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Metadata: Monatszeitschrift VIII (1905 / Heft 3)

genistet und dort zu einem gemütvollen kleinbürger- 
lichen Biedermeiertum lange vor der eigentlichen 
Biedermeierzeit ausgebildet: die Sprüche und Wid- 
mungen auf den Geschenktassen erzählen davon und 
die Limbacher Figuren sind wahre Dokumente ihrer 
Zeit, so recht würdevolle Thüringer Herren und 
Damen. Die Kleider im Kleinstadtschnitt, die sie 
tragen, mögen den damaligen eleganten Leipzigern - 
ich erinnere an die lebendigen Schilderungen in 
Zachariaes Renommist - gerade so putzig vorge- 
kommen sein, wie etwa eine österreichische Klein- 
stadtrobe auf der Ringstraße wirkt. 
In erster Linie interessieren uns unter den gegen 
2000 Objekten der Leipziger Ausstellung diejenigen, 
die künstlerische Selbständigkeit verraten, und gerade 
bei den älteren Fabriken finden wir eine Fülle von 
solchen. Kloster Veilsdorf und Volkstedt sind noch 
auf Rokoko und frühes Louis XVI gestimmt, in Gotha 
dominiert der spätere Louis XVI-Stil unter ausgespro- 
chener Beeinflussung seitens der Sorgenthalschen Alt- 
wiener Porzellane. 
,. Im Jahre x76o erhielt der frühere Theologe Georg 
Bemalte Kloster Veilsdorfer Heinrich Macheleid vom Fürsten Johann Friedrich zu 
Pomlhnhgu" ümmm" Schwarzburg ein Privileg zur Erzeugung von Porzellan. 
aus der Folge antiker Gott- _ _ _ _ _ _ 
heiten (Thüringer Museum Bis 1762 war die Fabrik in Sitzendorf, wo Macheleid 
i" Eiwmh) auch die ersten Experimente gemacht hatte, dann 
wurde sie nach Volkstedt transferiert. Leider ist das Aktenmaterial ein sehr 
geringes, einen einzigen Künstlernamen nennt uns Stieda, den Maler Triebner, 
dem wir noch den Dreher Rielig beifügen können, der 176g von Meißen kam 
(Berling, S. 174 Anmer- 
kung 31g). Angesichts ' 
der künstlerischen Be- {i 
deutung der Fabrik und f: 
der vielen interessanten  
Beobachtungen, die sich V1 
aus der großen Menge  
der ausgestellten Volk- 
stedter Porzellane er- 
geben, ist dieser Mangel 
um so bedauerlicher. 
Die ältesten Marken 
zeigen die zweizinkige 
Gabel, einfach oder 
doppelt, manchmal UBCh Geraer Porzellankanne, bunt dekoriert (Frau Dr. Spitzer, Dresden) 

	        

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