VOM ZUCKER
Die vorliegende Publikation konzentriert sich auf Zuckerbehälter bzw. -gerate aus dem
Raum der österreichisch-ungarischen Monarchie; auf den Zucker selbst soll in dieser
Ausführlichkeit nicht eingegangen werden, da es entsprechende Fachliteratur gibt (ver
schiedenste Themen werden derzeit am aktuellsten in den Schriften des Zuckermu
seums Berlin abgehandelt, dessen Katalog seben erschienen ist (Hubert Olbrich, Hrsg.,
Zucker-Museum Berlin, Berlin 1989). In seinem Standardwerk „Die Zuckererzeugung
1600 - 1850“ (Wien 1937) geht Dr. Jakob Baxa vor allem auch auf die österreichische
Zuckerindustrie des genannten Zeitraumes mit akribischer Auswertung archivalischer
Quellen ein.
Im Privilegienarchiv der Technischen Universität Wien sind uns neben einer ausführli
chen Beschreibung der Raffinierung von Rübenzucker durch Schuzenbach (Priv. Reg.
Nr. 2978) auch Privilegien zur Verfertigung von Zuckerhutformen überliefert (Franz
Fleisch, 1845, Priv. Reg. Nr. 3977) sowie eines feuerfesten Lackes für Zuckerformen
durch Johann Podheysky 1845 (Priv. Reg. Nr. 4178) erhalten.
Die beste zeitgenössische Quelle für die Verarbeitung des Zuckers im Raum der öster
reichisch-ungarischen Monarchie im ersten Viertel des 19. Jahrhunderts bietet Stephan
Edler von Keess (Darstellung des Fabriks= und Gewerbswesens im österreichischen
Kaiserstaate. Vorzüglich in technischer Beziehung. Zweyter Theil, Zweyter Band, Wien,
Der Zucker
Aus dem Rohzucker (vgl. Th. I. Abth. Zucker= Materialien), wird durch die Kunst der raffinirte
Zucker bereitet, weiches in eigenen Fabriksanstalten, die unter dem Nahmen Zuckerfabriken,
Zuckersiedereyen oder Zuckerraffinerien bekannt sind, geschieht. Fabriksbefugnisse dieser
Art werden nach der im Jniande bestehenden Ordnung nur an jene, weiche den erforderli
chen Fond ausweisen, ertheilt, und kleine Raffinerien sollen in Zukunft nicht mehr errichtet
werden. Da jedoch außer dem eigentlichen Rohrzucker, welcher ein ausländisches Product
ist, sich auch aus inländischen Stoffen Zucker gewinnen läßt, und wirklich bereitet wurde, so
zerfällt die Zuckerfabrication in zwey Branchen: 1) in die Raffinirung des Rohrzuckers, 2) in
die Bereitung des inländischen Zuckers.
1) Raffinirung des Rohrzuckers.
Der Rohrzucker aus dem Zuckerrohre, so wie er im Handel als weißes, gelbes oder braunes
Zuckermehl vorkommt, ist noch keineswegs rein, sondern enthält außer dem reinen krystalli-
sirbaren Zucker noch eine Menge anderer Substanzen, als Schleimzucker, freye Säure, Ex-
tractivstoff etc., weiche durch chemische und mechanische Mittel ausgeschieden werden
müssen. Darin besteht nun die ganze Raffinirung, weiche sich auch nach der großem oder
geringem Menge jener beygemischten Bestandtheile richten muß. Die Fabrik fordert eine
sehr kostspielige Einrichtung, nebst weicher noch manche andere Gegenstände berücksich
tigt werden müssen, wenn sie ein gutes Gedeihen haben soll. Das einfachste Verfahren beym
Raffiniren des Rohrzuckers ist wohl dasjenige, welches in Ostindien, in den französischen u.
a. Colonien Statt findet, in Europa aber nie angenommen wurde. Hier hat man vornehmlich
zwey Raffinirungs= Methoden, die in Ausübung sind: die ältere und neuere. Die allgemein üb
liche, ältere Methode soll in Venedig erfunden worden seyn; doch erlitt sie später, besonders
in der neuesten Zeit, mancherley Abänderungen. Die einzelnen Arbeiten beym Raffiniren
nach der ältern, allgemeinem Methode bestehen 1) im Sortiren, 2) im Auflösen, 3) im Sieden
und Läutern des Rohzuckers, 4) im Filtriren des Syrups, 5) im Gahrsieden, 6) im Abkühlen
des Zuckers, 7) im Füllen der Formen, 8) im Decken des Zuckers, 9) im Ausnehmen des Zuk-
kers aus den Formen, und 10) im Trocknen und Reinigen desselben.
Das Sortiren des Rohzuckers ist sehr nöthig, weil nicht jede Sorte desselben gleichviel kry-
stallisirbaren Zucker, und gleichviel fremdartige Beymischungen enthält, weiches zum Theil
von der Reife des Zuckerrohrs abhängt, woraus der Rohzuckers bereitet worden ist. Der ge-
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