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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 189)

talen Schmuck auf die Rahmung des Hostienfensters.

Eine Variante dieses Kcmpositionsschemas zeigt die

Prachtmonstranz im Art Institute von Chicago (Wiener

Beschau 1762. Meistermarke IM) (Abb. 118)." Sie ist einesderschönsten

 undinteressantestenWerkederWiener

 Goldschmiedekunst und nimmt sowohl in stilistischer,

 als auch in ikonographischer Hinsicht eine Sonderstellung

 ein.

Die Schauflache folgt dem traditionellen Schema in besonders

 monumentaler Form; der mächtige Gottvater

thront hoch über dem Wolkenkranz und blickt auf das

Sühneopler seines Sohnes herab, der auf dieser Darstellung

 doppelt präsent ist: sowohl in der Hostie. als

auch in Gestalt des Opferlammes. Die Stichflammen

unddie Rauchsäule bilden dieVerbindung zwischen der

Dreifaltigkeit in der Strahlenglorie und der nüchternen

irdischen Szene, Gleichzeitig stehen sich auf der Plattform

 Altes und Neues Testament gegenüber. symbolisiert

 durch das Geschirr für das Blutopfer (AT) und die

Trauben und Ähren (NT); zwischen sie tritt Christus und

hebt die Gegensätze durch sein Erlösungsdpfer auf.

Die Gegenüberstellung verschiedener Ebenen und

Sinngehalte wird zusätzlich mit stilistischen Mitteln unterstrichen.

 Der malerische, weich fließende Rokok0-rahmen,

 in dem die schonen Engel aus der Donner-Nachfolge

 knien, steht im stärksten Kontrastzu der radikalen

 Nüchternheit, in der die Opferszene an der Basis

dargestellt ist.

Die betont strenge Form und der extreme Realismus,

der einer demonstrativen Abkehr vorn Barock gleichkommt

 und bereits Stilmerkmale des Klassizismus vorwegnimmt,

 weisen auf die Einwirkung reformtheologischert

 Gedankengutes hin." Auch die Wahl des Themasbeidemdas

 BußopferimMittelpunktsteht,beziaht

sich auf die neue religiöse Lehre, die sich vehement gegen

 den Barcckkatholizismus richtete und die Kirche

von allem Überfluß säubern und zu den christli

Grundwahrheiten zurückführen wollte. Als religior

litischer Faktor wurde diese Reformbewegung je

erslunterJosephll.(1765 -1790)wirksam.Ausdir

Grund erstaunt der frühe Zeitpunkt der Entstehun

Monstranz. Offenbar ersann einer der führender

treterderReformbewegungdas Programm fürdie

stranz. daserganz der neuen Lehre widmete. Mos

füllte die Aufgabe der Umsetzung in kongenialerAr

Weise, indem er den Zeilslil verließ und so eine üt

schend fortschrittliche, unikate Lösung schuf.

Der Rückblick auf ältere Vorbilder. ein wesentl

Charakterzug der ersten Schaffensjahre, kennzeir

aucheine Fleihevon Silberbüsten, die sich inderW

Schatzkammer befinden (Abb. 9)." Obwohl sie ur

ziertsind,sprichtdochdiegroße Ähnlichkeitzu der

Moser signierten Reliquiar des hl. Eligius (Wiene

schau 1764, als Leihgabe der Landesinnung fürl



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