MAK

Volltext: Alte und Moderne Kunst XXVIII (1983 / Heft 189)

von Moser ausgeführter Werke genannt. Da keine 
allen odervon Mack signierten Zeichnungen diesbe- 
igen,bleibtdietradierte Meinungweiterhin lediglich 
a These. in Anbetracht der Tatsache, daß Mack 15 
reiünger als Moserwar und seine Tätigkeit als Gold- 
mied erst um 1780 aufnahm. erscheint sie nicht 
ht überzeugend, dadie von Mosergestalteten Arbei- 
stilistisch die gleiche Handschrifttragen wie diejeni- 
,dieangebiichaufEntwürfevon Mackzurückgehen, 
. der hl. Eligius des Historischen Museums oder das 
uzpartikei-Reliquiar des Österreichischen Mu- 
ms lür angewandte Kunst (Wiener Beschau 1782) 
o, 23). Sowohl die Flokokoplastik als auch das klassi- 
ische Ostensorium bilden eine konsequente Fort- 
Lung der Entwicklungsreihe. 
Provenienz des Kreuzreliquiars aus der Familie 
zk bietet allerdings tatsächlich einen Anlaß, dieses 
rk in Zusammenhang mit dem erfolgreichen Juwe- 
tändler Mack zu sehen. Möglicherweise schuf Mo- 
im Auftrag von Mack die getriebene Grundform, die 
:k selber überaus farbenprächtig mit Edelsteinen 
mückte: die bunten Steine unterstreichen noch den 
irdierenden Zug des Ostensoriums. 
Kelch derWienerSchatzkammer (Wiener Beschau 
5) (Abb. 24)verblndet ähnlich wie das eben erwähn- 
"azifikale barocke Traditionen mit modernen Moti- 
. Aus dieser Kombination entstand eine der pracht- 
sten Leistungen des Josephinischen Stils, die sehr 
chaulich die heterogenen Einflüsse dieser Uber- 
23 Kreuzpartikel-Fieliquiar; Silber vergoldet, Brillanten, Ame- 
thyste, Granaten, Weintopase. Moldavite, Bergkristall, Per- 
le; Wiener Beschau 1782. Meistermarke IM: H : 30,4 cm; 
Wien, Museum für angewandte Kunst (Go. 1460) 
24 Kelch; Silber vergoldet; Rauten, Rubine. Amethyste. Grana- 
ten; WienerBescnau1775, Meistermarke IM; H : 27,2 cm; 
Wien, Schatzkammer (B B) 
gangsperiode charakterisiert. Die wirktichkeitsgetreue 
Darstellung des Weihrauchfasses, aus dem die Duft- 
wolke gleich dem beim Weinopfer gesprochenen Gebet 
gegen den Himmel emporsteigt, basiert noch auf der 
barocken Vorliebe für Visionäre Bilder." 
Die etwas weniger reiche Variante in der Wiener 
Peterskirche (keine Punzen) verzichtet auf diesen 
lllusionismus?" Der Kelch, der auf Grund der großen 
Ähnlichkeitmitdem StückderSchatzkammerMoserzu- 
geschrieben werden kann, wurde vielleicht 1777 anläß- 
lich des 100iährigen Bestehens der Dreifaltigkeitsbru- 
derschaft, die Kaiser Leopold I. mitbegründet hat, vom 
Hof gestiftet. 
Mosers Schaffen schließt mitzwei großen Projekten ab: 
1780 erhielt er den Auftrag, den mächtigen Silbertaber- 
nakel für die Stiftskirche Klosterneuburg zu gestalten. 
AufWunsch der Besteller, die auch hierden Hinweis auf 
die Gründungslegende präsent sehen wollten, stellte 
Moser über dem Schrein einen Holunderbaum dar. Lei- 
derwurdedieseswerk bereits 1 3Jahre nach seiner Ent- 
stehung als vdonum gratuitumri an die Börse abgege- 
ben. um aus dem Erlös Kriegsanleihen zu kaufen." 
Als sein letztes uns bekanntes Werk schuf Moser 1782 
den Rahmen für das Gnadenbild Maria Candia in der 
Wiener Michaeierkirche (Abb. 25). Das schlichte Flecht- 
eck mit dem silbernen Girlandenschmuck und der Kro- 
ne ordnet sich bescheiden in den monumentalen Altar- 
aufbau von J. B. d'Avrange ein. Das riesigeAugeGottes. 
das die ganze Chorwölbung überstrahlt. führte eben- 
falls Moser aus," Zu diesem Zeitpunkt zählte Moser 
bereits 67 Jahre. Seit 1781 Witwer. wurde er von einer 
Tochter seiner Frau aus erster Ehe und später von sei- 
nerStiefenkelin betreut. Als er 1801 im Altervon 86 Jah- 
ren starb, wurde diese die Universalerbin seiner dürfti- 
gen Hinterlassenschaft. Sein Testament vermittelt uns 
den Eindruck eines ärmlichen Haushaltes, in dem ehe- 
mals bürgerlicher Wohlstand geherrscht hatte, von 
dem aber die langen Jahre des Alters und der geringen 
Erwerbsmögiichkeiten gezehrt hatten. Die Werkstatt 
warbei Mosers Tod bereits aufgelöst, was aus dem Feh- 
len von Werkzeug und Goldschmiedegegensfänden 
hervorgeht. 
Obwohl Joseph Moser sicher am Aufschwung der Wie- 
ner Goldschmiedeschule beteiligt war, fanden seine 
Werke, abgesehen von einigen wenigen Ausnahmen. 
keine direkte Nachfolge. Besonders die freiplastischen 
Kompositionen bleiben Einzelerscheinungen in der 
Goldschmiedekunst. Damit ähnelt Mosers Schicksal 
demjenigen von Känischbauer, der ebenfalls nur im all- 
gemeinen Einfluß auf seine Zeitgenossen ausübte, und 
dessen Losungen erst wieder Moser aufgriff. Mit ihm 
hatte Moser auch die bemerkenswerte plastische Be- 
gabung, das sichere Proportionsgefühl und den feinen 
Geschmack bei der Anwendung dekorativer Details ge- 
meinsam. Moser mit Kanischbauer gleichzusetzen und 
ihm den gleichen Rang unter den Wiener Goldschmie- 
den einzuräumen, wird seiner überragenden Bedeu- 
tung gerecht. 
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