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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 196 und 197)




25 Hemz Leinlellner, Puma!

vH. E. Apostel", 1970.

Bronze, Höhe 32 cm

27 Auguste Rodm, Porlrät

"Guslav Mahler-l, 1909

25 Hemz Leiniellnev.

Hweiblichä BüSlerx, 1971.

Gebrannte! Gips. bunt

bemalt, Hdhe 42 cm



andere Möglichkeit. einer Vollplastik reltef- bis flächenmäßigen

 Charakter zu geben. Besonders anschaulich

sind in dieser Hinsichtdie zwei Büsten Therese Schütz-Leinfellners

 aus dem Jahre 1959. "' Beiden Büsten ist

eines gemeinsam: die plastischen Einzelkörper. aus

denen sie sich aufbauen. entwickeln sich ausnahmslos

in einer Bildebene und sind nach vorne orientiert. Das

Gesicht ist fast scheibentormig. der Hals in die Breite

gezogen und durch eine Langsfurche geteilt, um die

vollplastische Wölbung nach vorne zu durchbrechen.

Besonders auttallig ist auch die Form der in Brusthohe

abgeschnittenen Büste. Dieser sockelarlige. breitgelagerte

 Aufbau tür den Kopf betont extrem die flächenhatte

 Wirkung und steht im Gegensatz zu den aus dem

Halsansatz unmittelbar aufragenden vollplastischen

Kopien früherer Jahre.

Die letzte Konsequenz in dieser Flichtungzieht Leinfellner

 im Porträt U. Baumgartner (Abb. 20) aus dem Jahre

1960 ' Er wendet hier die Technik des Reliefs an -

keine Linienritzung. sondern ein halbreliefartiger Profilkopf.

 Das Gesicht ist nicht kubisch aufgebaut. sondern

malerisch weich 7 mehr Bild als Plastik

In diesem weich gezeichneten Reliefkopf läuft aber

auch schon die Phase des Experiments aus. Leinfellner

besinnt sich auf seine ursprünglichen, plastischen

Werte. die er ja in den Ganzfiguren nie vernachlässigt

hat. Die Rückkehr zum vollplastischen Aufbau dokumentiert

 das Porträt Ftesi (Abb. 21)von 1962. "Weiche.

schwellende Formen dominieren. auch in der Behandlung

 der Oberfläche sind deutlich neue Qualitäten zu

sehen; die Herbheitderfrüheren Büsten ist verschwunden.

 Weiche Wangen kleines rundes Kinn, sinnliche

Lippen und mandelförmige Augen charakterisieren

einen sehr weiblichen Kopf, frei von selbstquälerischen

Auseinandersetzungen mit Problemen des plastischen

Gestaltens. Die Persönlichkeit der Dargestellten

scheint unmittelbar in die Plastik umgesetzt.

Eine ähnliche. direkte Ausdrucksmöglichkeit findet

Leinfellner im Portrat M. B. (Abb. 22) aus 1964 Hier

ist es nicht sosehrdas Weiche.Ansprechendealswieder

 das Dämonische. das den Betrachter berührt. Der

groß geformte Schädel erinnert an primitive Totem-Kopfe

 Schwarzafrikas mit seinen weil aufgerissenen

Augen und der herben Verschlossenheit der Gesichtszüge

 Die einzelnen Teile sind hart. kantig. unfertig

geformt. die ganze Oberfläche ist von Schmissen und

Schlagen durchfurcht  Trotzdem ist der einheitliche

Aufbau gewahrt; nur schwerlich kann man sich den

52

Kopf als ireine in sich geschlossene, von einander sich

durchdringenden Körpern gestaltete Forma" vorstellen.

 Man hat vielmehr ein ganzheitlich gesehenes Volumen

 vor sich. an dessen Oberfläche sich schwer faßbare

 Emotionen abspielen. vorgetragen mit Dynamik

und fast malerisch zu nennenden Mitteln.

In den frühen 60er Jahren setzt sich der Einfluß des

EngländersHenryMooreimWerk Leinfellnersdurch.Er

selbst läßi in seinem Berliner Vortrag" diese Bezie-25





Anmerkungen 55- 74

ß inir Nr 6.Ziegelterra. H46 Cm. lnv Nr aarerraeotia. H45 cm

1' lnv. Nr. 12a. Gips patiniert. 42 x 32

w Auch in den sariziiguren dieser zeit laßt SlCh eine Tendenz zum in die

Flache-Kippen erkennen Vgl z a Versionen der i-weiieniorrnigenii,

u a lflv Nr 80.gebr Lehm. L54 Cm. um tQGD

ß- inir Nr t7.Bronze. H 45cm

5' Ihv. Nr. i2. sionze. H 30cm

"- Leinlellrier selbst sagte, es sei Ilm zorn enisiandenr (lt. rretiridiierierri

Hinweis von Frau V. Leirifellrrer)

