Für den Kunstsammler
Waltraud Neuwirth
Oscar Dietrich- Ein Wiener
Gold- und Silberschmied der
Jahrhundertwende
lm Jahre 1848 gründete Julius Dietrich (geb.
15. 9. 1820, gest. September 1890) in Wien eine
Firma, die alle einschlägigen Gold- und
Silberarbeiten erzeugte. Anfangs dürfte es sich
dabei vor allem um Ringe gehandelt haben;
Ringe und Ringmodelle aus der Zeit von 1848 bis
1868, angefertigt von Julius Wilhelm Dietrich,
verzeichnet der Katalog der Ausstellung von
„Arbeiten der österreichischen Kunstindustrie
1850-1914", die 1914 im Österreichischen Museum für
Kunst und Industrie stattfand.
Der Kontakt mit diesem Museum, der ange-
schlossenen Kunstgewerbeschule und den Wiener
Künstlern war vor allem unter Oscar Dietrich
(geb. 5. 10. 1853 Wien, gest. 28. 7. 1940 Oberwölz)
sehr eng. Dieser hatte sich im Goldschmiede-
handwerk bei seinem Vater und während eines
einiährigen Studienaufenthaltes in Rom ausgebildet
und war ab dem Jahre 1881 in der lnnung der
Wiener Gald- und Silberschmiede als Mitglied und
Galdschmiedemeister eingetragen.
In diesem Jahr hatte Julius Dietrich die Firma
seinen beiden Söhnen Oscar Dietrich und Julius
Dietrich iun. übergeben; sie wurde fortan bis zum
Tod van Julius Dietrich iun. (Ende der 1880ereJahre)
unter „Julius Dietrichs Söhne", darauf unter
„Oscar Dietrich" geführt. Im Jahre 1887 erwarb
Dietrich das „Stockknopfe und Prägegeschäft"
von Josef Schloßko in Wien Vll, Burggasse 33, und
führte seit diesem Zeitpunkt auch Stackgriffe in
seinem Programm. Zu den Besonderheiten der
Produktion gehörten bereits seit 1878 „massive und
hohle Gegenstände aus Niellometall", die auch
unter der Bezeichnung „Tula" liefen; es handelte
sich dabei um eine Sitberlegierung, deren großes
Gewicht auffallend ist. Diese Erfindung wurde
1878 patentiert.
An der Niederösterreichischen Jubiläums-Gewerbe-
Ausstellung 1888 nahm Dietrich bereits teil;
„Oscar Dietrichs Gold-, Silber- und Stockwaaren-
Fabrik, bestehend seit dem Jahre 1848, ist bekannt
durch ihre massiven Niella-Schmuckgegenstände.
Dieses Haus debutirt mit einem schönen Sortiment
von Specialitäten in maurischem Genre und
iapanischer Technik, ferner Filigranarbeiten nach
eigenen Mustern. Die von derselben Firma
ausgestellten Cigarettendosen, Flacons etc, theils
getrieben, theils gelöthet, sind durchaus sehr
sorgfältig gearbeitet, ebenso sind auch die
ausgestellten Stockwaaren und Peitschen wegen
ihrer sehr exacten Durchführung und stilgerechten
Auffassung einer ganz besonderen Beachtung
werth und begründen den guten Ruf dieser Firma
sowohl im ln- als im Auslande" (Wochenschrift
des Niederösterreichischen Gewerbevereines, S. 378).
Wie viele andere Wiener Firmen hatte auch Oscar
Dietrich die Bedeutung der Zusammenarbeit mit
Wiener Künstlern erkannt. Er sicherte sich zahlreiche
Entwürfe anerkannter Architekten, Maler und
Kunsthandwerker, die - ganz selbstverständlich in
iener Zeit w Entwürfe für die unterschiedlichsten
Materialien schufen. Aus dem Abschnitt des aus-
gehenden Historismus und des beginnenden
Wiener Jugendstils ist ein Kaffeeservice erhalten,
das nach einem Entwurf von Storck auf Kosten des
Hoftiteltaxfonds ausgeführt und 1397 vom
Üsterreichischen Museum erworben wurde (Abb. 4).
Wenige Jahre später, auf der Pariser Welt-
ausstellung 1900, zeigte Dietrich „Kunstgewerbliche
Gegenstände in Gold und Silber, Pokale, Becher,
montirte Glaswaren, Gürtelschnallen, Griffe für
Stöcke, Schirme, Reitstöcke und Reitgerten etc.,
Silberbeschläge" (Katalog der österreichischen
Abtheilung, Cl. 94, S. 194].
Zeitgenössische Quellen vom Beginn des 20. Jahr-
hunderts (Österreichischer lndustrie-Compaß,
Österreichischer Zentralkatoster) dokumentieren eine
weitere Bereicherung des Fabrikationsprogramrns:
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Aufsatz. Vergoldetes Silber, Elfenbeinfüße mit Chrysa-
prasen. Entwurf; Hans Bolek. Signiert: H. BOLEK lNV.,
o. DIETRICH FEC. Punzierurtg: Didndkopf in Sechse
eck, 0a, 9110. H 23 cm. lnv,-Nr. w. 1. 1011 (erwarben
0m 10. 2. 1912 um 615 Kronen von Dietrich]
Deckelpokal. Silber, getrieben, teilvergoldet (Fuß, Kup a
und Deckel innenl, Malachitknopf. Entwurf: Franz Defb-
vllla. Punzierung: OD, Windspiel (Fuß); Dianaka t in
Flinfpaß (Deckel und Kuppe). H 21 cm, lnv.-Nr. w. .929
(erworben am 21. 2. 1911 um 22a Kronen von Dietrich,
1910111 auf der Winterausstellung des Üsterr. Museums,
Kdtwr. 119i -
Sllbermontlerte Steinschale. Sprudelstein (grauer Ara-
gonit] mit vergoldeter Silbermontierung. Entwurf: Hans
Bolek. Punzlerurlg: OD B00, Windspiel, A.
12,2 cm, unten: 11,7 cm. lftVnNf, W. l. 1086 (
am 15. 7. 1912 um 117 Kronen von Dietrich)
Kaffeeservice. Anbietplatte, Kaffee- und Mi
Doppelherikelbecher, Silber, getrieben. Entwu
Storck. Punzierung: o0, Dianakopf in Fün
Tablett: 1 asb cm, Kaffeekanne: H 24,9 cm
Go 101a (erwarben am 4. z. 1597 um 52:
Dietrich aus den Mitteln des Hoftiteltaxfonds]
Armband. Entwurf: Emanuel .1, Margold. V:
Silber, Malachlte, Saphire. Punzierung: OD, [
in Sechseck, A. L 18,8 cm. lma-Nr. W. l. 1087 l
am 15. 7. 1912 um 117 Kronen van Dietrich)