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Full text: Wiener Silber 1780 - 1866, Band 2: Zuckerstreuer, Zuckerdosen, Zuckervasen, Zuckerzangen

VOM ZUCKER 
Die vorliegende Publikation konzentriert sich auf Zuckerbehälter bzw. -gerate aus dem 
Raum der österreichisch-ungarischen Monarchie; auf den Zucker selbst soll in dieser 
Ausführlichkeit nicht eingegangen werden, da es entsprechende Fachliteratur gibt (ver 
schiedenste Themen werden derzeit am aktuellsten in den Schriften des Zuckermu 
seums Berlin abgehandelt, dessen Katalog seben erschienen ist (Hubert Olbrich, Hrsg., 
Zucker-Museum Berlin, Berlin 1989). In seinem Standardwerk „Die Zuckererzeugung 
1600 - 1850“ (Wien 1937) geht Dr. Jakob Baxa vor allem auch auf die österreichische 
Zuckerindustrie des genannten Zeitraumes mit akribischer Auswertung archivalischer 
Quellen ein. 
Im Privilegienarchiv der Technischen Universität Wien sind uns neben einer ausführli 
chen Beschreibung der Raffinierung von Rübenzucker durch Schuzenbach (Priv. Reg. 
Nr. 2978) auch Privilegien zur Verfertigung von Zuckerhutformen überliefert (Franz 
Fleisch, 1845, Priv. Reg. Nr. 3977) sowie eines feuerfesten Lackes für Zuckerformen 
durch Johann Podheysky 1845 (Priv. Reg. Nr. 4178) erhalten. 
Die beste zeitgenössische Quelle für die Verarbeitung des Zuckers im Raum der öster 
reichisch-ungarischen Monarchie im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts bietet Stephan 
Edler von Keess (Darstellung des Fabriks= und Gewerbswesens im österreichischen 
Kaiserstaate. Vorzüglich in technischer Beziehung. Zweyter Theil, Zweyter Band, Wien, 
Der Zucker 
Aus dem Rohzucker (vgl. Th. I. Abth. Zucker= Materialien), wird durch die Kunst der raffinirte 
Zucker bereitet, weiches in eigenen Fabriksanstalten, die unter dem Nahmen Zuckerfabriken, 
Zuckersiedereyen oder Zuckerraffinerien bekannt sind, geschieht. Fabriksbefugnisse dieser 
Art werden nach der im Jniande bestehenden Ordnung nur an jene, weiche den erforderli 
chen Fond ausweisen, ertheilt, und kleine Raffinerien sollen in Zukunft nicht mehr errichtet 
werden. Da jedoch außer dem eigentlichen Rohrzucker, welcher ein ausländisches Product 
ist, sich auch aus inländischen Stoffen Zucker gewinnen läßt, und wirklich bereitet wurde, so 
zerfällt die Zuckerfabrication in zwey Branchen: 1) in die Raffinirung des Rohrzuckers, 2) in 
die Bereitung des inländischen Zuckers. 
1) Raffinirung des Rohrzuckers. 
Der Rohrzucker aus dem Zuckerrohre, so wie er im Handel als weißes, gelbes oder braunes 
Zuckermehl vorkommt, ist noch keineswegs rein, sondern enthält außer dem reinen krystalli- 
sirbaren Zucker noch eine Menge anderer Substanzen, als Schleimzucker, freye Säure, Ex- 
tractivstoff etc., weiche durch chemische und mechanische Mittel ausgeschieden werden 
müssen. Darin besteht nun die ganze Raffinirung, weiche sich auch nach der großem oder 
geringem Menge jener beygemischten Bestandtheile richten muß. Die Fabrik fordert eine 
sehr kostspielige Einrichtung, nebst weicher noch manche andere Gegenstände berücksich 
tigt werden müssen, wenn sie ein gutes Gedeihen haben soll. Das einfachste Verfahren beym 
Raffiniren des Rohrzuckers ist wohl dasjenige, welches in Ostindien, in den französischen u. 
a. Colonien Statt findet, in Europa aber nie angenommen wurde. Hier hat man vornehmlich 
zwey Raffinirungs= Methoden, die in Ausübung sind: die ältere und neuere. Die allgemein üb 
liche, ältere Methode soll in Venedig erfunden worden seyn; doch erlitt sie später, besonders 
in der neuesten Zeit, mancherley Abänderungen. Die einzelnen Arbeiten beym Raffiniren 
nach der ältern, allgemeinem Methode bestehen 1) im Sortiren, 2) im Auflösen, 3) im Sieden 
und Läutern des Rohzuckers, 4) im Filtriren des Syrups, 5) im Gahrsieden, 6) im Abkühlen 
des Zuckers, 7) im Füllen der Formen, 8) im Decken des Zuckers, 9) im Ausnehmen des Zuk- 
kers aus den Formen, und 10) im Trocknen und Reinigen desselben. 
Das Sortiren des Rohzuckers ist sehr nöthig, weil nicht jede Sorte desselben gleichviel kry- 
stallisirbaren Zucker, und gleichviel fremdartige Beymischungen enthält, weiches zum Theil 
von der Reife des Zuckerrohrs abhängt, woraus der Rohzuckers bereitet worden ist. Der ge- 
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