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Full text : Alte und Moderne Kunst XXV (1980 / Heft 172 und 173)

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als am 8. Juni desselben Jahres Erzbischof Leonhard

 auf der Burg Hohensaizburg die Augen

schioß, war einer der bedeutendsten Förderer der

Künste im Erzstift dahingegangen. Leonhard hat

nicht nur ttvil herrlich nutzliche und lustige Gepeu

verrichttte" und die heutige Gestalt der Festung

Hohensaizburg wesentlich bestimmt, er hat auch

für die Ausstattung und Einrichtung seiner Metropoiitankirche

 entscheidende Beiträge geleistet,

so das wmit alleriey Heyligen und Patronen der

Saizburger Kircheniti" geschmückte Nordportal

samt einer neuen großen Sakristei; gleich nach

Antritt seiner Regierung ließ er die Hieronymuskapelle

 des Domes als seine Grabkapeile vollständig

neu ausgestaiten - die Altarweihe nach dem

Neubau des Retabels erfolgte am 14. November

1497 - und schon zu Lebzeiten durch Valkenauer

sein (1602 vernichtetes) wgroß und khünstiich in

Märmei gehauenestt" Grabmal ausführen, daß

niemand Geringerer als Kaiser Maximilian als t-ein

köstlich Grabtt bezeichnete}: Ebenso hat Leonhard

 den Rupertusaitar im trChorus minoru ttmit

viel cüstlichen Clainodtern herrlich begabt und

geziert-t." Dem früheren Karntner Landedelmann,

der vor seiner Wahl zum Erzbischof Propst des mit

dem Metropoiitankapitel identischen Augustiner-Chorherren-Stiftes

 Salzburg war und diese Würde

bis 1512 beibehalten hatte", war schon aus diesem

 Grund die Pflege des Chorgebetes stets ein

besonderes Anliegen. Ein Projekt zur monumentalen

 Neugestaltung des Chorgestühls durch dieses

Finanzgenie auf dem Thron der Saizburger Kirchenfürsten,

 dem in kürzester Zeit die Sanierung

des durch seine Vorgänger wirtschaftlich stark

mitgenommenen Erzstiftes gelang, darf nach all

dem Gesagten fügiich angenommen werden. Daß

es zur Vollendung dieses Projekts nicht kem, ja

gar nicht kommen konnte, ist in folgendem begründet.



im Jahr 1514 wurde dem Erzbischof durch Kaiser

und Papst einer der engsten Vertrauten Maximilians,

 Matthäus Lang, bereits Kardinal (i) und Bischof

 von Gurk, als Koadjutor mit dem Recht der

Nachfolge aufgedrängt." Doch nicht nur das: Um

das Domkapitei für sich zu gewinnen, versprach

Lang am 27. Juni 1514 dem Kapitel, beim Papst eine

 Säkularisationsbuiie zu erwirken, die Leo X. tatsachlich

 am 22. September desselben Jahres ausfertigen

 ließ. Am 19. September 1515 vollzog dann

das Domkapitei feierlich die Reduktion aus dem

Reguiarstand eines Augustiner-Chorherren-Stiftes

 in den Stand eines weltlichen Kollegiatkapitels."

 Die Gegenleistung war (für dieses eine Mal)

der Verzicht auf eine freie Wahl des künftigen Erzbischofs

 und die Annahme Langs als Koadjutor

mit Nachfoigerecht. Gewiß hatten alle anderen

Metropoiitankapitei des Reichs die Ordensregel

schon Jahrhunderte früher abgelegt. Aber Leonhard

 war ia selbst Augustiner-Chorherr, und wir

wissen, daß die Säkuiarisatlon des Kapitels genauso

 gegen seinen heftigen Widerstand erfolgte

wie die Einsetzung Langs als Koadjutor. Seit dieser

 Zeit und während seiner ganzen letzten Lebensjahre

 wohnte, lebte und residierte Leonhard

von Keutschach unter dem ganzen farbigen Prunk

des herbstlichen Mittelalters inmitten der durch

ihn in höchster künstlerischer Qualität ausgestatteten

 Wohn- und Repräsentationsräume der Burg

Hohensaizburg, inmitten der Rosan- und Weingärten

 auf den südwärts gelegenen Basteien, inmitten

 Dutzender weißer Pfaue, dort, wo es kein sich

säkuiarisierendes Domkapitei und keinen sich

breitmachenden, aufgedrangten Koadjutor gab.

