Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 188)

Volfgang Georg FischerlLondon

äustav Klimt und Emilie Flöge

I. Aus Ernalies Welt:

'lirnt fotografiert Emilie, der Modesalon der

"rchwestern Ftöge, Emilie als Modekünsüenn,

chmuck und Silber der Wrener Werkstätte aus

milles Besrtz.

Aspekte des

neuenrdeckren

Nachlasses

Emilie Flöge

ierundzwanzigmal tritt uns Emilie Flöge als Mannequin

irer eigenen Modeschöpfungen auf den Fotos Klimts

nlgegen,die sich ineinem Album derWienerWerkstäte,

 teilweise noch mit den Originalnegativen, im Nachaß

 Flöge gefunden haben. Es ist als wäre Schnitzlers

Fieigenu in die Salzkammergutlandschaft am Attersee

ersetzt und um eine Auswahl von Szenen bereichert

rorden, wobei die Frauenfigur in der Gestalt Emilies

eibst aber immer dieselbe bleibt und nur die verschieienen

 Gewänder. vom Geiste Klimts und der Wiener

Verkstatte inspiriert und von Emilie ausgeführt, und die

tets wechselnden Hintergründe die verschiedenen

itimmungen markieren und so zu den eigentlichen dra-"IEÜS

 personae werden. Einmal stellt Klimt Emilie im

chwarzen Kleid und im Profil an das Seeufer, ein andernal

 iäßt er den schwarz-weißen Stoff vor einer einfa-:hen,

 weißgekalkten Bauernhauswand zur Wirkung

ommen, dann wieder verschmelzen die Rankenmuter

 des Stoffes mit den Biumenmustern im Garten des

iommerhauses, wohl die wViila Oieandew in Kammer',

wdemGustavund EmilievieleSommergemeinsamverirachten.

 Emiliewird wohl ganz in derTradition des bürieriichen

 Wien und ihrer Sommerfrischgewohnheiten

weibisdreiMonateamAtterseeverbrachthaben,wahend

 Klimt zu kürzeren Aufenthalten und wohl auch oft

iurzu Wochenendbesuchen von Wien ins Salzkammeriut

 gekommen war. Diese traditionelle vbürgerliche

Iweiteilunglzwischen weiblicherund männlicherSomnerfrischengewohnheit

 ergibt sich auch aus der neurnfdeckten

 Korrespondenzz, in der sich viele Karten

ind Briefe Klimts befinden, die er aus dem Hietzinger

Z8

Atelier (Tivoli) an Emilie an den Attersee schreibt, wie

z. B. am 25. Juli 1910: iwTivoli Wetter Heiter, frisch. ich

blöd! Fühle mich ein zu lebenslänglicher Zwangsarbeit

Verurteilter. Hoffmann geht leider während des Sommers

 auch fort - nach Brüssel. Ostende etcß

Ebenso plagt ihn das schlechte Gewissen am darauffolgenden

 Tag, während sowohl die Arbeit für das Stoclet-Fries

 in Brüssel als auch Emilie drängen:

26.Juli 1910: nTlVOLl. Heut' fangich an einzupacken -

um etwas ruhiger zu werden - bin ,unstatt' und zappelig'

 es geht mit den Tagen nicht aus. Eine schlechte Karte!

 Schlechte Antwort auf deinen Brief.

Schon träumte mir vom ,Teufel' als ob's Freitag früh

werden wollte mitderAbreise. . . nach derblöden Arbeit

für Brüssel müßte ich den ganzen Sommerdableiben -

ich werden leider einige Male nach Wien müssen - ich

fürchte diesm

Diese Fotos sind aber nicht nur biographisch wichtige

Erinnerungsstücke aus dem KlimtiFlögeschen wFamilienalbumw

 und visuelle Erinnerungsstücke der persönlichen

 Beziehung von Gustav und Emilie, sondern sie

besitzen auch beispielhaften Wert in bezug auf Stimmung

 und Ästhetik der Epoche. Man könnte die Probe

aufs Exempel machen und das wMannequin Emilie Flögew

 mit dem nMannequin Friedericke Beeru, die ebenfalls

 dem Wiener Werkstätte-Kreis nahestand und 1915

von Klimt gemalt wurde, und noch eindrucksvoller mit

dem rMannequin Alma Mahleru ersetzen, dieallerdings

von Kokoschka für die Kunstgeschichte expressionistisch

 numfunktioniertu wird, um die außerordentliche

Übereinstimmung mit dem ästhetischen Zeitgefühl unter

 Beweis zu stellen. Der handfeste Queilennac

findet sich in Alma Mahlers Biographie:

wEr war an hundert Orten gebunden: Frauen, Kini

Schwestern, die aus Liebe zu ihm einander feini

den. Und doch reiste er mir nach, als ich mit meir

genannten Familie in Italien war. Es war das Jahr

Wo immer wir uns befanden, tauchte er auf. Soi

wir alle in Genua, meine ,Familie' und der mich i

gende Klimt. Unsere Liebe wurde hiergrausam ze

durch meine Mutter. Ihr Ehrenwort brechend, stu

sie täglich mein Tagebuch-Stammeln und wußte

die Stationen meiner Liebe. Und- o Schrecken

mußle sie lesen, daß Klimt mich geküßl harrein"

Aber die alle Großen liebende Alma verzieh Klimt

daß er sich nicht ganz in ihre Arme warf und do

schmachtete wie Mahler, Kokoschka, Gropius,l.

und andere, sie rächte sich mit bösen Worten über

Kunst:

ivlndessen ging seine Kunst krause Wege. Er verf

byzantinischen ldee der , Wiener Werkstärleß

kunstgewerblichen Gesellschaft, der bedeu

lnnen- und Außenarchitekten angehörten. Sie lei:

in ihrer Art Großes, aber Klimt kam durch sie auf

falschen Weg. . . Klimt umgab seine anfangs groE

legten Bilder mit Flitterkram, und seine Künstler

versank in Goldmosaiken und Ornamenten. Er hat

mand umsichals wertlose Frauenzimmer- undi

suchte er mich, weil er fühlte daB ich ihm härte .

können. 4'

Wir dürfen also mit Sicherheit annehmen, daß

Mahler nicht im Salon der Schwestern Fiöge ari
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.