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Full text: Alte und Moderne Kunst XIV (1969 / Heft 106)

Veronika Birke 
DER MALER HEINZ 
STANGL 
40 
Heinz Slangl, Krieg, 1956. ÖllLwd. 
Heinz Slangl, Das große Fest, 1968. ÖIlLwd., BOX 
115 cm 
wem Stangl. am Lehnhofers Verwandlung in Zellu- 
Iuid, 196a. OllLwcL. 90x115 cm 
Einen völlig unerwarteten Weg schlug der 1942 
in Wien geborene Maler Heinz Stangl ein. Nach 
seinem Studium an der Akademie der bildenden 
Künste durfte man ihn mit Fug und Recht der 
Gruppe der Fhantastischen Realisten zurechnen. 
Seine meist graphischen Blätter waren bis zum 
Bersten mit kleinen Tierchen, Fflänzchen, 
menschlichen Gestalten und Ornamenten ange- 
füllt. Selbst wenn die Komposition großzügig 
war und vielleicht darin schon auf den bevor- 
stehenden Umschwung hingedeutet haben mag. 
so waren doch die einzelnen Formen von einem 
Horror vacui besessen, wie man ihn sich nicht 
schöner wünschen kann. 
Heinz Stangl hat gelernt, wie man mit Feder 
und Pinsel umgeht. Sein Lehrer an der Aka- 
demie - Prof, Max Melcher - hat ihn mit dem 
nötigen Rüstzeug der druckgraphischen Tech- 
niken ausgestattet. Allein, die Graphik schien 
nicht Stangls große Liebe zu werden. Seine 
Blätter waren wohl gut, aber ihm schien der 
Weg des Phantastischen, irrealen ausweg- und 
aussichtslos. Drei Jahre lang wollte er auch so 
sein wie die anderen und versuchte, es ihnen 
gieichzutun; trotz allem schien es ihn aber nicht 
zu befriedigen. Seinen eigenen Aussagen nach 
zu schließen, langweilte ihn der Phantastische 
Realismus. Er wollte etwas anderes, eine neue 
künstlerische Aussage mit eigener Kraft. S0 brach 
er alle Brücken zur Wiener Schule ab, ohne noch 
den Weg zu kennen, den er gehen sollte. Er 
wartete, bis die Zeit reif dafür war, drei volle 
Jahre, in denen er untätig blieb. Erst im Jahre 
1965 begann Stangl plötzlich wieder zu malen. 
Kein Tasten und Suchen ging der „Neuen Welle" 
voran. Wie eine Explosion brachen völlig neue 
und gänzlich unerwartete Dinge aus dem Künst- 
ler heraus, durchbrechen alle Schranken drei- 
jähriger Unproduktivität. Aus dem Graphiker 
Stangl war ein Maler geworden. Alles, was ihn
	        

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