Jakob Weiß („k. k. privil. Gold = , Silber= und Bronzewaaren = Fabrikant“ in Wien) hatte
Zuckervasen, Zuckerdosen, Zuckerstreuer und Zuckerzangen (Bericht 1835, S. 184) im
Programm; Machts et Comp. („k. k. privil. Plattirwaarenfabrik“ in Wien) zeigte Zuckerva
sen und Büchsen sowie Zuckerstreuer (Bericht 1835, S. 178); die „Serpentin=Stein-
schleifmühle“ in Einsiedl, Böhmen, präsentierte Zuckerdosen und Büchsen (Bericht
1835, S. 267) und Johann Bapt. Eisner (in Bergreichenstein, Böhmen) stellte unter ande
rem auch „Zuckerbüchsen, darunter eine mit Silberstein“ (Bericht 1835, S. 270) aus.
Glas, Metall, Ebenholz und Elfenbein waren die Materialien der Zuckerstreuer, die auf
der Ausstellung von 1839 gezeigt wurden:
„zwei grüne Zuckerbüchsen vergoldet“ von der Harrachschen Glasfabrik in Neuwald
(sic!, richtig: Neuwelt!) (Bericht 1839, S. 38), Zuckerstreuer, Büchsen und Vasen von
dem bereits für 1835 genannten Jacob Weiß (Bericht 1839, S. 128), 4 Zuckerstreuer,
Pfefferstreuer von August Kuhn, „Fabrikant englisch silberplattirter Waren zu Wien“ (Be
richt 1839, S. 129) und schließlich „eine Zuckerstreubüchse von Ebenholz mit Elfenbein
verziert und durchbrochen“ von Friedrich Reeck, „bürgl. Kunst= und Galanterie = Drechs-
ler zu Wien“ (Bericht 1839, S. 402).
Die Punzierung der Zuckerstreubüchse (BGBl 1954, S. 938) war ab 1866 in Österreich
genau vorgeschrieben (in der „Belehrung für die zur Vollziehung des Gesetzes über den
Feingehalt der Gold- und Silberwaaren und dessen Ueberwachung berufenen Control
ämter“ und den „Vorerinnerungen zum alphabetischen Verzeichnisse der Gold- und Sil-
bergeräthe“):
„Zuckerstreubüchsen. N. und F. auf der Seitenwand des Untertheiles, der Deckel (Sieb)
sowie eventuel der Fuß mit der F. oder dem A. (d. bez. e.)“ (Die Bedeutung der Abkür
zungen: N = Namenspunze, F = Feingehaltspunze, A = Amtszeichen, d. bez. e. = dop
pelt beziehungsweise einfach).
In dieser „Belehrung“ werden die Einzelbestandteilen des Gefäßes genannt: Büchse,
Fuß, Deckel, Sieb; andere, heute manchmal übliche Bezeichnungen sind: Fuß, Korpus,
Streukappe, Streukopf, Haube.
Im Preis-Courant des Glasraffineurs Jgnaz Vogel aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts
(Abb. 257, S. 188) sind Zuckerstreuer und Pfefferstreuer in zwei verschiedenen Größen,
bezeichnenderweise keine Salzstreuer enthalten, da man in jener Zeit für Salz wohl vor
wiegend Schälchen verwendete.
In der Druckgraphik des 18. Jahrhunderts sind Streugefäße als Bestandteile von Tafel
aufsätzen immer wieder vertreten. Der Entwurf für eine Plat-de-Menage von Johann
Bauer (Abb. 137, S. 123) enthält auch eine „Zucker Büchs“ („Une BoTte ä Sucre“). Auf
drei weiteren Tafelaufsätzen (Abb. 138, S. 124; Abb. 139, S. 125; Abb. 155, S. 133) sind
Streugefäße mit hohen, durchbrochenen Deckeln zu sehen; ihre teilweise Verwendung
als Zuckerstreuer ist anzunehmen.
Im folgenden werden die Formtypen der Zuckerstreuer aus dem Bereich der österrei
chisch-ungarischen Monarchie, im besonderen des Wiener Raumes, behandelt, wobei
Vergleiche mit Streuern anderer Provenienz Unterschiede und Gemeinsamkeiten doku
mentieren sollen.
Der früheste hier abgebildete Wiener Zuckerstreuer (Abb. 140, S. 126) ist balusterför
mig. Die Wandungen sind glatt, der durchbrochene Deckel mit Bajonettverschluß trägt
einen hohen Balusterknauf. Diesem Formtypus entsprechen zwei etwas spätere
Streuer, wenngleich ihre Oberfläche durch vertikale Züge gegliedert sind (Abb. 141,
S. 126; Abb. 143, S. 127). Zwei Wiener Streuer aus unterschiedlichen Materialien sind
vergleichbar: wenn auch der Blumendekor des Porzellanobjekts (Abb. 142, S. 127) des
sen Form zurücktreten läßt, sind doch frappierende Übereinstimmungen mit dem Wie
ner Silberstreuer (Abb. 143, S. 127) offenkundig. Dieser ist mit der Jahreszahl 1743 ge
nau datiert; aus der Zeit vor 1744 stammt auch der vergleichbare Wiener Porzellan-
120