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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XXIX (1984 / Heft 195)

sche Sprache. die gleichermaßen Naturausschnitt wie

Menschendarstellung betrifft, besonders deutlich. Die

Linien des sich wölbenden Höhlenrandes nehmen die

gekrümmte Haltung der disproportional überlängten

klagenden Marienfigur dramatisch auf. Der Sarkophag

mit dem Leichnam Christi mit einer jäh sich verkürzenden

 Perspektive, als Hauptmotiv der lnhaltswiedergabe

viel zu klein geraten, zieht dennoch, durch viele Kompositionsmittel

 herausgehoben. die Augen auf sich. Disharmonie.

 Unsymmetrie. Überlängung und Verkürzung

von Gestalten sind bewußt als Gestaltungsmittel des

erschütternden Geschehens eingesetzt.

Nicht viel anders benutzte Altdorfer die Naturwiedergabe

 auf weiteren Tafeln mit der Florianslegende. Das

Thema mitder wBergung des Leichnamsdes hl. Florianu

(Germanisches Nationalmuseum. Nürnberg, Abb. 2)

wird zu einemdramatischen Akt, an dem Naturwie Menschen

 gleichwertig teilnehmen. Blutrot und duster geht

die Sonne unter, die schroffen Felsen des Ennstales

noch mit letzter Kraft beleuchtend. Ganz aus der Mitte

gerückt, hängt der aus dem Fluß geborgene St. Florian

schlaff überderSchultereinerverzweiteltdreinblickenden

 Frau. An den Beinen zieht ihn ein Mann auf das vierradrige

 Gefährt. Sein Gesicht ist ganz ungewöhnlich

in Untersicht wiedergegeben, das Gewand flattert

bewegt. Störrisch, ja geradezu bedrohlich, steht der

nach allen Seiten sprießende Weidenbaum über der

Szene, ihr gegenüber dem Leichnam gewissermaßen

das unsymmetrische Gegengewicht gebend.

Altdoriers bekannte großartige Zeichnung. die 1511

entstandene nAlpenlandschaft mit den Weidenbaumenrr

 (Akademie der Bildenden Künste, Wien, Abb. 3)

macht sichtbar. wie die grandiosen Eindrücke der

alpenländischen Landschaft im Bildaufbau wie in der



Strichlührung sich in einen bestimmten Ausdruc

Exaltiertseins umsetzen. der jenen angesprocr

Charakter des NORDISMO ausmacht. Luca Signc

gleichzeitige Landschaftsausschnitte dagegen a

Ruhe und begehbare Kultiviertheit aus. Sie sind

druck eines überlieferten Harmoniestrebens und

Suche nach dem allen zugänglichen wirdisr

Paradies,

Von Altdorfers Exaltiertheit ist der Weg zu Wolf t

nicht weit, der besonders in seinen Zeichnunge

Kräfte der Natur. der alpenländischen wild wuchei

Natur, mit dichten Schraffuren und starkem Raun

finden zum Sprechen bringt. Sein erst 1971 auiget

ter hl. Sebastian von 1509 (National Gallery o

Washington, Abb. 4) geht am weitesten in der

schrnelzung der Darstellung des äußeren und ini

Zustandes des gequälten Heiligen mit der Wiede


            
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