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Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 188)

nz Luby. i-Venus und Amorl. HarzlÖl auf Holz, 34 x 84 cm 
llen stürzen und Würmer und Verwesung ein- X 
n, O rühmt mir nichts von derSelbständigkeit des 
es - hier liegt seine zerschlagene Werkstatt. und ' 
Jsend Fäden, womiterdas Gewebe derWeltwebt. ' 
ille zerrissen, und die Welt mit ihnenit? 
iby aber hält Eros, das Kind der Aphrodite, der ro- 
schen Agonie das Gleichgewicht. So waren auch 
loirai ursprünglich nicht abstrakte Mächte des ' 
ksals. sondern Geister der Geburt, also engstens 
üpit mit der Liebe. Die älteste griechische Mytho- . 
rennt nureine Moira als Personifikation des unent- 
aren Schicksals (Homer), nicht die drei Spinnerin- 
achesis. Kiotho und Atropos. Lachesis, die dem ' 
chen bei seiner Geburt sein Schicksal zuweist. 
a, die seinen Lebensfaden spinnt und Atropos, die 
lerruflich den Faden zerschneidet, wenn die Zeit 
1, so daßderTod eintreten kann. Die Moiraiwurden 
indel des Mythus mit den Horen in Verbindung ge- 
t. den Gottheiten der himmlischen Gewässer, von 
1 und Tau und der Wolken. die von den Griechen 
zspinst aulgefaßt wurden, was später den Moirai 
harakterder Spinnerinnen verlieh. Den Horen als 
ationsgottheiten verdankt der Mensch die Schön- 
er Blumen und den Reichtumder Früchte und so 
te sie der Grieche mit anmutigen und liebenswer- 
igen aus. sie personilizierten die Jahreszeiten. Ur- 
glich waren es nur drei, wie die Moirai, der Herbst 
, und damit wardie Beziehung zum Ablaufder Zeit 
ien. Als der Naturmythos sich zum Menschenmy- 
randelte, übertrug sich die Vorstellung der Horen, 
iterinnen des Naturgesetzes und derheiligen Ord- 
tufdie Moirai,die überdie notwendige Ordnung im 
shenleben so unerbittlich wachten, wie die Horen 
lie Gesetzmäßigkeit der Natur und des Zeitablau- 
ie unabwendbare Strenge des Gesetzes, die Be- 
wg zu Tod und Untergang, prägte sich in den Ge- 
'l der Moirai derart entschieden aus. daß der 
:h das ganze Gewicht des Naturgesetzes ver- 
t, weil er ihm dieeigene Person unterordnen rnuß- 
)lh0 erscheint als die Bedeutung der verhängnis- 
mitgebrachten Anlage, Atropos als das Unab- 
 
3 
wendbare, also der Tod, und Lachesis versinnbildlicht 
das "innerhalb derGesetzmäßigkeit des Schicksals Zu- 
fälligen. Die Schöpfung der Moiren ist nach Sigmund 
Freud die Folge einer Einsicht. welche den Menschen 
mahnt, auchersei nureinTeil derNaturund darumdem 
unabanderlichen Gesetze des Todes untenuorfen. An- 
anke, die reale Not. die Unterordnung unterdie Realität 
der Welt widerstrebt dem menschlichen Narzißmus. 
Gegen diese Unterwerfung sträubte sich etwas im Men- 
schen, der höchst ungern auf seine Ausnahmestellung 
verzichtet. Und weil der Mensch seine Phantasietähig- 
keit zur Befriedigung seiner von der Realität unbefrie- 
digten Wünsche verwendet, schuf ereinen von den Moi- 
ren abgeleiteten Mythus, in dem die Todesgdttin durch 
die Liebesgöttin ersetzt wurde. Und so ist Atropos nicht 
mehr der Tod, sondern die schönste, begehrenswerte- 
ste der Frauen. Die Liebesgöttin ist an die Stelle der 
Todesgöttin getreten und im griechischen Mythus ent- 
behrt Aphrodite selbst nicht völlig der Beziehungen zur 
Unterwelt. In diesem Sinne hat Freud den Kaufmann 
von Venedig und vor allem König Lear interpretiert. Die 
Lieblingstochter Cordelia, das ist der Tod, den Lear 
schließlich wählt, die Wahl steht an Stelle der Notwen- 
digkeit, des Verhangnisses. So überwindet der Mensch 
den Tod, den er in seinem Denken erkannt und aner- 
kannt hat. ErwähltdorLwoer in Wirklichkeit dern Zwan- 
ge gehorcht, und er wählt nicht das Schreckliche, son- 
3 Franz Luby, nüberwindung des Bösen durch Harn 
HarzlÖl auf Holz, 41 x 30 cm 
dern das Schönste und Begehrenswerteste, Drei t 
meidliche Beziehungen zum Weibe eröffnen sir 
den Mann: Die Gebarerin, die Genossin und die V: 
berin, oder: Mutter, Geliebte und schließlich die h 
Erde i das Grab." 
Wir haben so lange bei diesen mythischen Vorst 
genverweilt,weilsiederNährboden sindaus demi 
Lubys Kunst wächst. Luby meisterte sein schwie 
Handwerk, um diesen Vorstellungen bildhaften 
druckverleihen zu können. Er meisterte seine Kun 
tigkeit,weileresliebte Bilderzumalen. Undweiler 
ein tief engangierter Mensch ist, verlieh er seine 
dern einen Inhalt. Man könnte es als ein literari: 
Element in seiner Kunst ansprechen, im tiefsten S 
aber ist es der Ausdruck seiner moralisch-philos 
schen und religiösen Weltanschauung. Religiös 
doch in keinem dogmatischen oder kirchlichen E 
Und so sei hier noch hinzugefügt, dali die Götter fL 
Gläubigen eine dreifache Aufgabe erhielten: 
Schrecken der Natur zu bannen, sie mit der Grat 
keit des Schicksals, wie es sich vor allem im Tode 
zu versöhnen und für die Leiden und Entbehrung 
entschädigen. die dern Menschen durch das g 
schaftliche Zusammensein auferlegt wurden. 
schon bei den Griechen des Altertums wardieseAi 
sung ins Schwanken geraten, und es dämmerte 
die Einsicht, daß die Moira selbst über den Götter 
he. daß auch die Götter ein Schicksal haben. So s 
schließlich die Notwendigkeit, Ananke. Zur Zeit d: 
naissance hat Leonardo da Vinci in seinen Aulzeici 
gen der Resignation des Menschen dem Glaube 
genüberAusdruck verliehen. Dies gilt uneingesch 
auch für Franz Luby. Dem Urmenschen wares aufi 
durch Arbeit sein Los auf der Erde zu verbessern 
Zusammenleben durch Familiengründung, welcr 
Hilfe von strengen Tabuvorschriften geregelt w: 
leichterte ihm dieseAufgabe. Der ZwangzurArbe 
die Macht des Eros waren die Grundsteine des ZL 
menlebens. ErosundAnankewerdenauch alsdie! 
der menschlichen Kultur angesprochen. Dem Kür 
Luby war es auferlegt, durch seinen geduldig ert 
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