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Volltext: Wien am Anfang des XX. Jahrhunderts : ein Führer in technischer und künstlerischer Richtung, Band 1: Charakteristik und Entwicklung der Stadt, Ingenieurbauten

HAUPTBAHNEN. 
In Wien münden sieben, in den größten Teil der Monarchie sich verzweigende Haupt 
bahnen, von denen vier vornehmlich die nördlichen Verkehrsgebiete und zwei den Süden und 
Westen’ der Monarchie beherrschen, die letzte, kürzeste endlich einem mehr lokalen Verkehr 
dient ) (siehe Tafel X). 
Die älteste dieser Lokomotivbahnen ab Wien und zugleich in Österreich, die „Kaiser 
Ferdinands-Nordbahn“, wurde in ihrer ersten Teilstrecke im Jahre 1838 eröffnet. Ihr folgte die 
„Südbahn“ im Jahre 1841 und die jetzige „österreichisch-ungarische Staatseisenbahn“ mit der 
Linie nach Raab im Jahre 1846. Letztere Bahn bestand, als sie 1855 aus Staats- in Privatbesitz 
überging, neben der genannten Linie aus zwei, durch die Nordbahn getrennten Strecken, 
von "welchen die eine in Ungarn sich ausdehnte, während die zweite von Brünn an die 
böhmisch-sächsische Grenze nach Bodenbach führte. Erst Ende 1870 wurde die Verbindungs 
linie Wien—Brünn mit der Abzweigung von Stadlau zum Anschlüsse an die ungarischen Linien 
in Marchegg und damit die erste stabile Brücke über den Donau-Hauptstrom eröffnet. Als 
endlich die in Ungarn gelegenen Linien dieser Bahngesellschaft vom ungarischen Staate abgelöst 
wurden, fiel das Schwergewicht auf das ausgedehnte, nach Mähren und Böhmen gehende Bahn 
netz, während gegen Ungarn nur mehr die durch die Donau getrennten Verbindungslinien 
Wien—Marchegg und Wien—Bruck a. d. L. im Besitze der Gesellschaft verblieben. Diese all 
mähliche Entstehung und Verschmelzung der Linien dieser Hauptverkehrsbahn brachte es mit 
sich, daß ihr Wiener Bahnhof trotz des Hauptverkehres nach Norden im Süden von Wien 
gelegen ist und die Verbindung mit dem Norden durch Umfahrung des östlichen Wien 
gefunden werden mußte. . •'*' /xrr 1 , 
Die nach der Zeit ihrer Eröffnung (1858) nächstfolgende „Kaiserin Ehsabeth-(West-)Bahn , 
seit 1881 im Betriebe und weiterhin im Besitze des Staates, dient dem Verkehre mit dem 
Westen sowie vermittels der nun auch dem Staate angehörenden Kronprinz Rudolf-Bahn 
jenem mit dem Süden der Monarchie. Sie war durch seinerzeit geltend gemachte staatliche 
Rücksichten gezwungen, die Ausläufer des Wieuerwaldes und deren Wasserscheide nächst 
Wien zu überschreiten, statt der natürlichen Lage im Donautale zu folgen, erschloß jedoch 
anderseits damit zahlreiche beliebte Sommerfrischen für die Hauptstadt. Die im Beginne der 
Siebzigerjahre entstandene „Kaiser Franz Josefs-Bahn“, gegenwärtig im Besitze des Staates, 
und die „Österreichische Nordwestbahn“ führen beide nach Böhmen, erstere in dessen west 
liche, die zweite in dessen östliche Hälfte. 
Die „Wien-Aspangbahn“ endlich, die jüngste und kürzeste der Hauptbahnen Wiens, 
reicht nur bis zu dem noch in Niederösterreich gelegenen Aspang, hat sich jedoch in jüngster 
Zeit den Betrieb der Zahnradbahn auf den Hochschneeberg im Anschlüsse an ihre Linien 
gesichert und gewärtigt ihre bereits im Baue begriffene Fortsetzung nach Friedberg in Steiermark 
und weiterhin an die bereits bestehenden steirischen Bahnen. Der Endbahnhof der Wien- 
Aspangbahn ist der einzige in Wien, welcher nicht als Kopfbahnhof angelegt wurde, doch 
ist auch beim Nordbahnhofe durch Durchbrechung des Hallenabschlusses und Verlängerung 
eines Teiles der Frachtengleise eine direkte Fortsetzung des Zugverkehres über den Wiener 
Bahnhof hinaus ermöglicht worden. 
Die österreichische Nordwestbahn ist, abgesehen von der Wien-Aspangbahn, derzeit die 
letzte noch eingleisige Hauptbahn, doch ist die erste Teilstrecke bis Stockerau bereits im Umbau 
auf Doppelgleise begriffen. 
■) Ober die Entstehung, Baugeschichte und Entwicklung der einzelnen Bahnen gibt das Werk : „Geschichte der Eisenbahnen 
der Österreichisch-Ungarischen Monarchie“ Aufschluß.
	        
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