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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

B

ginalgroße Entwurfsvorlagen für den Bilderschmuck

 des Wiener Opernhauses aus den sechziger

 Jahren des 19. Jahrhunderts, die in den

zeitgenössischen Schloßräumen zu voller künstlerischer

 Wirkung gelangten.

Im September 1973 wurde in Schloß Grafenegg

ein von der Fritz-Thyssen-Stiftung finanziertes

und vom Österreichischen Museum für angewandte

 Kunst veranstoltetes Symposien über den

Schloßbau des Historismus in Mitteleuropa abgehalten,

 an dem Wissenschaftler aus Deutschland,

 Großbritannien, Österreich und der

Schweiz teilnahmen.

Den musikalischen Höhepunkt des voriöhrigen

Veranstaltungsprogramms bildete die Aufführung

von Carl Maria von Webers Oper „Oberon" im

Schloßhof, die vom Publikum begeistert aufgenommen

 wurde. Die starke Beteiligung an dem

im Sommer 1974 durchgeführten Kinderzeichenwettbewerb

 mit dem Motto „Kinder zeichnen

ein Schloß" und dessen beachtliche Ergebnisse

beweisen, daß das romantische Schloß dem iungen

 Menschen der Gegenwart tiefe schöpferische

 lmpulse zu vermitteln vermag.

Uberblickt man die letzten vier Grafenegger

Jahre, so kann man sagen, daß in das Schloß,

das sich bereits knapp vor dem totalen Verfall

befunden hatte, das Leben wieder zurückgekehrt

ist. Das Schloß hat sich nicht nur als idealer

Rahmen für die Veranstaltung von Ausstellungen

und Konzerten bereits bewährt, es hat vielmehr

als großartiges architektonisches Kunstwerk bewiesen,

 daß es auch heute noch den Besucher

anzusprechen, ia zu bezaubern vermag.

Wie es in Grafenegg nun weitergehen soll?

Man wird mit dem bisherigen Fleiß um die Fortsetzung

 der Schloßrestaurierung und die Veranstaltung

 von Ausstellungen und Konzerten

bemüht sein müssen. Das Symposien vom Herbst

1973 könnte der Anfang einer Reihe kunstwissenschaftlicher

 Fachtagungen zu den gegenwärtig

 besonders heftig diskutierten Fragen des 19.

Jahrhunderts sein. Die unbedingt wünschenswerte

 Einrichtung eines Dokumentationszentrums

für die Kunst des Historismus in Österreich ist im

Gespräch.

Zahlreiche Wiener Depotstücke aus der Epoche

des Historismus harren der günstigeren Unterbringung

 in einer öffentlich zugänglichen Studiensammlung

 und der Präsentation in Ausstellungen.

 Hierfür bietet sich Schloß Grafenegg besonders

 an. Sollte es gelingen, die teilweise stark

verwüsteten Prachträume im Nord- und Westflügel

 wiederherzustellen und im Geiste des Histarismus

 mit Stücken aus Museumsdepats einzurichten,

 so gewänne man nicht einfach noch ein

Schloßmuseum hinzu, sondern hätte ein Gesamtkunstwerk

 in unsere Tage herübergerettet. Ein

Gesamtkunstwerk, dessen romantische Stimmungsröume

 den Menschen der Gegenwart und

wohl auch der Zukunft zu künstlerischem Erleben,

 Bildung, Fest und somit im besten Sinne

des Wortes zur Erholung einladen. Nicht zuletzt

der allgemein zugängliche Schloßpark mit seinen

 zahlreichen Baumarten stellt einen wertvollen

 Erholungsbereich dar, der durch die geplante

 Anlage eines Waldlehrpfades noch an

Attraktivität gewinnen wird.

Die Erfolge und das außerordentliche Echo in

der Öffentlichkeit, die den bisherigen Anstrengungen

 zugunsten der Restaurierung und Revitalisierung

 der Burgen und Schlösser Niederösterreichs

 beschieden waren, bestärken in der Meinung,

 daß Burg und Schloß in Gegenwart und

Zukunft wichtige Funktionen erfüllen können. Sie

sind als Kulturgüter zu verstehen, die das Leben

unserer durch ein hohes Maß an Freizeit und

Mobilität gekennzeichneten demokratischen Gesellschaft

 in vielfältiger Weise bereichern. Eine

im Jahre 1974 vom lnstitut für empirische Sozialforschung

 (IFES) durchgeführte Meinungsumfrage

hat ergeben, daß die überwiegende Mehrheit

der österreichischen Bevölkerung die Erhaltung

von Burgen und Schlössern und den Einsatz von

öffentlichen Mitteln für diesen Zweck grundsätzlich

 beiaht. Wie das genannte lnstitut ausführt,



verspricht „die konsequente Fortsetzung des ia

bereits eingeschlagenen Weges, Burgen und

Schlösser zu lokalen und regionalen Mittelpunkten

 des kulturellen und Veranstaltungslebens zu

machen, eine Ausdehnung des Besucherkreises".

Das bisher Erreichte und die positive Haltung

des Österreichers zur Frage der Bewahrung und

Erschließung der Burgen und Schlösser geben

der Hoffnung Auftrieb, es werde zumindest die

Rettung der bedeutendsten unter den nach wie

vor vom Untergang bedrohten Objekten möglich

 sein.

5 Schloß Grafenegg. Wappenstube im Nordtrakt.

Nach der Restaurierung 1974

6Schloß Grafenegg. Osttrakt. Bibliothek. Nach

der Restaurierung 1974

7 Schloß Grafenegg. Ausstellungsräume mit Blick

in die Ausstellung „Die romantische Bilderwelt

des Wiener Opernhauses", 1973: Eduard von

Engert, „Amor versucht zum ersten Mal den

Rebensaft" (links) und „Fröhlicher Reigen" (rechts)

8 Schlaß Grafenegg. Rittersaal im Nordtrakt. Nach

der Restaurierung 1974

9 Schloß Grafenegg. Raum in der Beletage des

Nordtraktes_ Gegenwörtiger Zustand vor der

Restaurierung

L1 Unser Autor:

Dr. Werner Kitlitschka

Landeskonservator für Niederösterreich

BundesdenkmalamtlHofburg

SchweizerhoflSöuIenstiege, 1010 Wien

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