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MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst XX (1975 / Sonderheft Europäisches Denkmalschutzjahr 1975) (1975)

Erwin Heinzle

Schlösser in Vorarlberg

und ihre Revitalisierung

Wenn man sich das heutige Vorarlberg vorstellt

- die alemannische Enklave Österreichs -, so

kann man sich kaum mehr vorstellen, daß dieses

hachindustrialisierte Land früher ein fast ausschließliches

 Bauernland war; daß es daher

dort eine ganze Reihe von heimischen Haustypen

 gibt, welche aus dem rheintalischen oder

wälderischen Baustil entstammen, aus dem wallisischen

 Erbe im Kleinen Walsertal oder am

Hochtannberg, heute besser unter den Namen

Lech und Zürs bekannt. Der Adel spielte in

diesem Land, das überdies im Bregenzerwald

die ältere Demokratie als die Schweiz kannte,

eine bescheidene rRalle. Es ist daher verständlich,

 daß zwar in„früher Zeit in diesem kleinen

Land mehr Burgen als im Burgenland, daß aber

prunkvolle Schloßhauten eigentlich fehlen, wenn

wir von vier Bauwwiken mit Schloßcharakter absehen.

 ,

Nur diese vier Schlösser zeugen heute nach

von ehemaligen Acelssitzen: von Nord nach Süd

aufgezeichnet sind es das Schloß Hofen in Lochau

bei Bregenz, der Ralast in Hohenems, das ehemalige

 Palais der Liechtenstein in Feldkirch und

das Schlaß Gayenhofen in bzw. über Bludenz.

Daneben gab es eine große Anzahl kleiner

Edelsitze, welche kleine Landvögte beherbergten

und zum großen Teil heute noch in gutem Zustand

 sind.

Beginnen wir im Süden des Landes in der Reihenfolge

 der Bemühungen zur Revitalisierung dieser

historischen Bauwerke mit der österreichischen

Herrschaft Bludenz-Sonnenberg, wie sie seit 1474

genannt wurde) Vögte amtierten anstelle ihres

Herrn, wie schon in der werdenbergischen Zeit

bis in die bayerische Periode Anfang des T9.

Jahrhunderts. Diese Vögte waren mit ihren Untervägten

 und Vogteiverwaltern meist zugleich

auch die Pfandinhober der Herrschaft. Die bedeutendsten

 in Bludenz waren die aus Südtirol

stammenden Sterbach. Zwischen den beiden

Weltkriegen war es wechselweise Armenasyl,

Kaserne, nach 1945 diente es der Besatzungsmacht.

 Diese Periode ließ das Schloß Gayenhafen

 hoffnungslos verkommen. Die Stadt als

nunmehrige Eigentümerin war nicht in der Lage,

es instand zu setzen und hatte auch für das

umfangreiche Bauwerk keinen Verwendungszweck.



So gelang es schließlich, das Land dafür zu interessieren.

 Mit Sorgfalt und großem Einsatz

wurde es zur Bezirkshauptmannschaft adaptiert

und darf somit auf lange Sicht als saniert und

revitalisiert gelten.

in Feldkirch steht das einzige Stadtpaluis. Es

wurde nach einem Stadtbrand des Jahres 1697

zwei Jahre später vom Fürsten Johann Adam

von Liechtenstein erwarben. Von hier aus wurden

 die Grafschaften Schellenberg und Vaduz

verwaltet, welche er gekauft hatte, um in den

Reichstag zu gelangen.

Auch dieses Bauwerk hatte wechselvolle Schicksale

 und viel Besitzerwechsel. Schließlich war es

eine Mietskaserne mit zahlreichen Parteien. Die

Erben waren weder materiell noch geistig in der

Lage, es einem besseren Bestimmungszweck zuzuführen.

 Da konnte in mühevollen Verhandlungen

 die Stadt Feldkirch gewannen werden, es

zu erwerben, die Mieter umzuquartieren und das

stattliche Bauwerk für kulturelle Zwecke herzurichten.

 Neben der Unterbringung des städtischen

 Verkehrsvereines im Erdgeschoß hat in

den oberen Räumen das Stadtarchiv ein neues

Domizil gefunden. Daneben sind Räumlichkeiten

für Wechselausstellungen und andere Veranstaltungen

 verschiedenster Art. Das zweite Obergeschoß

 beherbergt seit Jahren eine Dauerausstellung

 mit Werken aus den fürstlich-liechtensteinischen

 Sammlungen in Vaduz.

Schloß Hofen in Lochau bei Bregenz, Geburtsstätte

 des nachmaligen Erzbischofs von Salzburg,

Wolf Dietrich, befand sich viele Jahre im Eigentum

 des Vorarlberger Gastgewerbeverbandes.

Dann war es nach einige Zeit Hotel, und im

vergangenen Jahr hat es das Land in Besitz genommen.

 Es soll als Stätte für eine Erwachsenenbildung

 im Bodenseeraum und für wirtschaftliche

 Managementkurse Verwendung finden. Damit

 wird auch dieses Barockschloß einer Dauerverwendung

 sicher sein.

Schließlich wird in mehreren Etappen der Palast

 in Hohenems instand gesetzt, und es bestehen

 Pläne von seiten des neuen Besitzers

Graf Waldburg-Zeil, hier ebenso ein Kulturzentrum

 ins Leben zu rufen. Die entsprechenden Instandsetzungen

 werden jeweils von anerkannten

 Fachleuten ausgeführt. Das schwerste war

allemal, für iedes der angeführten Objekte einen

adäquaten Verwendungszweck zu finden. Das

erreichte Ergebnis darf alle Beteiligten mit Genugtuung

 erfüllen, sind diese Schlaßbauten doch

nach menschlichem Ermessen durch die getroffenen

 Maßnahmen auf lange Sicht der Nachwelt

erhalten.

Unser Autor:

W. Hofrat Dr. Erwin Heinzle

Landeskonservator für Vorarlberg

6900 Bregenz, Gallusstraße "I0


            
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