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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXX (1985 / Heft 201 und 202)

Robert Keil 80 Jahre

Der Maler Robert Keil hat am 25. Juli sein achtzigstes

Lebensjahr vollendet. Solche äußeren Anlässe bieten

die Gelegenheit, wieder einmal auf das Werk des nun

reif gewordenen Künstlers näher einzugehen, Ein Einzelgänger,

 was sein künstlerisches Schaffen anbelangt,

 war er schon immer. Kompromißlosigkeit gegenüber

 sich selbst und auch gegenüber den gesellschaftlichen

 Konventionen schuf die qualitativen Voraussetzungen

 für seine Kunst. So tritt er nur dann mit Ausstellungen

 an die Öffentlichkeit, wenn er endgültige Formulierungen

 zu seinen bildnerischen Gedanken und Problemen

 gefunden hat. Die beiden großen Kollektivaus-Stellungen

 in Österreich - 1958 im Museum für angewandte

 Kunst und i 973 in der Österreichischen Galerie

im Belvedere - beweisen seinen Stellenwert in der

österreichischen Kunst der Nachkriegszeit.

Nicht Anpassung an Trends. sondern ständiges Suchen

nach prinzipiellen Gestaltungskriterien, die das komplexe

 menschliche Denken und Handeln veranschaulichen,

 macht seine Persönlichkeit als Künstler so

schwer verständlich, wenn überhaupt faßbar. iiFlobert

Keil arbeitet abseits der Hauptströmungen der Kunst.

aber vielleicht gerade deshalb besonders nahe am Zentrum

 unserer geschichtsbestimmten Existenzr (Wilfried

 Skreiner, 197i). Die Achtung vor dem, was bereits

von Künstlern vor ihm geschaffen wurde, verpflichtet

ihn gleichsam zurTradition. iiWir müssen mit derselben

ernsten, verpflichtenden Gesinnung antreten wie unsere

 großen Lehrer, wieCezanne, wievanGogh etc.. vor

uns. Wir hatten und haben es in anderer Form auch

schwer, physisch und künstlerisch zu existieren. Aber

die lebendige Verbundenheit mit der Tradition läßt uns

ganz aus uns heraus ehrlich arbeiten. Bei aller uns

Künstlern oft anhaftenden Verrücktheit ist uns aus der

Tradition - das heißt in der Verbindung mit denen, die

vor uns waren - und aus dem tiefen Erleben unserer

Gegenwartssituation ein ganz elementarer, tiefer und

verpflichtender Sinn für eine profane Askese Elgefltt

(R. Keil, 1966).

Seine künstlerischen Wurzeln liegen im deutschen

Expressionismus, den er seit seiner Übersiedlung in

seine Wahlheimat Österreich in den späten zwanziger

Jahren immer mehr verfeinert hat. Die Abstraktion war

dietemperamentvolleund gestenreicheAntwortaufdie

Zeit der geistigen und künstlerischen Unterdrückung.

Doch gleichzeitig wurde damit ein Gestaltungsmittel

entdeckt, das über oberflächliche Assoziationsmöglichkeiten

 zu prinzipiellen Formulierungen unseres

Daseins führen sollte. Flächen und Linien fügen sich zu

einer harmonischen Aussage zusammen, die letztendlich

 auf den Schöpfungsgedanken hinweist. Sonne,

Wasser, Licht, Erde werden in ganzen Zyklen ausgearbeitet.

 sei es als Aquarell, Linolschnitt oder in der

Ölmalerei. Sie, die Urelemente, sind der Beweis der

göttlichen Ordnung, aus denen der Mensch in seiner

zerrissenen Existenz neue Hoffnung finden kann.

Nur als scheinbarer Widerspruch stehen diesen

abstrakten Schöpfungen die gegenständlichen Arbeiten

 gegenüber. Denn vorallem mit seinen Zeichnungen

orientiert er sich ständig an seinen künstlerischen Vorbildern,

 um sie anschließend neu zu interpretieren. Vor

allem die Kunst ltaliens. aber ebenso die Werke der

österreichischen Barockkünstler - allen voran Maulbertsch

 - kommen seinem temperamentvollen und

großzügigen graphischen Ausdruckswillen entgegen.

Hier abbildhalte Interpretation, dort abstrakte Vision;

das Thema und der in Malerei umzusetzende Gedanke

verlangen jeweils spezifische Gestaltungsweisen. Dieser

 Balanceakt setzt profunde Materialkenntnis und

Technik voraus. In den Linolschnitten beherrscht die

durchgehende Linie die Oberfläche, in der Kaltnadelradierung

 werden die tonigen Nuancen effektvoll ausgenützt

 und schließlich kann Keil in der Ölmalerei seinem

Temperament freien Lauf lassen. In den großformatigen

 Werken - sei es ein Altartriptychon oder ein Entwurf

 für ein Glasfenster - ergänzen sich die kräftigen

pastos aufgetragenen Farben mit den schwungvollen

Formen zu einer wunderbaren Synthese.

Die, oft genug leidvollen, Erfahrungen, die der Künstler

im Laufe seines Lebens sammelte, werden in seiner

Arbeit seinem optimistischen Weltbild untergeordnet.

Nicht einseitige Anklage oder Resignation. sondern

eine Art Leitfaden für eine bessere Welt wollen - und

sollten - seine Bilder vermitteln.

Robert F. Keil jun.

ER



i Krilertde Venus. isve, FederlTusche. Paris, Louvre

2 Portral Robert Keil, 1961

a xislolland lln, l964 ÄQuarelllPapier

4 iißlaue Sparinungu. 1954. OllLeinwahd



s "Kompüslllüfi", i967 Linolschnitt

e iiSalarriarikair, i958 OllLeltiwarid

v AllartrlplvchonnDle seiicipiungi, 1972. Mlllellell OllPaneelplaite


            
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