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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 194)

chen rudelweis, Italiens Maronibrater. böhmische

Liwanzen, slowakische Babuschkas und kroatische

Bereiter trieben es auch nicht anders im Eros Austriae:

O Siedetopf, 0 Völkergosse. Bastardenvolk, Geniekompost!



Und Arthur Schnitzlers Reigen, sein Naturgesetz, ist

das Symbol. In Robert Musils großem nebeligen wMann

ohne Eigenschaftenu. Untergangsvisionen, steht glänzend

 das geheimnisvolle Paar der ptolemäischen

Geschwisterliebe heiter da, an welcher Georg Trakl

grausam stirbt. Eros Austriae.

undalsderAptelstrudeltriumphierend unsereWelterobert,

 hat auch der Doktor Freud aus Wien der ganzen

Welt verkündet von der Zerstörerkraft des Eros.

Seit hundert Jahren fault schon der Kompost. O dekadente

 Süßigkeit! O Edelscheiße! Es blühn daraus die roten

 Orchideen, saugender Frauenmund, derJugendstil.

Und Gustav Klimts Gemälde scheinen uns geraubt aus

dem Palaste König Rhadamanthes zu Faistos aulder Insel

 Kreta. Die Schule der phantastischen Realisten gebiert

 nach niemals endenden Orgasmen unwahre Haschischträurne

 violett und lila.

O hohe Kunst der Transvestiten! Doch wahren Eros

zeigt uns Egon Schiele im Leide schmerzgepeitschter

Königinnen.

Die Skipetaren in der Steiermark sind herbstlich wild

undzeigenmanchmalvielzustarkeMuskelnjedochgesunden

 Eros Styriae.

Und Salzburg garhält seinen Eros ieil im edlen Management

 und im Verkauf um teures Geld an glitzernde Behängte.

 Das Groß-Musik-und-Kunst-Etablissement der

Welt quillt über von dem Acnsoschönen-edlen-hehrenholden-delikaten.

 Salzburger Musenküsse für die Welt.

Rolls-Royce- und Bussigeseilschaften allüberall. Jetsetgeseire

 tönt in hohlen Gassen. Delikatessen. Delikatessen.

 Kochhauben. Karajanuskopi. Auch dies ist Eros

Austriae.

OMozartkugelgahneni Dergroßesohntöntklagend auf

die Straße, wenn in der Oper die Cosi ertönt - oderdes

Cherubino Stimme klagt: ivSagt, ist es Liebe, was hier so

brennm Ja, Austriaes Eros brennt, auf alle Arten. Er

liebt. Er brennt.

im alten Austria. im schönen Tarnopbl entstand die erste

 UNO-Stadt der Juden, Deutschen, Türken, der Ungarn,

 der Rumänen, Polen, Russen, der Zigeuner,

Maghrebinier. Kuruzen und Zibeben, ein Klein-Kannitverstan,

 doch alle liebten munterdurcheinander. lebten

zusammen, sich nur selten liebend herzlich prügelnd.

2 r-Zimburgis von Masovlem, 1513-1526. Großmutter Maxlmilian

 L, vermählt 1412 mit Ernst dem Eisernen. dem sie 10

Kinderschenkte, gestorben 1429. Eine Bronzestatue aus 28,

Werkstan Gilg Sesselschreiber, Höhe 231 cm, Innsbruck,

Hofkirche, Grabmal Kaiser Maximilians I. '

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O Amor Austriae!

Und wenn die stolpernden Pferde der Reiterdenkmäler

von Italiens Risorgimento verdiopemgleich den Säbel

schwingend stürmen. stehet der Feldmarschall gleich

einem Philosophen wie Marc Aurel am Stubenring in

Ruhe und in Würde. Dazu ertönt die Hymne iiwenn der

Hund mit der Wurscht den Frosch verschlingt oder in

der Luft den Jodler singtu. sei's wie es sei 7 o Eros. Vaterland.

 ungarisch Voterlond.

Jedoch in Mailand stellt man Maria Theresia aus und in

Friaul erinnert man sich wieder an den i-Ceccopepeu -

jenen böhmischen Pepperl, den man in Prag den Frantisek

 Prohaska nennt. Und die Nationalneuroten denken

wiederum an die Eroten, an Lissa. wo die eisernen Männer

 auf den hölzernen Schiffen hölzerne Männer auf

eisernen Schiffen versenkten, hölzerner Tegetthoff.

Am zahlreichsten aber sind die Ejakulationen des Eros

Austriae in Ftestgermanien. dem vielgeliebten doch oft

nur des Geldes wegen. wo sie als Sauerteig die Szene

germen - hefen - durch Sänger, Literaten, Dirigenten.

 Künstler jedweder Spezies. durch hochbezahlte

teuerste Verlüh rer. Buhlschaften. Zwar sang der Georg

KreislerwWas nützt mirdenndas viele Geld. in Bielefeld.

in Bieleteldv. - Doch nahm er's gern und blieb in Gelsenkirchen.


            
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