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Full text : Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 196 und 197)

Varia

Anton Cihlar 80 Jahre!

Fachleute der Mdbelbranche kennen und schätzen ihn hMli

herzlicher DankbarkeilseiderzahlreichenwertvollenHinweise

gedacht, die mir Herr Oberschulrat Anton Cihlar . aus dem

Schatz seiner reichert Erlahrung in allen handwerklichen Belangengabit.schreibtderbedeutende

 Mobelhistorikerundlangjahrige

 Kusios der Mobelsammlung des Österreichischen MuseumslurangewandteKunsLDr

 FranzWindisch-Graetz,inseiner

 i-Geschichte des europäischen Mobelsit Ihr erster Band

enthalt auch: iiDie wichtigen vom Tischler verwendeten Holzverbindungen,

 gezeichnet von Anton Cihlar ii

Praktiker selbst respektieren Anton Cihlars umtassendes Können

 Der gerichtlich beendete Sachverständige grundet seine

Urteile über Echtheit alter Möbelstücke maßgeblich aul Erlanrungen

 in lebenslanger. praxisnaher Ausübung in allen Bereichen

 des Tischlerhandwerks. Kunstliebhabern istA Cihlar eine

bekannte Erscheinung bei Kunstausstellungen, Antiquitätenmessen

 oder sonstigen einschlägigen Veranstaltungen Vielen

erscheint es nicht so, als ob er in seiner Frische dieses Alter

erreicht hatte. Er ist jung geblieben. lührt das aul seine Freude

am Handwerk und am Lehrenzuruck. Sein Leben ist ein arbeitsreiches.

 ausgeliilltes 1918. mit 14 Jahren. Tisohlerlehrling in

der Werkstatt des Vaters. Denn das Tischlergewerbe war Familienlradilion

 DieWerkstattCihlarwar in Fachkreisendurchihre

gediegenen Leistungen bekannt Nach dem t. Weltkrieg tuhrte

sie Aulirage tur die bekannte Mobellabrik Portois S. Fix aus

Anspruchsvolle Mobel in Spitzenqualitat, die wiederholt in AusstellungendesdamaligenOsterreichischenMuseumslürKunst



und Industrie - heute Österreichisches Museum lur angewandte

 Kunst w gezeigt wurden.

Anton Cihlar lernt in der Werkstattdes Vaters besonders die seltenen

 Arbeils- und Dekorationstec hniken, die anderswo kaum

mehr geubt wurden Seine äußerst gediegene Ausbildung war

der Grundstein lur seine spatere umlassende Beschalligung

mit Holz und allen Techniken der Mobelherstellung Nach dem

Tod des Vaters leitete er die Werkstatt bis 1950, stets in Praxis

mit aktuellen Problemen des Tischlerhandwerks konlrontiert

Der Schwerpunkt seiner Tatigkeit verlagerte sich mehr und

mehr aul pädagogisches Gebiet, seine Funktion im Berutschulrat

 in Wien

Während des 2 Weltkrieges Lehrer der Holzabteilung an der

iiFachschule lur TECHNIK", entwickelte er eine Arbeitstherapie

tur schwerkriegsgeschadigte Soldaten, die er turGesellen- und

Meisterprutungen vorbereitete

Nach Kriegsende wurde der Jubilar Leiter der zentralen Lehrwerkstatten

 lur holzverarbeitende Berule an der Berutsschule

in Wien. Zur Unterstützung des Fachunterrichtes vertaßte er

das i-Lehrbuch lur Tischler-t (Bohmann-Verlag, Wien-Heidelberg

 1961.6 Autlage erschienen). In Zusammenarbeit mit der

Staatlichen Lichtbildstelle schut er den Lehrlilm iiVom Stamm

zum Furnierblattti A. Cihlar leitete Fachkurse lür Tischler im

WtFl der Handelskammer Wien. Über seine Initiative landen

Werkmeisterkurse statt. die noch immer lauten. Und in allen

jenen Firmen. in denen heute noch traditionell gutes Handwerk

gelertigt wird. wo Möbel lachgerecht restauriert werden, wirken

 seine Schuler, Furdiese veröllentlichteer auch in der Fachzeitschrilt

 iiDer junge Tischlerii ein Tischlerlexikon sowie verschiedene

 Publikationen über Mobelkonstruktion und -verzierung

 sowie über die Entwicklung von Möbeltypen.