monumentalen Zyklus der rotmarmornen Dorsalreliefs

 anzubringen und dadurch darauf hinzuweisen,

 daß nach seinem Willen das Chorgebet der

Augustiner-Chorherren in der Saizburger Metropoiitankirche

 auch noch in alle Zukunft hatte gebetet

 werden müssen?

Wie schon erwähnt, hatte Erzbischof Konrad von

Abensberg 1121 die Ordensregel der Augustiner-Chorherren

 am Saizburger Domkloster eingeführt

und die Zahl der Chorherren mit 24 festgesetzt."

1181 wurde durch Erzbischof Konrad von Witteisbach

 t-a fundamentisit der Bau des hochromanischen

 Domes begonnen, über dessen Grundriß

wir durch Grabungen gut unterrichtet sind." Für

den 16. Dezember 1201 ist bereits urkundlich der

Rupertusalter im nChorus minorrt im ersten östlichen

 Joch des Langhausmitteischiifs genannt;

der ßChorus major-t mit dem dem hl. Petrus geweihten

 Hochaltar lag über der Krypta, die den

Raum von Hauptapsis, Chorquadrat und Vierungsquadrat,

 nicht aber, wie der Grabungsbefund eindeutig

 beweist, den des nördlichen und des südlichen

 Querhauses einnahm". Mit seinen rund 36

Metern Länge und 13 Metern Breite war der ttChorus

 maiorn des Saizburger Domes nicht nur einer

der größten des Abendlandes, auch die in den verschiedenen

 Epochen der mittelalterlichen Kunst

geplanten oder geschaffenen Chorgestühie müssen

 beträchtliche Ausmaße gehabt haben.

Franz Pagitz hat mit seinen quellenkundilchen Untersuchungen

 zu den mittelalterlichen Dornen und

zum Domkloster in Salzburg" den ersten wichtigen

 Schritt in Richtung auf eine immer vordringlicher

 werdende Erforschung der Ausstattungsgeschichte

 des Saizburger Domes getan. Die eingehende

 Bearbeitung Hunderter von spatmittelalterlichen

 Urkunden mit Angaben von Messenstiftungen

 und Aitarnennungen im Saizburger Dorn" sowie

 die der Kapianeirechnungen gehört zu den besonders

 wichtigen Desiderata der historischen

wie der kunsthistorischen Forschung. Ebenso

wichtig aber wäre die Kenntnis der Ausstattungsgeschichte

 jener großen Kirchen, die als Sitze der

salzburgischen Suffraganbistümer und Archidiakonate

 - meist noch dazu unter der gleichen Ordensregel

 - mit dem Saizburger Domkloster in

engster Verbindung standen, über die aber nicht

nur der mächtige Sturm des Barock, sondern auch

die traurigen t-Purifizierungentt des 19. Jahrhunderts

 hinweggebraust sind".

Daß für die spätmitteialteriichen Chorgestühie

großer salzburgischer Kirchen die typoiogischen

Apostei- und Prophetenreihen nun des suiets favoristt

 gewesen sein könnten, ist nicht nur an den

Aposteistatuetten von 1647 im gleichzeitigen

Chorgestühi des Koliegiatstifts Mattsee" ablesbar;

 auch in der Klosterkirche Gars am inn - der

Propst dieses 1803 aufgehobenen Augustiner-Chorherren-Stifts

 war zugleich Archidiakon des

Saizburger Erzbischofs" - haben sich Reste eines

 um 1600 geschaffenen Chorgestühls erhalten,

an deren Dorsalreliefs die ganzfigurigen Darsteliungen

 der Apostel und im Schriftfeld darüber jeweiis

 ein Artikel des Credo angebracht sind." inwieweit

 dies auf mittelalteriiche Vorstufen zurückgehen

 kann, werde ich an anderer Stelle ausführlich

 darlegen. Damit wird aber um so mehr einleuchtend,

 daß die Reliefs der Kapuzlnertüre die

Reste eines 1450 neu geschaffenen Chorgestühls

des Saizburger Doms und die Reliefs der Georgskapeile

 Bestandteil einer Planung Erzbischofs Leonhard

 für den riesigen Chor seiner Kathedrale

gewesen sein können.

