Die Zuckerdosen des Berndorfer Kataloges von 1893 können als guter, repräsentativer
Querschnitt dafür dienen (Abb. 495, 496, S. 320; Abb. 500-520, S. 322-325).
Typische Beispiele des Jugendstils sind vor allem aus dem Gebiet der österreichisch
ungarischen Monarchie (Schwerpunkt Böhmen), vertreten (Abb. 521 ff., S. 326 ff.), wo
bei neben den Henkelschwüngen die analog gestaltete, oft asymmetrische Handhabe
des Deckels dominiert.
In einer Gruppe niederer Deckeldosen scheint die geradwandige klassizistische Form
wieder aufzuleben (Abb. 535, 536, S. 333). Eine neue Form für henkellose Zuckerdosen
wurde in den Servicen der „Schule Kolo Moser“ gefunden (Abb. 539, 540, S. 335).
Auch die konische Form mit Henkeln (Abb. 543, 544, S. 337) ist im ausgehenden 19. und
beginnenden 20. Jahrhundert fallweise vertreten. In Form und Farbgebung sind einige
Zuckerdosen tschechischer und österreichischer Provenienz dem Art Deco der Zwi
schenkriegszeit verpflichtet (Abb. 546 ff., S. 339 ff.). Einige Zuckerdosen der Wiener
Porzellanmanufaktur Augarten (Abb. 548, S. 340; Abb. 555, S. 343; Abb. 566-568, S. 350,
351), auf Entwürfe von Josef Hoffmann (Abb. 555, S. 343), Vally Wieselthier (Abb. 566^
S. 350) und andere Künstler zurückzuführen, bestechen durch ihr klares Design.
Wesentliche Schriftquellen für Zuckerdosen aus dem Bereich der österreichisch-ungari
schen Monarchie stellen Berichte von den Wiener Ausstellungen (1835, 1839 und 1845)
dar, auf denen Zuckerdosen aus Silber, Glas, Porzellan, Steingut, Serpentin und Perl
mutter gezeigt wurden.
Zuckerdosen und Büchsen aus Serpentin präsentierte Dionisius Rudrich, Steinmetz und
Direktor einer „Serpentin=Steinschleifmühle“ in Einsiedl, Böhmen (Bericht 1835, S. 267).
Aus Perlmutter war die „Zuckerdose mit Malerei“, die Carl Schmidt, „privil. Perlenmut-
ter=Galanterie=Waarenfabrikant“ in Wien (Bericht 1835, S. 339) zeigte; auch Jakob
Schwarz, „bürgerl. Perlenmutter=Galanteriewaaren=Fabrikant“ in Wien, war mit Perlmut
tergegenständen (einem Streulöffel und einer Zuckerdose) auf derselben Ausstellung
vertreten (Bericht 1835, S. 345, 346).
Von zwei böhmischen Ausstellern stammten gläserne Zuckerdosen: aus Lithyalin waren
jene des Friedrich Egermann, Haida (Bericht 1835, S. 257), jene des Grafen Bouquoy,
des Inhabers der Glasfabriken zu Silberberg und Georgenthal (Bericht 1835, S. 248) wa
ren in der Gruppe „Erzeugnisse aus schwarzem, rothbraunem, gelbbraunem und grün
grauem Hyalith“ enthalten.
Die keramischen Dosen waren auf der Ausstellung von 1835 am zahlreichsten vertreten:
Gebrüder Haidinger („k. k. privil. Porzellanfabrik in Elbogen, Böhmen“) zeigten „2Zuk-
kerdosen, 8Zuckerpateren“ (Bericht 1835, S. 250), Ludwig & Carl Hardtmuth („k. k. Pri-
vilegirte Steingut=, Majolika= und Fayence = Geschirrfabrik in Wien“) Geschirr mit Gold
rand, darunter eine Zuckerdose (Bericht 1835, S. 252), Stanislaus Graf v. Mnischek
(„Jnhaber der k. k. privil. Steingut= und Wedgwoodfabrik“ in Frain, Mähren) eine „Zuk-
kerdose, braun, mit Goldrand... 2Zuckerdosen, braun und blau gedruckt“ (Bericht
1835, S. 265), Schiller und Gerbing (Besitzer einer Hydrolith=Waarenfabrik in Boden
bach, Böhmen) „eine Theekanne sammt Milchtöpfen und Zuckerdose“ (Bericht 1835,
S. 275), die „K. K. ärarische Porzellan = Manufaktur“ in Wien „1 Zuckervase mit Fruchtge
mälde ... 1 Zuckerdose mit Goldstreifen“ (Bericht 1835, S. 280) und Friedrich Wolff und
Comp, („privil. Steingutfabrik zu Glinsko, Galizien“) „3Zuckerdosen, verschieden ge
färbt und mit Blattguirlande" (Bericht 1835, S. 282).
Mit Zuckervasen, Zuckerdosen, Zuckerstreuern und Zuckerzangen auf der Ausstellung
1835 vertreten (Bericht 1835, S. 184), scheint Jakob Weiß („k. k. privil. Gold = , Silber=
und Bronzewaaren=Fabrikant“ in Wien) ein Spezialist für diese Objekte gewesen zu
sein.
Im Bericht über die „zweite allgemeine österreichische Gewerbs=Producten=Ausstel-
lung“ im Jahre 1839 werden folgende Zuckerdosen aus Glas, Keramik und Metall er-
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