1961 erhielt der Jubilar als Krönung seiner pädagogischen

Tätigkeit einen Lehrauftrag an der Hochschule lür angewandte

Kunst inWien. Diesem lolgte ergetreu seinen lachlichen Prinzipien

 mit großem Einsatz durch bald 10 Jahre Praxisbezogen

lertigte er selbst, um geltende Holztechniken. die vergessen

schienen, wieder aulzutrischen, lur seine Studenten Modellstücke

 an. Sein langjahriges Anliegen, Arbeitstechniken der

Vergangenheit und Gegenwart in der Zukunlt zu erhalten. tand

Ausdruck in einer Serie von Farblilmen zu diesen Themen. Sie

sind lur die Geschichte des Tischlerhandwerkes wie auch lur

die restauratorischePraxisvongrundlegenderBedeutungSein

letztes Buch iiHoiz - gewachsen, gelormt, gebaute (Wien,

1984, Verlag Ch Brandstätter, Edition Langthaler) schut er lür

Kenner und Fachkreise, aber auch lur jene, die Holz - das

lebendige Material und dessen schöne Arbeit e lieben, Fur

A. Cihlar ist das Technische wie das Ästhetische gleich wichtig

und Handwerk und Kunst untrennbar. Ein Produkt ist lür ihn

schon. wenn es die Verbindung zwischen Matereie und Geist

risichibar-t macht. Eine Ausstellung im Österreichischen

Museum lur angewandte Kunst iimobilia phantasticaii 1971172

war richtungweisend lur diese Verbindung, Entwürle nach seinen

 Anregungen von bildenden Künstlern. wie E. Brauer, H. Florian,

 E. Fuchs, W. Hutter. K Mikula und P. Proksch, bewiesen,

daß Kunst von Hand auch heute noch Geltung hat Viellach ausgezeichnet,

 empling der Jubilar lur seine außergewohnlichen

Leistungen 1969 das silberne Ehrenkreuz turVerdienste um die

Republik Österreich. den goldenen Ehrenring der Tischlerlrtrtung.

 zu diesem. seinen so Geburtstag. roigtd die große silberne

 Medaille lur ungewöhnliche Leistungen im Dienste der

osterreichischen Wirtschalt.

Wir wunschen Anton Cihlar viel Frische lur die Zukuntt und hotlen,

 einige Beiträge aus seinem reichen Erlahrungsschatz

publiziert zu sehen. Vera Behal

78





Frau Bundesminister lurwissehschaltund Forschung Dr Hertha Firnoerg

beiderErollnungderAusstellungiirrtobilia phantastioait.SiebegrußlArtlort

Cihlar irn österreichischen Museum lur angewandte Kunst rnii derri Leiter

der Mbbelsamrrtlung Dr F windisdri-Graetz und Holrat DDr. G Egger

Kolo Moser, Elnbärtderllwuriztl neddnriei, Paul, Les cnarisoris eterrietles

Paris, rasa 4' Velliimrnt Monogr i u "K M '1 AusluhrungKarlKortegon.

Wien

Besonders lruhes Beispiel einer Einbartdgeslallung von koio Moser

OMAK K I 14 312

lnnsbrucklLandesmuseum Ferdinandeum a Dietirolische

 Nation 1790 - 1820

Anläßlich des Tiroler Gedenkjahres konnte diese außerordentlich

 umlangreiche. die verschiedensten Bereiche menschlichen

 Lebens demonstrierende Ausstellung ein gutes Bildjener

Zeit geben. Der erste Abschnitt ist der tirolischen Gesellschalt

gewidmet. Hier werden Porträts, Stiche. aber auch Schritten

uber verschiedene Gesellschaltsschichten gezeigt. Die Darstellung

 desGebirgslandes und seiner Erschließung. das Leben

des Volkes und der Volksreligiositat lolgen. Darlegungen der

wirtschaltlichen Probleme in der Notzeit der Kriege und Besetzungen

 schließen diesen Teil ab, Hier sind die vielen Wiedergaben

 der Volksbräuche und trachten ebensowie dievielen Landschallsdarstellungen

 besonders zu nennen. w Der zweite Teil

gedachte der Franzosenkriege. Hier waren es hauptsächlich

Dokumente, Erinnerungsstücke und Schlachtenwiedergaben.

