 
kum wünschte sich von seiner Hand jedoch 
ster Linie Kühe auf der Weide - von weicht 
aber bezaubernde Stücke gibt - und Reiterb
	        

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