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Full text: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 190 und 191)

90 ahrigen Jubiläum zeigt das niederösterreichi- 
i onaustilt Göttweig. das im Gegensatz zu ande- 
Ssterreichischen Stiften erstmais' mit einer Groß- 
teliung an die Öffentlichkeit tritt, seine umfassen- 
Kunstsammlungen in einem geschlossenen Über- 
, aufgebaut in 23 teils erstmals zugänglich ge- 
hten Schauräumen der Abtei. Diesen Gesamtbe- 
d begleitet ein umfassendeä Katalogkompen- 
I, das über 1340 Exponate detailliert abhandelt und 
allem auf spezifische Literaturangaben Wert legt. 
e werden damit zum Spiegel für den Bekanntheits- 
jedes einzelnen Werkes und zeigen auch die diver- 
Xussteiiungsteilnahmen auf,diebeieinerReihevon 
ikten durchaus beachtlich sind.wiez. B. beim roma- 
iien Drachenieuchter (Nr. 30) des ausgehenden 
Jahrhunderts aus der Maasgegend, dem Kloster- 
r der Stauferzeit (2) oder so mancher Handschrift 
12. und 13. Jahrhunderts aus dem Höhepunkt der 
weiger Malschuie. Sie verarbeitet Impulse aus 
ensburg-Prüfenlng und Salzburg auf der Grundlage 
Stils süddeutscher Fletormklöster, besonders St. 
ien. Die reichere Ausgestaltung Gottweiger Hand- 
iften wird erst nach der Mitte des 12. Jahrhunderts 
nachweislich. Zunächst dominiert die Zeichnung, erst 
langsam beginnt man die inltialgründe farbig zu hinter- 
legen. Den Übergang markiert der uGöttweiger Physid 
iogusw (1087). gegen Mitte des 12. Jahrhunderts, seit 
1950 über H. P. Kraus in der Pierpont Morgan Library zu 
New York. 
Die Jubiläumsausstellung vereint somit bis auf wenige 
Ausnahmen für die Präsentationsdauer auch den ehe- 
maligen Kunstbesitz Göttweigs wieder im Stift. der 
durch Notverkauf oder auch Diebstahl ins Ausland ge- 
langt ist. Somit ergibt sich ein relativgeschlossenes Bild 
kultureller Tätigkeit und Sammlerleidenschaft eines 
benediktinischen Donaustiftes. Freilich ließ sich nicht 
alles mehr auffinden, wie etwa der Troger-Bozzetto zur 
Kaiserstiege, 1739, in Londoner Prlvatbesitf oder der 
heute verlorene Göttweiger "Papstkataiogir mit Dia- 
mantentassung, der 1742 als Kaution in französischen 
Besitz gekommen ist. 
Die Gegebenheit historischer Schauräume bestimmte 
von Anfang an den Aufbau und die Abfolge der Ausstel- 
lung. Am Beginn steht das monumentale Göttweiger 
Treppenhaus, die sogenannte Kaiserstiege, mit dem 
Trogertresko derApotheose Kaiser Karls Vi. als Heiios- 
Gregor M. Lechner OSB 
Neubewertung der alten 
Göttweiger Kunst- und 
Wunderkammer 
Das Stift präsentiert im Jubeljahr 
seine Sammelbestände 
Die Nummern in Klammern sind identisch mit den Kataiz: 
mern der Ausstellung.
	        
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