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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

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Traumwelt - viele von ihnen lächeln nun schon seit

einem halben Jahrhundert e- und erfolgreich - uns an.

Bei ihrer Betrachtung heute ist es, als ob sich ein Tor zu

jenerZeitöffnet. Man sieht Equipagen an Zauberschlössern

 vorbeisausen, man sieht marschierendes Militär.

auch präsentierende Wachposten und lustwandelnde

Liebespärchen. Gelegentlich hat man zu den mit Papier

in Mehrfarbendruck kaschierten Liliputschatullen,

Kommödchen. altmodischen Reisekoffern, Hutschachteln

 und Bonbonnieren auch die linearen Varianten desselben

 Dekors in Einfarbendruck verfertigt. die man

dann als einfaches Einwickel- bzw. Packpapier verwenden

 konnte. Zu diesen jederzeit brauchbaren und

gebräuchlichen Verpackungssortimenten entwarf Katö

Kaesz-Lukats zusätzlich auch festliche Extrapapiere zu

Feiertagen, Etwa für den Gebrauch in derWeihnachtszeit,

 für die Ostertage oder den hl. Nikolo. Hiebei paßte

sie sich selbstredend in bezug auf Farben dem jeweiligen

 Charakter des festlichen Anlasses symbolisierend

an. So schienen ihrz. B. fürdieWeihnachtszeitGrün mit

Silber kombiniert oder Gold treffend zu sein. Am Nikolotag

 sollte Kardinalrot oder im Lenz mochten Pastellfarben

 wie Hellrosa, Pastellblau oder -grüh passend sein.

Mit einem heutigen Terminus wäre die Künstlerin. einfühlsam

 und praxisbezogen, sinngerecht als eine Meisterin

 des Packaging-Design zu bezeichnen.

Wie sehr der Firmeninhaber die Arbeit der Künstlerin

schätzte. geht daraus hervor, daß er - als er nach dem

Anschluß Österreichs an Deutschland, 1938, aus Wien

fliehenrnußte-aus New Ycrkschrieb: u. ..verlcralles.

mein alleiniges Kapital, das ich mitnehmen konnte, bilden

 Ihre Packpapiere und Bonbonschachtelnti -womit

er persönlich den Wert unterstreicht und ausdrückt wie

diesewinzigemdemScrieine nach nutzlosen Utensilien

dem Geschenk Anmut verleihen. Sie ziehen an durch

4 Confiserie Altrnann 8. Kühne. Wien, Graben, Kato Kaesz-Lukatsexquisite

 Konfektschatullenmitderntypischenfiguralen

 Streudekor

5 Confiserie Altrnann 81 Kühne. Wien. Graben, Katö Kaesz-Luka'tsAuswahldesvariantenreichenSortimentsan

 Konfektschatullen

 in den traditionellen Ausformungen und dem typischen

 Streudekor

S Confiserie Altrnann S. Kühne. Wien. Graben, lnnenraumgestaltungvonGyuta

 Kaesz-halbkreisfürmigsrVerkaufstisch

mitVitrinenetnbau und Wandvitrirre sowie Blick aufdie übrige

Innenausstattung mit Wandsofa und Tischen sowie Markise

mit Landschaften und Eisenstühlen

7 OonfiserieAltmann8tKühne,Wien.GraDemeinpaarderKonditoretstuhle

 aus Eisen und Blech von Gyula Kaesz

Anmerkungen 5 - 6

l Unteranderarr 1936 und 193a lr1 der Gebrauclvsgraphlk, 193a inArIand

Indusfry, In den Jahrgängen 1932. 1934, 1935. 193a und 1939 der Zeitschritt

 Modern Puüilrlly, des weiteren in den Jahrgängen 1932, 193a,

1934, 1935 vom CdmmerciaiArI and lnduslry.

- Ausstellung der Werke der Frau Katü Kaesz-Lukats im Museum für

Kunstgewerbe, Budapest 1979 Geleitwort das Katalogs aus der Feder

von Ferenc smart und Eva Banszky.

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ihre fröhlich-bunte Frische und Sonnigkeit, die den

grauen Alltag durchbricht und - man darf es getrost

behaupten-verbreiten künstlerischeWerte. diejedermann

 leicht erreichen können. Daß aber eine solche

Bonbonniere viele Jahrzehnte lang, genau ein halbes

Jahrhundert, beliebt und kaufanreizend bleiben konnte,

verbürgt auch die Güte der enthaltenen Ware, was

deren Umlauf und Gängigkeit, wie ihre Wertschätzung.

auch im internationalen Bereich. zu steigern vermag.

Nach dem 2. Weltkrieg hörte Frau Katö Kaesz-Lukats

auf, grafischeArbeiten fürden Handel anzufertigen. Sie

wollte und mußte ihre schöpferische Tätigkeit neu

akzentuieren, in allem neu von vorne anfangen. Sie verlegte

 sich ab da vorwiegend auf die Illustration von Märchenbüchern,von

 Lehrbüchern undauf Entwürfe für Diplome,

 Auszeichnungen etc. Sie vermochte auch in diesen

 Bereichen Leistungen von hohem Niveau zu bringen.

 den wertvollsten Teil ihres Lebenswerkes bilden

dennoch die angewandten grafischen Arbeiten aus den

dreißigerJahren. darunterdieSignlfikantenfürAltmann

St Kühne.

Heute sind diese in den zwanziger und dreißiger Jahren

entstandenen Arbeiten und Entwürfe von Frau Kaesz-Luka'ts

 in Ungarn nicht mehr im Blickfeld, um nicht zu

sagen. fast vergessen. Sie gehören vor allem für Generationsgleiche

 und Kenner nunmehr zu jenen Leistungen,

 welche man aufs neue zu entdecken hätte. Aus diesemGrundeschauenwirmitbesondererGenugtuung

 in

die Auslagen der Confiserie Altrnann ä Kühne, deren

Rechtsnachfolger nach wie vor den Stil mit den Schöpfungen

 der Künstlerin hochgehalten hat. Damit hat sich

in Wien ein aus der Blütezeitder ungarischen Merkantilgrafik

 stammender Kunstwert am Leben gehalten und

damit deren Ruf und Glanz bis zur Gegenwartverbreitet

und wachgehalten.

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