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Full text: Alte und Moderne Kunst XXVI (1981 / Heft 178 und 179)

i Komposition. ISTB. OilLeinwand 
2 Komposition. 1979. OllLeinwand 
3 Frauenkcpf. 1967. ÖilLeinwand 
4 Hans-Joachim Breustedt 
5 Kopf. 1972. OIlLeinwund 
6 Komposition in Gelb. 1974. 
ÖllLeinwand 
Hans-Joachim Breustedt 
 
Hommage zum B0. Geburtstag 
Hans-Joachim Breustedt in Österreich vorstellen? Hier 
zaudere ich bereits. 
Seit 36 Jahren i-Wahlösterreicher- und in Taufkirchen 
alPram im lnnviertel wohnend und malend. Aus Thüringen. 
der Heimat Joh. Seb. Bachs. kommend, ist er nach wie vor 
besonders In Oberösterreich eine Respektperson. die man 
achtet. aber nicht so recht versteht. Österreichische We- 
sensmerkmale wie skurriler Pessimismus. sentimentale 
Selhstbemitleidung. woll tige Selbstzerfleischung oder 
unverbindlicher Provinzialismus finden sich nicht im Werk 
dieses Malers. Sein Anliegen - nach den furchtbaren Ker- 
ben. die der zweite Weltkrieg ihm zugefügt hatte - ist. das 
ewige unzerstörbare Leben des Geistes mit den Formen des 
XX. Jahrhunderts darzustellen. Musikliebende Menschen. 
die bis in das innere der absoluten Musik vorgedrungen 
sind. sind die verständnisvollsten Anhänger dieser subli- 
men Malerei. 
Ich kenne ihn seit 28 Jahren. Niemals habe ich bemerkt. daß 
er Zugeständnisse dem vergänglichen Zeitgeschmack ge- 
macht hätte. i-Der Ort. wo-man steht, ist wichtig. nichtdieses 
immerwährende Vergleichen. wer ist besser etc.. das zum 
Wahnsinn führt-n. äußerte er in einem Gespräch. Es ziehe 
Ihn in die Anonymität. Noch einige gute Bilder möchte er 
malen. Das sei wichtiger als das ständige Ausstellen mit der 
ablenkenden Unruhe im Gefolge. 
Da er sich niemals wngebiedem hat. ist die noble Landes- 
ausstellung in der Kammerhof-Galerie in Gmunden die ein- 
zige Ehrung zu seinem 80. Geburtstag. die Österreich ihm 
zuteil werden ließ. Kein Staatspreis. kein Ankauf für ein 
Bundesmuseum haben sich eingestellt. 
Wir, welche die Arbeit dieses Einzelgängers in der österrei- 
chischen Kunstszene mit Bewunderung verfolgen. wün- 
schen dem Jubilar Durchhaltevermögen im Kampf gegen 
ieglichen Nihilismus. Wie glücklich müssen die Menschen 
sein. die eine Arbeit von Hans-Joachim Breustedt besitzen. 
Wolfgang Granninger 
 
Zu Leben und Werk 
Hans-Joachim Breustedt. 1901 als Kind bäuerlicher Eltern 
geboren. hat früh schon Neigung zum Musizieren. Er spielt 
die Blockflöte und seine Kindheit ist voller dörflicher Poe- 
sie. Sein Vater. ein aufgeschlossener Mensch. schenkt ihm 
früh Plutarchs Leben der Cäsaren und führt ihn auf seine 
Weise ins Zeichnen ein. fördert die Begabung des Jungen. 
1917. als Fünfzehnjähriger. geht Breustedt nach München, 
später nach Weimar und wird Jünger des Bauhauses. an 
dem zu dieser Zeit Klee. Kandinsky. Feininger und Schlem- 
mer lehren. Besonders Feininger, der ebenfalls der Musik 
zugeneigt ist. wird er anvertraut. Das musikalische Medium 
beginnt hier als ein bildendes Verfahren seine Wirkung. 
1921 geht Hans-Joachim Breustedt nach Italien. lebt in Rom 
und Florenz. Sein Lebensunterhalt in dieser Zeit wird durch 
das Kopieren von alten Bildern bestritten. Dabei gewinnt er 
erste Erkenntnis und intime Vertrautheitmit derTechnikder 
alten Meister. Die antike Mythologie. mit der er von Kindheit 
an vertraut ist. wird nun an annähernd authentischer Stelle 
lebendig und hilft das bildnerische Wollen zur Sprache zu 
bringen. 1924-1928 kehrt Breustedt nach Weimar zurück 
und ist - inzwischen übersiedelt das Bauhaus nach Dessau 
- Meisterschüler bei Professor Klemm. Später wird er Leh- 
rer und freier Maler. 1935 aus der Fieichskulturkammer aus- 
geschlossen. erhält er Malverbot. Eine verhinderte Emigra- 
tion nach den USA bewirkt. daß der Künstler 1940-1945 
Soldat im Osten wird und 1945 aus amerikanischer Kriegs- 
gefangenschaft heimkehrt. 1946 lernt er Margret Bilger 
kennen und 1953 entsteht durch Eheschließung eine inter- 
essante Künstlergemeinschaft, die sich befruchtend bis 
zum Tode der Künstlerin. 1971. voll erfüllt und für beide 
Teile alle Vorzüge einer solchen idealen Verbindung mit 
sich bringt. 
Hans-Joachim Breustedt ist mit seinem Schaffen der Lehre 
des Beuhauses verpflichtet. Beispielhaft ist ihm aber auch 
die ostasiatische Kunst. also Kalligraphie und Tusche- 
zelchnung in bezug auf das Absolute und derVerzicht auf li- 
terarische Wege. Der EinfluB der Musik ist groß. um seinTun 
zur Sprache zu bringen. Der Arbeitsvorgang beginnt bei 
Breustedt mit dem Aufsuchen des geeigneten formalen 
Prinzips. Skizzen in Bleistift, Sepia. Filzstift. Aquarell. auch 
des Kugelschreibers. lassen ihn die Imagination erproben. 
Nach Klärung der Raumaufteilung, Auslastung der flächi- 
gen Elemente, entsteht die Komposition. sind die graphi- 
schen Vorgengsweisen festgelegt. Nun kann der Malvor- 
geng beginnen. rnuß aber nicht. Der Künstler ließ viele Ent- 
würfe unausgeführt. Diese sind meist qualitativ so hochste- 
hend. daß sie als Selbständiges angesehen werden können. 
Hans-Joachim Breustedt. obwohl ein Mensch der Freund- 
schaft. ist ein einzelner. ein Solitär ohne stärkere Bindung 
an Gruppen. Und er hat den von ihm gewählten Weg mit viel
	        

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