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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XVI (1971 / Heft 114)

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seiner Stadt das gleiche gegeben, das Rudolf von

Alt seinem zeitgenössischen Wien hinterlassen hat.

Die Veduten und auch die anderen Landschaftsbilder

mit Motiven außerhalb Wiens sind klassische Zeugen

 des Wiener Spötimpressionismus. Dieser im

heutigen Wien nunmehr deutlich in einigen Varianten

 in Erscheinung tretende End-Stil besitzt eine

wesentlich lokale Verkettung. Um die Wende des

achtzehnten Jahrhunderts hatte sich bei einigen

Malern, wir würden heute von Avantgardisten sprechen,

 die mutige Abkehr von der barocken Malerei

zu scharfer und unparhetischer WirklichkeitsdarsteIlung

 vollzogen. Zu diesen ersten „Naturalisten"

hatte Ferdinand Georg Waldmüller nahe Beziehungen.

 Sein Genie sah den sonnendurchleuchteten

Augenblick in aller Farbenpracht und Präzision. Auf

diesem Wege war Waldmüller knapp bis zum

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Impressionismus vorgedrungen. Rudolf von Alt,

August von Pettenkofen und Theodor von Hörmann

- die genannten Künstler sind noch lange"nicht auf

dem internationalen Forum genügend hoch eingeschätzt

 - hatten leidenschaftlich für die lichtbetonte,

atmosphärische Malerei weitergearbeitet und ein

Resultat gezeitigt, das für die Empfängnis des

französischen Impressionismus den geeigneten Nährboden

 bot, Dabei ist nicht zu übersehen, daß sich

der erste Teil dieses Werdeganges im Blickwinkel

der deutschen Romantik vollzog und als Kontrastwirkung

 zu dieser gewertet werden muß. Erst bei

dem typisch sozialen Maler Viktor Pipal wacht wieder

 eine Nuance der Romantik auf, nämlich der

Hang zum Melancholischen, zum „Lenauton", der

sich bei Pipal aus dem Mißverhältnis des schwer

ringenden Künstlers zu der Gesellschaft erklären

lößt.



Viktor Pipal ist, um Geltung kömptena, eine

und in seiner Art selbstbewußte Persönlichki

worden. Melancholie wurde Anklage. Auc

musikalische Schubertgebürde überwand der

ler im Geiste der Musik. Seine Farmen- und F

sprache wurde hart.

Um dem umfönglichen Lebenswerk Viktor

gerecht zu werden, seien auch die Vedutc

Wiener Innenstadt „Mölkerbastei", „Augu

straße", „Freyung", „Albrechtsrampe", „Ze

Feuerwehrzentrale", ferner die Bilder „lm

„Gastgarten im Frühling", „Kellergasse im Vl

sowie die Praterbilder und sein Gemälde

Donau" genannt.

Gleich Rudolf von Alt hat Viktor Pipal auch

Wachau, Niederösterreich und im Burgenlani

Motiven gesucht, die der Musik seiner Seel

sprachen. Ernte dieser Wanderungen sind

anderem die Bilder „Dürnstein", „Gasse in

stein", „Krems", „Stein", „Senftenberg", „Scl

in Drasenhofen", „Ringelspiel im Dorf",

bruch", „Heidenreichstein", „Dorfstraße mit A

lern", „Burgenlöndische Straße", „Keller in

dorf", „Abendlandschaft Wolkersdorf", drei

relle von „Waidhofen an der Thaya", „Pulkcii

eines der echtesten Pipal-Bilder „Der aufgel

Friedhof". Die solide traditionelle Bindung

Viktor Pipal auch in den Bildnissen „Meine

(zwei Fassungen], „Mädchen am Fenster", „Mr

mit Blume", „Alte Frau", „Bildnis eines Mann

seinen Genrebildern „Netzflicker", „Schni1

„Geldzöhlende alte Frau", „Rauchender A

„Kleinhauslerin", „Häusliche Idylle" und „Spie

Knabe mit Schiffchen" sowie in seinen Blun

dem.

Die Bilder Viktor Pipals sind weder romontiscl

naturalistisch, sie besitzen einen aufgeloz

Realismus, der durch eine zur Natur paralle

fundene Farbigkeit aus dem Geiste der Mu

dramatischen Kontrast zwischen „Leuchten'

meist bläulich getönten Dunkelheiten iene Stir

und Augenblicksotmosphdre erhält, die für

Wiener Spötirnpressionismus charakteristisch i:

Seine Sfilfarm, eine Repräsentation eines a

ginn des lndustriezeitalters neuen Lebensg

ist heute bereits von anderen Form- und

gehalten überrollt. Sie kann aber als Beleg

gelten, daß es auch im Bereich der Wiener N

unseres Jahrhunderts eine spezifische Wiener

gibt, deren Essentielles traditionsgemäß dar

steht, lmportgut mit heimischen Werten Zl

schmelzen und mit einem Höchstmaß techi

Feinheiten auszustatten.

4 Viktor Pipal, Das "LObkOWlfZDGlUlS" in Wien, lnr

Stadt, Augustinerstraßeillü x 61 cm, Ol

5 Viktar Pipal, Ländlicher Friedhof. 4B x 6l cm, Öl
            
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