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Full text: Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 195)

und fast abschätzig hingeworfene Wort NORDISMO als 
Charakteristik bei Kunstwerken mit besonderem Span- 
nungsgehalf und einem Expressivismus. der die Aus- 
drucksmittel des Hell-dunkel, der starken Farbkontra- 
ste, der Verfremdung im Bewegungsmotiv, in der Län- 
gung der Gestalten, in der Veränderung des Physio- 
gnomischen, in der Disproportionierung der Natur, 
lodernden Haaren und erregt gespreizten Fingern 
besonders häufte. 
Das Wort fiel jedoch auch in der Literaturkritik zu Franz 
Kafka oder Robert Musil. 
Damit drückt der Beschauer südlich der Alpen ein 
Phänomen zusammenfassend aus, das der Kulturge- 
schichte des transalpinen Zentraleuropa in seiner 
Weiteselbstnochnichtbewußtist.Wohlweißdie Kultur- 
geschiohte von vielen additiven Einzelfällen, jedoch 
ohnesiegemelnsamzu benennen.ohnesiezusammen- 
Zuschauen. 
Sie weiß nicht, daß Massierungen des NORDISMO aut- 
treten an allen großen Bruchlinien der Kultur, sie weiß 
nicht, daß solche Massierungen des NOHDISMO haupt- 
sächlich in Zentraleuropa auftreten. wozu Deutschland 
südlich des Main, Österreich, Böhmen und Mähren. seit 
dem Fiokoko auch Ungarn und - etwas abgeschwächt 
- Norditalien (Lombardei und Venetien) gehören. 
Dieser NORDISMO tritt in der Malerei und Plastik 
ebenso auf wie in der Musik und Literatur.
	        
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