Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Alte und Moderne Kunst IX (1964 / Heft 72)

Zvlateriulien und Bindemittel

verwendeten Materialien und Bindemittel sind uralte, seit der

nerzeit verwendete bodenständige StoHe. Der Hauptbestandteil

Gußmasse wird aus gemahlenem Kalkstein gebildet. Aus demselben

terial wird auch heute noch der Terrazzo-Kunststein gewonnen.

Farbe des Produktes hängt davon ab, ob nun rötlicher Marmor

r weißer Kalkstein verwendet oder ob Ziegelmehl zugesetzt wird.

t Stein wird zuerst gebrochen, dann gequetscht, wobei schon ein

"ker Teil des feinen Steinmehles anfällt. Zwischen Steinwalzen

ute Stahlwalzen) wird das Material gemahlen und dann gesiebt. Es

teht aus feinem Mehl mit gröberen Körnern durchsetzt. SelbstverldllCh

 ergab die chemische Untersuchung Springers hier Kalk.

behauptete aber, daß es sich - entgegen der uralten und heute

:h lebendigen Übung - um gebrannten Kalk handle. Er glaubt,

i kein natürliches Steinpulver verwendet wurde, da die Herlung

 zu schwierig sei und da dieses sich nicht so leicht im Endidukt

 plastisch bearbeiten ließe. Es besteht keinerlei Veranlassung,

se Komplikation entgegen der altbewährten handwerklichen Traon

 anzuerkennen.

ändert hat sich heute lediglich das Bindemittel. Man verwendet zur

t Portlandzement. Um 1400 diente als Bindemittel der uralte „Zent"

 der Römerzeit und des Mittelalters; der auch heute noch auf

1 Hochalmen beim Bau der Almhäuser verwendet wird: Mit Holz

wrannter, gelöschter Kalk und Quark (Topfen) zu gleichen Teilen.

t diesem dauerhaften Bindemittel, Kalk und Quark, waren bereits

Brücken und das Mauerwerk der Römerstraßen gebautV. Als

rrtel für die Almhauser sagen ihm heute noch die Bauern in den

uen eine höhere Lebensdauer als dem Zement nach. Es gibt

ürlich noch andere Bindemittel aus alter Zeit, diese natürlichen

ttel waren jedoch überall vorhanden und daher am meisten verndet.

 Kalk und Quark werden vorher ausgedrückt und weitge-1d

 entwässert. ineinander verrührt ergeben sie dann eine milchige

ssigkeit. Es wird soviel Steinmehl zugesetzt, bis eine zahflüssige brei-Masse

 entsteht. Versuche mit dieser Mischung haben ergeben, daß

unter ständigem Rütteln gegen die Form sich in die feinsten Ver-"ungen

 absetzt und jeden Hohlraum füllt. Nach einem Tag ist sie

eits oberflächlich trocken. Nach mehreren Wochen entspricht sie

Farbe, Oberfläche, Körnigkeit und Festigkeit dem Material der

zburger Steingußplastik.

t Febluhlzirre L. A. Springer:

tinger hat seiner Untersuchung einen in der Kunstgeschichte selen

 massiven Einsatz naturwissenschaftlicher Untersuchungsmetho-1

 zugrunde gelegt. Er führte mineralogisch-mikroskopische und

zmisch-quantitative Untersuchungen durch. Die imponierenden

ihen chemischer Formeln haben die Kunstgeschichte fast drei jahrinte

 getäuscht. Wir haben ein klassisches Beispiel vor uns, welch

iährliche Wade die Technologie sein kann, wenn darauf falsche

ilüsse aufgebaut werden.

Ch einer brillierenden Zerlegung der verschiedenen untersuchten

ißsteinmassen bis zur letzten Einheit der Atome und Moleküle

I Springer nicht mehr die nötige natürliche Synthese zur Erklärung

i Materials und der Bindemittel geben können. Die Schwierigkeiten

ginncn mit der Behauptung, daß die Masse nicht aus gemahlenem

ein besteht, wie beispielsweise H. Wilm annahm 8, sondern daß sie zum

Efwiegenden Teil aus gebranntem Kalk bestehe. - Diese These

g eine zweite verhängnisvolle falsche These nach sich, daß das Vor-Hdensein

 von Foraminiferen9 automatisch auf natürlich gewachsenen

ein hinweise. Besonders irreführend ist jedoch Springers Theorie,

ß kein Guß in der verlorenen Form vorliege, sondern nur ein

vom"... xw..-i_r_1-_u ___ 01141.-.." Lahn..." tmn-Aa Tm Fnluenrlen



misch nach den Springefschen Rezepturen zu. Die Versuche mit dem c

geschilderten Gemisch ergaben, daß sich dieses in die kleinsten Vertiefun

schmiegt und in Abzweigungen hochsteigt, wenn gleichzeitig dau:

gerüttelt wird.

