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Full text: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 189)

Wiener Goldschmiedehandwerk des 17. und der 
älfte des 1B. Jahrhunderts stand unter dem bestim- 
iden Einflußvon Augsburg. das in einerArt Monopol- 
ung nahezu allen Bedarfan sakralem und profanem 
rauchssilber in Mitteleuropa deckte. Da die be- 
eidenen lokalen Produktionsstätten dem großen 
Jiid nacheiferten. findet man dessen Geratetypen in 
an Orten Deutschlands, Österreichs, Bohmens und 
arns wiederf 
lien brachte erst der allgemeine Aufschwung der 
ste, der nach dem Sieg über die Türken erfolgte, 
h neue Impulse für das hiesige Goldschmiedege- 
ae. Dabei spielte der Goldschmied Johann Baptist 
ischbauer eine tragende Rolle; er übertrug die 
Hi, die die Protagonisten der Barockkunst (J. B. Fi- 
er von Erlach. M. Steinl, L. Mattielli) in derArchitek- 
indder Bildhauerei verwirklichtemaufdieEbeneder 
nkunst. 
z der Anregungen, die zweifellos von Känischbau- 
Leistungen ausgingen, konnten sich die Wiener 
ischmiede erstinderMittedes18.Jahrhundertsan- 
einend aus den Fesseln der Augsburger Tradition 
eien.Esistbemerkenswert,daßgeradeindieseZeit 
Loslösung auch der Beginn der Tätigkeit von Joseph 
ierfiel; wenn man sein Oeuvre betrachtet, das gleich 
Anfang an sehr charakteristische Züge tragt, halt 
i es für möglich. daß der Einfluß seiner starken 
stlerischen Persönlichkeit und seines großen Kori- 
s mithalf, die WienerGoldschmiedekunstzur Eigen- 
V8 
standigkeit zu führen. In der folgenden Periode des Flo- 
kokostils errang Wien einen Höhepunkt in seiner Ent- 
wicklung; viele Arbeiten überflügelten Augsburg an 
Schönheit und Fortschrittlichkeit. während dessen Ein- 
fluß bald auf ein Minimum sank, ja allmählich erlosch. 
Zum Unterschied zu Wien. das sich im Josephinischen 
oderZopfstiI zu neuer Blüte entfaltete. überstand Augs- 
burg nicht den Stilwandel zum Klassizismus, womit es 
am Endpunkt seiner traditionsreichen Kunst angelangt 
war." 
Joseph Mosers Schaffenszeit. die ungefähr 40 Jahre 
umspannte (1746-1782), fiel in eine Phase des Um- 
bruchs. in der nicht weniger als drei Stilrichtungen auf- 
einanderfoigten. Mosers großes Verdienst dabei war 
es. daB er seine Eigenständigkeit während der wech- 
selnden Strömungen behieltundsiemltvielVerstandnis 
und Einfühlungsvermögen in seine persönliche For- 
mensprache umsetzte. 
Zu Beginn seinerTatigkeitwarernoch mitdem Erbe des 
Hochbarocks Karls Vl., das bis weit in die Maria There- 
sianische Epoche Einfluß ausübte, konfrontiert. Erst um 
1760 nahm er die Anregungen des in Paris nicht mehr 
aktuellen Rokokostils auf, der in Wien aus offensichtli- 
chen Ressentiments gegen den nErbieindu Frankreich 
lange Zeit abgelehnt wurde und sich erstsehr verspätet 
durchsetzen konnte. Aber schon 10 Jahre danach be- 
gann der Siegeszug der modernen Pariser Stilrichtung. 
des Klassizismus: auch auf dessen Forderungen stellte 
sich Moser rasch ein. ohne jedoch auf die charakteri- 
Barbara Wild 
Der Wiener Goldschmied 
Joseph Moserl 
IIB Monstranz; Silber vergoldet, Brillanten, Smaragde. Rubine 
Amethysteßaphire. Perlen: Wiener Beschau 1 762, Meistel 
merke IM; H : 70,4 cm; Chicago, Art Institute 
1 Silbergitter für die Gnadenkapelle in Mariazell; Stich von Ja 
cob Matthias Schmutzer nach dem Gittervon Joseph Mose 
und Joh. Jos. Würth; Berlin Kunstbibliothek 
2Votlvampel; Silber. teilweise vergoldet; Wiener Beschai 
1765, Meistermarke IM; Gesamthöhe 190 cm; Innsbruck 
Jakobskirche 
Anmerkungen 1 - 9 
1 Dieser Aufsatz basiert aufder Doktorarbeit der Verfasserin, die untE 
dernTitel rDerGoldsonrriiedtiusepri MoserunddieWienerGoldschmit 
dekurlst des 18. Jahrhunderten 1952 an der Wiener Universität apprr 
biert wurde. 
1 Unverkennbares Aufbauschema der Augsburger Kelche. gewölbte 
Fuß, langer. schlanker Hals, kleiner Nodus und dreigeteilte Kuppe. DE 
Fußteil der Monslranzeri verhalt sich wie die Kelcnbasen. 
' H, Seilng. Die Kunst der Augsburger Goldschmiede, München 1980 
' C Knies, Punzierung in Österreich, Wien 1896. Der genaue Wortlat 
des Manifeste von 1806 bei E, Leischlng. Aitosterreichische GCili 
schmiedearbeiten. Kunst und Kunsthandwerk (KUKHW) 1904, VII, i 
499. 
' Abdruck der Bruderscriaftsordnung bei E. Leiscliing. Zur Geschieht 
derWienerGold-undSilberschrniedekunst, KUKHW 1904,Vll. p. 3521 
1 JungerVorsleher 1 752 - söuälterZeicnenmeister1758 - 59iAlterV0 
steher 1750-62; Alter Zeicnenrneister 1762-64. Aus unertlndlicnei 
Grund hatte Moser riiedledritte FunktionJdiedssechetzmeisters, inni 
1 Als ein Beispiel sei Mosers Goldscrimiedekollege Joseph Schwab e 
wahni. der zum -k k Ksmrnsr-Juwelier- ernannt wurde. Eine Sonde 
Stellung nahmen die i-nothafreltem Goldschmiede ein, die nicht der lt 
riung unterstanden. sondern ganz dem Hof zugeordnet waren 
' Das alte, 1679 von Kaiser Leopold l. gestiftete Silbergltter wurde eli 
geschmolzen und für das neue wiederverwendet. Die lnschrittkartl 
sehe in der Mitte der Eekrbnung nimmt darauf Bezug. 
' Andrea Altomcnte war der Sohn von Marttno Altomonte und als Arcr 
tekt tätig, Von ihm stammt das Fnrtal der Wiener Peterskirche.
	        

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