H w Skrelrier im Trigon-kai op cil

ß geinreiiner, Prinzipien odcti .s i72. v

M uoerArbeititnd MethodikH Moores MoorelJames. unerdie Plaslikcp

Clt

H inir Nr. vs. Gips rot oatiniart. L27 cm in dieser Serie giotes noch zwei

etwas groeere Versionen. Nr 79. Nr au. eine große Liegende. Bronze

L iss cm. aus l9G2. und eine unikaie Hollskulptur. undatiert. L i i2 cm

ß Zu dieser Tneniaiik Vgl Wilhelm Pinder. Das Problem der Generation

München 19er Besonders ss 56.96

ß lnv Nr -Z2.Gipsrotbemalt.H 39 cm

I1 inv Nr ssoipsouniitemait. H42cm EinbemaltelSaridsleinkopl aus

1943 oerrndei SiCh irn Kulluramt der siadi wien (lnv Nr 1555) und war

dem Autor nicht zugänglich.

ßl NeberiJ. M. Hauerundviktoräoknlciwskyll94B. inir Nrn 2.3)dasdritte

Porirat eines Zwolftonmusikers'

ß Bronze. ieos. Museum des 20. Jahrhunderts.

"I Katalog Plastik 20 JahrhunderLop eit . s r

11 eine ganz anniieiia Entwicklung kann man bei oiaeornetii verfolgen

11 lriv Nr 23.Glpsrotbemalt.H30cm.lnv Nr ttßrorizeJ-lßßcrri lr1v

Nr 14a. GIDS rot bemalt. H as ein alle aus dem Jahre 197i

H z Beirie-Liegendenulnv Nr .SCHWSYZQIKIJHSISISIILLlEQCm,V571

H Ubersetzt aus. eeinaid Dorival. Les Beaux Aits. in Revue de la iaoie

roride. 3150. Paris lQSO

hunganklingen.DerSchwungderLinie.derAufbau aus

organischen Bausteinen. die vielen Naturstudien -

sieheBerlinerVortragisind Dinge.die Leinlellnervielleicht

 nicht unmittelbar von Moore ubernimmt, aber

doch ziemlich direkt nachempfindet z Da sich dies in

derPortratplastiknichtsodeutlichmanifestiert.sollhier

eine Ganzligur zum Vergleich herangezogen werden.

EinTypusder Liegenden (Abb. 23). von LeinfellnertiWellenformigei

 genannt. nähert sich am meisten der

Mooreschen Formensprache. Eine kleine Version von

1960 verwirklicht die fdee der Körperlandschaft in

weich modulierter Form." ' Der Körper erstreckt sich in

wellenformigen Schichten in den Tietenraum. Die vordere

 Ebene bilden Hand. Becken. Unterschenkel und

dasvorgeschobenezweiteKnie;diezweiteSchichtsind

Brust und Bauchpartie Die letzte iiWelleii besteht aus

Kopf und zweitem Arm Die wellenformige Tielener-Streckung

 wird unterstütztdurch Aushohlungen und oft

fast kreisförmige Durchlocherungen. Der stetige Fluß

der Formen. das Ausgeschwemmte in den Korperhohlungeri

 vermitteln wirklich den Eindruck von Wasserspielen,

 Ebbe und Flut. von sich stetig wandelnder flussiger

 Substanz.

Um 1940 entwickelt Henry Moore seine großen. breit in

die Landschaft hingelagerten Frauenfiguren (Abb. 24).

Seine erste Skulpturmrr wesentlicher Durchhohlung ist

eine Liegende aus grünem Hornton-Stein in der Tate

Gallery. 1938 entstanden. Sie wurde bezeichnenderweise

 für einen Park in Sussex geschaffen. und sie

nimmt in ihren Formen den Rhythmus der Berge und

Täler auf Bemerkenswert ist die Freilegung ganzer

Körperpartien. wodurch wesentliche Aushohlungen

geschaffen werden. Wie Moore höhlt auch Leinfellner

seine Plastik aus. Bei ihm ist esjedoch nicht sosehrdas

Freilegen einer Einzellorm. sondern bildhafte Umsetzung

 der aushohlenden Kraft des Wassers. So ist die

Liegende zugleich Wasser und vom Wasser zersetzte

Substanz. Ein neues Element ist auch die Einbeziehung

des Leerraumes in die Tektonik der Plastik Durch das

Aushohlen setzt Leinfellner- wie Moore - Plastik und

Zwischenraum gleich. wertet beides als skulpturales

Material. Diese neueFtaumidee ruckt ihn nahe an Henry

Moore heran. mit dem er auch in der Themenwahl konform

 geht

Die Unterschiede zu Mooreschen Plastiken sind vor

allemaulzweiGebieten deutlich Zum ersten inder Vorsiellung

 der Slairk: bei Moore sind die Skulpturen

schwerlastend underdverbunden.Siestehenpraktisch
            
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