„Die Technik der verlorenen Form findet sich an der Wende des 14. ]

hunderts nur beim Bronzeguß, der durchwegs massiv unterschnittene Säi

vermeidet." Antwort: Bei der verlorenen Form spielt eine Unterschneid

keinerlei Rolle, weder beim Bronze- noch beim Steinguß.

„Werke derselben Form rnaßgetreu finden sich nicht. jede Arbeit ist eige

Schöpfung." Antwort: Der Guß nach verlorener Form ist einmalig, da

Form verlorenging, auch diese Werke sind eigenste Schöpfung.

„Zwischen Material und Form bildet sich (beim Gießen der Springefst

Werkblöcke) eine Sinterhaut, aus wassergelöstem Gips und Kalk, we

völlig dicht die geformte Oberfläche überzieht." Diese Sinterhaut fr

Springer nur an Sockelteilen, aber niemals auf der Plastik selbst. 4 Antw

Die Madonna von Mariapfarr, ebenso aber auch andere vorn Verfasser ur

suchte Figuren, wie insbesondere die Madonna Colli des Liebighause

Frankfurt, haben eine Gußhaut. Diese Gußhaut ist bei der Figur von M:

pfarr auf weiten Teilen erhalten. Bei der Madonna Colli ist sie fast vollstäi

vorhanden. Sie ist jedoch keine ganz glatte, dichte Sinterhaut, sondern

Gußhaut, welche dicht, aber doch leicht körnig von dem Grundmati

gebildet wird.

„Alle Beobachtungen erzwingen den Schluß, daß nur der Materialb

gegossen wurde und reinigen damit den Begriff der deutschen Plastik

1400 von der kuriosen Vorstellung eines regelrechten Vervielfältigungs

fahrens." Antwort: Die Schlüsse Springers sind allerdings wirklich

„erzwungen". Es fehlt dabei die wirkliche genaue Vorstellung des C

Verfahrens, die Kenntnis der künstlerischen Techniken und die Ber

sichtigung der alten Traditionen und Werkstolfe. Von einer Vervielfältig

kann bei der Technik der verlorenen Form keine Rede sein. Sie ist die h

stehendste und bedeutendste der plastischen Techniken, der die Menscl

die Erhaltung vieler der größten plastischen Meisterwerke dcr Verganger

verdankt.

Zur Frage der Plnrlile um 1400 au: natürlirbem Kalkrlein

Dieses Kapitel bedarf einer besonders vorsichtigen Untersuchung.

ist durch die Farbfassungen sehr erschwert. Vor allem ist d

die mikroskopische Untersuchung genügend großer Bruchstücke

der Basisliäche durchzuführen. Dabei ist die Schwierigkeit, Kasein

andere organische Bindemittel zu erkennen, zu bedenken.

Der Verfasser steht mit großer Vorsicht den Bestimmungen

Materials bedeutender Schöner Madonnen als „Kalkstein" oder „l

gel" gegenüber. Mit Ausnahme von Österreich und Bayern h:

überall die Untersuchungen Kalkstein ergeben. Man hat dabei

Möglichkeit des Gußsteines zuwenig in Betracht gezogen, st

aus der Überlegung, damit den einmaligen Rang des Werke:

schmälern. Diese falsche Einstellung zum Steinguß in der VCIlOU

Form bedarf einer dringlichen Revision. Figuren wie die Madonnen

Breslau und Thorn sind dringlich neuerlich zu untersuchen.

Ausgewogenheit und vollrunde Gestaltung ist nur in der aufbauen

modellierenden Technik möglich. Sind sie aus Kalkstein, dann

ein Modell vorgelegen haben, das maßgetreu kopiert wurde. V

der Umweg, wenn damals Salzburg gegossen hat? Die internatic

Kunst um 1400, deren Künstler von Italien bis zum Norden wande

hatte auch internationale Techniken. Der Autor ist überzeugt, daß

unter den besten Figuren dieser Zeit, die als Kalkstein gelten, l

viele Steingußplastiken befinden.

o" Verfasser wurmt, um" Pmf. m. am; Kimm" mm a" nmmmru. Hurlxsrlullz, Wim, II

Auskünfte über die milrmsluvpirrhrvl lYilemlrhimgsmerhivdeil und am, Ivisllerigru Evgelmisrz.

Zmarrmrergfauung

Für den Bereich der salzburgisch-bayerischen Steingußplastik um

ist somit erwiesen, daß es sich um Steingüsse in der verlorenen l

handelt. Die Materialien sind gemahlener Kalkstein, die Binden

gebrannter Kalk und Quark. Der Bereich der Plastiken „aus n

lichem Kalkstein" dieser Zeit bedarf einer Neuuntersuchung, da ma

Steingußplastiken fälschlich als Kalkstein geführt werden. Bei zw

L.rA_A n. Valbnaän "Ar-r gfßan4





._- 4:- n....-:..l..-.....,.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.