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Full text: Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

 
im Ost- und Westtrakt mit illusionistischen Land- 
schaftsdarstellungen von Johann Bergl, die als 
Spitzenleistung dieser besonderen Form der Ro- 
kokolandschaftsmalerei gelten. 
Nicht selten müssen historische Räume vor ihrer 
Restaurierung der bisherigen, bestimmungsfrem- 
den Verwendung entzogen und zuweilen sogar 
entrümpelt werden. So war es bei der vor kur- 
zem restaurierten Taufkapelle der Lichtentaler 
Pfarrkirche, in der Franz Schubert 1797 getauft 
worden ist; dieser ehrwürdige Raum diente als 
Abstellkammer. Ähnlich ist es mit dem ehemali- 
gen Arbeitszimmer des Fürsten Andreas Rasu- 
mofsky im Rasumofskypalais, der jetzigen Gea- 
logischen Bundesanstalt: Das reizvolle Empire- 
interieur, an dessen Edelholzpfeilern sich er- 
staunliche malerische Details erhalten haben, 
dient heute als Laboratorium und müßte vor der 
geplanten Restaurierung umfunktioniert werden. 
Rein technische Schwierigkeiten bereitet die In- 
standsetzung des Portals der Peterskirche, Der 
175i nach Entwurf von Andrea Altomonte er- 
richtete Vorbau bildet mit seiner kühn geschwun- 
genen steinernen Bekrönung mit den Bleiplasti- 
ken von Franz Kohl eine Zierde der Kirche, doch 
bewirkt die schöne Bekrönung durch eine man- 
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gelhafte Regenwasserableitung eine ständige, 
ruinöse Durchnössung der Fassade: nicht nur, 
daß sich an der Wand neben dem Vorbau 
hößliche Naßflecken zeigen, auch im lnneren 
sind bereits beträchtliche Schäden an der male- 
rischen Ausschmückung der Eingangswand ent- 
standen. Vor der Beseitigung der Schäden wäre 
das Problem der Wasserableitung auf eine auch 
ästhetisch befriedigende Weise zu lösen. 
Die genannten Restauriervorhaben sind Beispiele 
aus einer Liste von rund 70 Obiekten, in der so 
unterschiedliche Dinge stehen wie das Schwei- 
zertor in der Hofburg, die historische Rennanlage 
in der Freudenau [die in ihren ältesten Teilen auf 
Karl Hasenauer zurückgeht) und ein alter Tau- 
benschlag auf dem Khleslplatz. Es wäre nach 
auf ein großes Vorhaben der Stadt Wien hin- 
zuweisen, die Revitalisierung des Neugebäudes, 
eines ehemaligen kaiserlichen Lustschlosses aus 
dem 16. Jahrhundert, das heute als Werkstätten- 
gebüude dient. lm Denkmalschutziahr 1975 soll 
dort eine Generalbestandsaufnahme erfolgen, 
welche hoffentlich die Voraussetzungen für die 
Wiederbelebung schaffen wird. Alle diese Lei- 
stungen werden, wie die bereits vollbrachten, 
ein Gemeinschaftswerk sein, an dem neben den 
bereits erwähnten Geldgebern und den ver 
denen Abteilungen des BUFIdESdGTIkITIOlI 
auch zahlreiche Restauratoren, Handwerke 
Firmen des Baugewerbes beteiligt sind. L: 
Endes steht die gesamte Öffentlichkeit c 
ter. Diese Öffentlichkeit wird sich, will sie 
berechtigten Wunsch auf bestmögliche Erhc 
der Denkmäler verwirklicht sehen, damit z 
den müssen, daß die dafür aufzubringenden 
tel immerzu wachsen und schließlich gigan 
Ausmaße annehmen werden, da einerseit 
Zahl der Denkmäler unaufhörlich steigt, am 
seits die Behebung der Schäden fortwöl 
schwieriger werden wird. 
Unser Autor: 
Dr. Peter Pötschner 
Landeskonservator für Wien 
Bundesdenkmalamt 
HofburglSchweizerhof 
lOiO Wien
	        

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