Anmerkungen 48 - 67

" Der Vertrag zwischen Maximilian und Vaikenauer ist veröffentlicht

 in: Jahrbuch der kunsthist. Sammlungen des Ailerhöchsten

 Kalserhauses, 1, 1885, S. LV, ebenso bei Halm wie Anm.

44b, hier S. 176-177,

4' Ludwig Beidass. Der Künstlerkreis Kaiser Maximilians, Wien

1923, S. 35.

5' Festschrift tt900 Jahre Festung Hohensaizburgtr, Salzburg 1977,

hier S. B.

" Wiiiibaid Hauthaler (ed.), Johann Stainheusers Beschreibung

des Domes zu Salzburg, in! MGSLK, 31, 1351, S. 363-399, hier

S. 386 - 385.

5' wie Arrrn. 51.

'-' in seinem Briei an den Bischof von Speyer vom 11. Februar

1514; publiziert bei Halm, wie Anm. 44b, hier S, 176- 177.

" wie Anm. 51.

"t Hans Wagner und Herbert Klein, Salzburgs Domherrn von 1300

bis 1514, in: MGSLK, 92, 1952, S. 1- B3, hier S. 28-29.

M Hans Wagner, Kardinal Matthäus Lang, in: Lebensbiider aus

dem bayerischen Schwaben. 5, 1956, S. 45-49.

H Die zugehorlgen Originalurkunden im HHStA Wien, allgemeine

Urkundenreirte.

5' Franz Wagner, Das Herrschermonument des Leonhard von

Keutschach. in! 900 Jahre Festung Hohensaizburg, Salzburg

1977, S. 1511-195.

" Widmann wie Anm. 2.

'" Der abschließende vorlttuilge Grabungsberlcht in: MGSLK. 108.

1965, S. 1-21) mit aller älteren Lii.

1' in einer nach Angaben von Franz Pagitz versuchten Rekonstruktionszeichnung

 (in: Festschrift zum 1200jahrigen Jubiiaum des

Domes zu Salzburg, Salzburg 1974, hier S. B5) sind irrtümlich

und im Text nicht erwähnt Stlegenaufgange auf den Chorus mejor

 am Ende der inneren Seltenschiffe eingetragen, was dem

Grabungsbefund und den Angaben bei Stalnhauser (vgl.

Anm. 51) vüllig widerspricht.

" In: MGSLK, 108, 1968, S. 21 -15G.

" Der Hauptbestand der zugehdrigen spalmlttelallerlichen Urkunden

 wird im Osierreichischen Staatsarchiv verwahrt, im wesentlichen

 sind bis jetzt nur Datum und Aussteller in handschriltlichen

 Reoertorien verzeichnet.

" Die wichtigen Arbeiten von Hans Ramisch über das Chorgestdhi

 der eriam. Benediktlnerabteikirche Tegernsee (in: Jh. d.

bayer. Denkmalpflege. 29, 1972174, s. 79-96) und von Bernd!

Oesterheit über des Freisinger Domchorgestühl von 148a (in:

per Freisinger Dom, Freising 1967, s. 99 - 115) berühren unsere

Uberiegungen kaum.

" ÖKT, 10, 1913. S. G7.

" Karl Hübrier, Die Archidlakonatseinteilung des Erzstllls Salzburg,

 in: MGSLK, 45, 1905, S. 41 -79, hier S. 50.

" Bernhard Ebermann, Kirchenführer Gars am inn (Schnell-Kunstiührer

 Nr. 940 von 1970), 2. Au1l 1976, S. 10.
            
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