die an jene Zeit erinnerten. ä Der dritte Teil war der Kunst um

1800 vorbehalten. An erster Stelle müssen hier die Werke des

Bildhauers Franz Anton Zauner und des Malers Joseph Anton

Koch genannt werden. Von ersterem seien der iiGenius Bornliii

und die Büste iiJosel Ritter von Sonnenlelsri besonders hervorgehoben.

 von Koch die otlenen, klaren Landschalten mit ihren

Tieren und weiten Sichten. Mit Anton Psenner und Joseph

Caratlonara wird bereits der Klassizismus vorri Nazarenertum

abgelöst, Es waren aber auch noch beachtliche Werke Tiroler

Künstlerjener Zeit zu sehen. Anschließend lolgten Entwurte zu

einem Andreas-Hoter-Denkrrial. Arctiitekturwiedergaben,

Grabdenkmäler sowie Gerätschaften und Möbel jener Zeit rundeten

 die Schau ab.

Ein 540 Seiten umlassender Katalog. gestaltet von Gert

Ammann. mit vielen schwarzweißen und larbigen Wiedergaben

der ausgestellten Objekte. mit zahlreichen wissenschaftlichen

Texten. Einleitungen und Zusammenfassungen begleitete die

Ausstellung und ist schon lür sich eine dokumentarische und

editorische Leistung. die gewürdigt zuwerden verdient. (6. 6. bis

14 10. 1984)

Das Schönste aus den Sammlungen des Museums

In drei Räumen des Erdgeschosses sind Meisterwerke der altdeutschen

 Malerei. der Tiroler Gotik und der niederländischen

Malerei ausgestellt. Die altdeutsche Kunst ist mit hervorragenden

 Gemälden von Lukas Cranach, Hans Baldung Grien und

Hans Schaulelein vertreten. Im Raum derGotik istderAltarvon

Schlot! Tirol Höhepunkt. Michael und Friedrich Pacher. Hans

Klocker und Hans Multscher ergänzen den Querschnitt. unter

den Niederländern ragen die Werke von Pieter Brueghel. Jan

van Goyen, Ter Borch, Fabritius und Rembrandt besonders hervor.

 (6. 6. - 14. 10. 1984) A. Vogel

Zur Entwicklung des industriellen

Bucheinbandes

Die Firma Wilh Raunegger stellt in der Zeit vom 4 lt) 1984 bis

5. l 1985 in der Bibliothek und Kunstblattersarrtrrtlung des

Osterr Museums lur angewandte Kunst Bucheinbande und

Materialien des 19 und 20 Jahrhunderts anlaßlich ihres

t25jahrigen Firmenjubilaums aus Zum besseren Verständnis

sei hier ein kurzer Abriß der Geschichte des industriellen

Bucheinbandes gegeben

Die industrielle Herstellung von Bucheinbanden setzt in den

20er Jahren des 19 Jahrhunderts ein Die ersten Einbande

waren aus glattem textilen Material ohne Ornamentierung Die

Ertindung von Prage- und Stempelmaschinen machte erst den

ornamentalen Dekor moglich. zuerst in Blindpragung Die Erlindung

 von Buchbiriderleinwand in England mit einer Appretur,

die esermoglichtmitGoldundFarbenzudrucken,gabden Industriebänden

 großen Aulschwung, die nun als Massenware hergestellt

 wurden. Ein bestimmtes Muster wurde lur die Herausgabe

 eines bestimmten Buches gelunden Die Muster

stammten zuerst von den Plattenschneidern, wurden spater

aber mit von den Buchillustratoren entworten. So kam es auch

dazu, daß mitunter Farblilhos aul Einbanddecken auitauchen

im 19. Jahrhundert war die Nachahmung alter Stile das Hauptmerkmal

 des Kunsteinbandes aller Lander, was auch in dem

dem industriellem Aulschwung lolgenden Verlagseinband zu

sehen ist

lnteressantistdie EntwicklungdeskunstlerischenVerlegerbandes

 aus einer mechanischen Nachahmung alter Stile rnit

untauglichem Material zu einem eigenen. materialgerechten

von Buchkunsllern geschallenen Stil in Verbindung milder Vervollkommnung

 derTechnik turden Masseneinband. der auch in

der Bibliothek des verwohnten Bücherlreundes einen Platz

beanspruchen darl Bei maschineller Einbandherstellung

erlolgt die Herstellung der Decke vollig getrennt von der Bearbeitung

 des Buchblocks bis zum Einhängen

Dem Buchbinder stehen zum Bedrucken Präge- und Vergolderpressen

 und der Tiegel zur Vertugung, mit denen lolgende Pragegange

 ausgeluhrt werden können: Blindpragung, Relietprägung.

