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Full text: Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 172 und 173)

es lkonographischen Programms beschäftigt. 
B dachte an eine Apostelfolge mit zusätzlichen 
rstellungen der Madonna und des Johannes 
s Täufers (wobei aber bei der Neuanbringung 
r Türe im Portal der Kapuzinerkirche nzwei Apo- 
elreliefs abgeschnitten wordenu wären), Ra- 
sch interpretierte den Zyklus als Prophetenfol- 
, und für Ftohrmoser war es "wahrscheinlicher, 
ß der Künstler diese beiden feststehenden Ty- 
n als Varlatlonsmöglichkeit nützten. Fügt man 
asen Meinungen den ZUSEIZJPZUITI Teilu bei, so 
t, wie unten ausführlich zu zeigen sein wird, in 
mographischer Hinsicht jeder dieser drei For- 
her im wesentlichen recht. in technischer Hin- 
zht haben aber alle drei eine äußerst wichtige 
tsache übersehen, auf die erst jüngst Friedrich 
lblerß aufmerksam gemacht hat: Die Verwen- 
ng der Reliefs an der Türe ist eine sekundäre! 
ii einer technischen Betrachtung mittelalterli- 
er Hoiztore mit figuralen Darstellungen fällt 
mlich auf, daß man entweder die fertigen Re- 
fs zimmermannsmäßig mit der Konstruktion der 
rblätter verband (Domwestportal Konstanz)" 
er daB die figuralen Teile aus den fertiggestell- 
t Türflügeln herausgearbeitet wurden (lrrsdorf 
i Straßwalchen)". Die Reliefs an der Kapuziner- 
'e sind jedoch in ein Rahmensystem von hinten 
igesetzt und zu diesem Zweck an nicht wenigen 
eilen - besonders unten! - beschnitten wor- 
n. Außerdem erweckt das Holz der Reliefs einen 
deren Eindruck als das des Rahmens, auch 
inn es sich bei beiden um Eichenholz handelt. 
Aber auch die Profile der Leisten - "alles andere 
als Profilleisten des 15. Jahrhunderts-i" - sind 
unterschiedlich gestaltet. Kobler erhebt dann die 
Frage nach einer ursprünglich möglichen Anord- 
nung der Reliefs, wofür doch nviel eher das Dorsa- 
le eines Gestühls in Frage kommt; auch ist bei Ge- 
stühlen des 15. Jahrhunderts die an den Salzbur- 
ger Reliefs nur mehr teilweise, oben, erhaltene 
Falzblldung gang und gäbe-i. Da für Kobler zu 
Recht "die Ausstattungsgeschichte des Domes in 
spätmittelalterlicher Zeit schlecht ediert ist", 
kann er zwar die Kapuzlnertürreliefs dem Chorge- 
stühl des Domes" nicht sicher zuweisen, meint 
aber: ßDaB die Reliefs ursprünglich kein Bestand- 
teil einer Tür waren, scheint mir so gut wie sicher 
zu sein, ebenso, daß es sich in ikonographischer 
Hinsicht um einen nur fragmentiert überlieferten 
Zyklus handeln" 
Sucht man nach der Ganzheit dieses fragmentiert 
überlieferten Zyklus, denkt man an Rohrmosers 
Meinung einer Nariationsmöglichkeitu von 
Apostel- und Prophetenfolge und erinnert man 
sich, wie oben enuähnt, daß der Inhalt der figura- 
len Darstellungen an monumentalen Gestühlen 
Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament 
in typologischen Beziehungen aufweisen kann, 
dann kommt dem an der Kapuzinertüre erhaltenen 
Relief mit der Darstellung Johannes des Täufers 
entscheidende Bedeutung zu. Der letzte der Pro- 
pheten lsraels und zugleich der direkte Vorbote 
des Messias weist mit seinem sehr deutlichen Zei- 
gegestus auf das das Alte Testament mit dem 
Neuen verbindende Lamm Gottes hin (il 
Agnus Dei qui tolllt peccata mUfidirr, Joh. 
Johannes wird damit zum Zeugen eines gr 
Dialoges zwischen dem Alten und dem Neue 
stament. Ureigenster Ausdruck dieses Dial 
ist ein Zusammenwirken des wprophetischer 
dou mit dem napostolischen Credon. also eine 
zifische Typologie mit direkter Übereinstimi 
zwischen einzelnen Prophezeiungen des Alte 
stamentes und den einzelnen Artikeln des Ii 
schen Glaubensbekenntnisses der christli 
Kirchen." Bereits das Sacramentarium Ga 
num" kannte das Gredo in Form der Artikelv 
lung an die einzelnen Apostel. Die ersten typi 
schen Erweiterungen finden sich - wohl zu 
gehend auf Gedanken aus dem Kreis um Thi 
von Aquin - in Handschriften des frühen 14. 
hunderts, etwa in den von Jean Pucelle um 
geschaffenen Kalendarien des "Heures de Je 
de Navarreu; um 1400 folgte Jacquemart de 
din in den Kalendarien für die Petites um 
Grandes Heures des Herzogs von Berry." Ol: 
die Anzahl der willkürlichen Variationen und 
binationsmöglichkeiten bei der Reihenfolgi 
Apostel und Propheten wie der verwendeten 
kel groß war," war dann für die großen Zykl 
der bildenden Kunst des 15. Jahrhunderts d 
pologische Gegenüberstellung des apostolis 
Credo mit den entsprechenden Prophezeiu 
des Alten Testaments wun des sujets favor 
der Humanismus aber "verwarf die zur Spii 
entarteten Typologienu".
	        

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