Streuer aus der Manufaktur Du Paquiers, die bis 1744 bestand und dann in den Besitz
des österreichischen Staates überging.
Der zweifach gebauchte untere Teil des Corpus (Abb. 141, S. 126; Abb. 142, 143,
S. 127), ein charakteristisches Merkmal dieser Streuer, ist auch bei einem wesentlich
späteren englischen Gegenstück (Abb. 144, S. 128) und bei österreichischen Streuern
(Abb. 147, S. 129) wiederzufinden. Bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts ist die
ser Typus nachweisbar.
Der geschwungene, durchbrochene Deckel eines Streuers (Abb. 146, S. 129) ist engli
schen Formen vergleichbar (Abb. 148, S. 130). Der weiße Überfang des farblosen Kri
stallkerns (Abb. 146, S. 129) scheint dem Porzellanweiß der Wiener und Meißener
Streuer (Abb. 142, S. 127; Abb. 145, S. 128) nahezukommen.
Als späte Variante ist dieser Typus noch im Berndorfer Katalog von 1893 enthalten
(Nr. 16007; Abb. 150, S. 131).
Die Balusterform, nach Gruber ab 1700 entstanden und dann in ganz Europa gebräuch
lich (Gruber 1982, S. 168-170), ist in dessen Publikation in französischen, englischen
und deutschen Beispielen vertreten und bis ins 20. Jahrhundert hinein belegbar,
hundert hinein belegbar.
Neben der Balusterform sind im österreichischen Bereich noch Streuer mit bimförmi
gem, zylindrischem (turmförmigem), hochschulterig vasenförmigem und konischem
Corpus nachzuweisen.
Bimförmige Streuer mit Godronnierung kennen wir aus dem 18. und 19. Jahrhundert
(Abb. 153-155, S. 133). Noch im Jahre 1863 wurde ein Wiener Streuer mit bimförmigem
Corpus und hohem Deckel mit Bajonettverschluß hergestellt (Abb. 152, S. 132). Aus Un
garn und Deutschland stammen dreifüßige Streuer (Abb. 156, 157, S. 134), einer davon
(Abb. 157, S. 134) wie auch zwei Wiener Objekte (Abb. 158, 159, S. 135) mit Godronnie
rung.
Turmförmige Streuer sind in England und Frankreich bereits aus dem letzten Drittel des
17. Jahrhunderts bekannt (Clayton 1985, S. 73, Abb. 12-14, Helft 1980, S. 310).
Englische Metallstreuer - mit Glas? - (Abb. 160, 161, S. 136; Abb. 163, S. 138) und Glas
streuer mit Metalldeckel (Abb. 162, S. 137) weisen dieselbe zylindrische Form mit knauf
losem, gewölbtem Deckel auf; dem frühen französischen turmförmigen Streuer von
1670 (Helft 1980, S. 310) entsprechen zwei andere Streuer (Abb. 165, 166, S. 139) im
Aufbau, mit knaufbekröntem Deckel, dessen vorkragender Rand ebenso betont wird
wie die Fußzone.
Großer Beliebtheit erfreute sich die hochschulterige Vasenform mit abgesetztem Fuß,
eingeschwungenem Hals und gewölbtem Deckel ohne und mit Knauf (Abb. 167-174,
S. 140-143), mit glatter oder ornamentierter Wandung, häufig mit der Kombination von
Godronnierung und Festons (Abb. 175-178, S. 144, 145).
Die österreichischen Beispiele zeigen den Grundtypus mit relativ flachem Deckel
(Abb. 179, 181, S. 146, 147) ebenso wie eine Sonderform mit hochgewölbter, oben ab
geflachter Schulter, schmalem Schaft mit ring- oder wulstartigem Nodus und floralen
Bordüren (Abb. 182-185, S. 148, 149).
Charakteristisch für eine weitere Gruppe ist die Form mit gewölbter Schulter und dem
über dem Fuß leicht eingeschwungenen, schaftlosen Corpus (Abb. 187-191,
S. 151-153). Die Geschlossenheit dieser Form kann durch einen sehr niedrigen Hals
noch betont werden (Abb. 187, 188, S. 151).
Neben den durch Godronnierung, Profilleisten, Ringwülste bzw. Ornamentbordüren
meist horizontal gegliederten Formen mit Ringnodus (Abb. 192-195, S. 154, 155) gibt es
auch jene vasenförmigen Streuer, deren gesamte Oberfläche reich strukturiert ist - sei
es durch den geschliffenen oder gepreßten diamantierten oder gesteindelten Dekor der
Glaswandungen (Abb. 197, 198, S. 156, 157), die geometrisch gegliederten Schliffe des
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