 Farbprägung, Foliepragung, Goldpragung.

Vom Entwurt des Graphikers wird eine Prägeplatte angetertigt

Am besten eignet sich eine tiel gearbeitete Messinggravur, da

sie auch bei hoher Autlagezahl einen scharren Druck ermoglicht



Die Blindprägung ertolgt manuell aul der gebeizten Pragepresse

 oder aul der Schnellpresse

Die Farbpragung erlolgt an der Kniehebel-Handoresse, der

Schnellprägepresse oder am Tiegel.

Beim Foliendruck verbindet sich durchdie Hitze die von der Prageplalle

 angedruckte Foliedurch ein ihr anhaltendes Bindemittelmitdemzubedruckenden

 Material.ManverwendetPragepapier.

 bei dem die Folie aul einer Pergaminschicht aulgetragen

ist.

Verwendet werden Bronze, Talmigold und Talmisilbertarben,

Golddruck von Blattgold nur bei wertvollen Büchern

Bezugsiolte in Roh- und Mattleinen sind Baumwoll- oder Zellwollgewebe.

 in Leinenbindung mit Appreiur an der Unterseite

Ballonleinen ist ein leinladiges Gewebe aus Baum- oder Zellwolle.

 Seide wird lur bibliophile Einbände verwendet Kunstleder

 ist ein Gewebe. an dessen Oberseite eine dunne. gelarble

Plastschicht aulgetragen wurde Kunststolle (PVC) sind von

minderer Oualitat

DerEntwurlzurEinbandgestaltung muttvomlnhaltdeswerkes

ausgehen und die literarische Gattung erkennen lassen. Seit

dem Aufkommen des Umschlages, dem vor altern in England

bereits große kunsthistorische Aulmerksamkeit entgegengebracht

 wird. wird der Einband immer einlacher und zuruckhaltender

 gestaltet.

Eine Erneuerungsbewegung des Handeinbandes geht von England

 aus. von William Morris und Douglas Cockerel In Österreich

 hal Koloman Moser und die Wiener Werkstätte wesentlichen

 Anteil In Deutschland dagegen geht die kunstlerische

Erneuerungsbestrebung primär vom industriellen Einband aus,

der bedeutende Graphiker zur Gestaltung heranzieht wie etwa

Otto Eckmann lür Hermann Sudermanns Tragodie Johannes.

erstmals erschienen bei Cotta. Stuttgart-Berlin 1898. in

Schwarz und Rot Die in ihrer Einbandgestaltung bahnbrechende

 Neuausgabe von 1906 zeigt die von einer Dornenranke

umgebene Lilie in Goldprägung. den Schleier rot aul dunkelgrunem

 Kaliko Hanna Egger

Abbildungen Österreichisches Museum tvon oben nach untenl i

Ausstellung HESSEN + Trinkerin i lur Kinder und Erwachsene

Werbaplakat lur i-Johann Stowasser, Restaurateurir - Lttlt Haulller.

Schmutterer 6 Co , Wien ill

Ausstellung HWVSVIGI weiksiaiie 4 Die Moden

Dagobert Peche, rote Moden der Wterter Werkstätten. Plakat

Ausstellung irWiener werksiaiie 7 Avantgarde, Art Deco. lridustrial

Design

Daguberi Peche. um isieiie. Uberlangglais rnii sonniit. PrlVEtbBSllZ.

Wlert

Josetl-tollrrtanri. Brosche, tsos Silber. Halbedelsteine.PrtvatheSttZ,Wien

Ausstellung Reine iiosieireiotiisdnes Kunsthandwerk der Gegenwart:

Rosemarle Benedikt, Porzellan- und Steinzeugobjekte

Ausstellung Raine IOSlerlBlChlSChES Kunsthandwerk der Gegenwartii"

Peter Gangl, Service UrllkBlrFOrZEllart und Steinzeug
            
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