MAK

Full text: Wiener Silber 1780 - 1866, Band 2: Zuckerstreuer, Zuckerdosen, Zuckervasen, Zuckerzangen

Die Zuckerdosen des Berndorfer Kataloges von 1893 können als guter, repräsentativer 
Querschnitt dafür dienen (Abb. 495, 496, S. 320; Abb. 500-520, S. 322-325). 
Typische Beispiele des Jugendstils sind vor allem aus dem Gebiet der österreichisch 
ungarischen Monarchie (Schwerpunkt Böhmen), vertreten (Abb. 521 ff., S. 326 ff.), wo 
bei neben den Henkelschwüngen die analog gestaltete, oft asymmetrische Handhabe 
des Deckels dominiert. 
In einer Gruppe niederer Deckeldosen scheint die geradwandige klassizistische Form 
wieder aufzuleben (Abb. 535, 536, S. 333). Eine neue Form für henkellose Zuckerdosen 
wurde in den Servicen der „Schule Kolo Moser“ gefunden (Abb. 539, 540, S. 335). 
Auch die konische Form mit Henkeln (Abb. 543, 544, S. 337) ist im ausgehenden 19. und 
beginnenden 20. Jahrhundert fallweise vertreten. In Form und Farbgebung sind einige 
Zuckerdosen tschechischer und österreichischer Provenienz dem Art Deco der Zwi 
schenkriegszeit verpflichtet (Abb. 546 ff., S. 339 ff.). Einige Zuckerdosen der Wiener 
Porzellanmanufaktur Augarten (Abb. 548, S. 340; Abb. 555, S. 343; Abb. 566-568, S. 350, 
351), auf Entwürfe von Josef Hoffmann (Abb. 555, S. 343), Vally Wieselthier (Abb. 566^ 
S. 350) und andere Künstler zurückzuführen, bestechen durch ihr klares Design. 
Wesentliche Schriftquellen für Zuckerdosen aus dem Bereich der österreichisch-ungari 
schen Monarchie stellen Berichte von den Wiener Ausstellungen (1835, 1839 und 1845) 
dar, auf denen Zuckerdosen aus Silber, Glas, Porzellan, Steingut, Serpentin und Perl 
mutter gezeigt wurden. 
Zuckerdosen und Büchsen aus Serpentin präsentierte Dionisius Rudrich, Steinmetz und 
Direktor einer „Serpentin=Steinschleifmühle“ in Einsiedl, Böhmen (Bericht 1835, S. 267). 
Aus Perlmutter war die „Zuckerdose mit Malerei“, die Carl Schmidt, „privil. Perlenmut- 
ter=Galanterie=Waarenfabrikant“ in Wien (Bericht 1835, S. 339) zeigte; auch Jakob 
Schwarz, „bürgerl. Perlenmutter=Galanteriewaaren=Fabrikant“ in Wien, war mit Perlmut 
tergegenständen (einem Streulöffel und einer Zuckerdose) auf derselben Ausstellung 
vertreten (Bericht 1835, S. 345, 346). 
Von zwei böhmischen Ausstellern stammten gläserne Zuckerdosen: aus Lithyalin waren 
jene des Friedrich Egermann, Haida (Bericht 1835, S. 257), jene des Grafen Bouquoy, 
des Inhabers der Glasfabriken zu Silberberg und Georgenthal (Bericht 1835, S. 248) wa 
ren in der Gruppe „Erzeugnisse aus schwarzem, rothbraunem, gelbbraunem und grün 
grauem Hyalith“ enthalten. 
Die keramischen Dosen waren auf der Ausstellung von 1835 am zahlreichsten vertreten: 
Gebrüder Haidinger („k. k. privil. Porzellanfabrik in Elbogen, Böhmen“) zeigten „2Zuk- 
kerdosen, 8Zuckerpateren“ (Bericht 1835, S. 250), Ludwig & Carl Hardtmuth („k. k. Pri- 
vilegirte Steingut=, Majolika= und Fayence = Geschirrfabrik in Wien“) Geschirr mit Gold 
rand, darunter eine Zuckerdose (Bericht 1835, S. 252), Stanislaus Graf v. Mnischek 
(„Jnhaber der k. k. privil. Steingut= und Wedgwoodfabrik“ in Frain, Mähren) eine „Zuk- 
kerdose, braun, mit Goldrand... 2Zuckerdosen, braun und blau gedruckt“ (Bericht 
1835, S. 265), Schiller und Gerbing (Besitzer einer Hydrolith=Waarenfabrik in Boden 
bach, Böhmen) „eine Theekanne sammt Milchtöpfen und Zuckerdose“ (Bericht 1835, 
S. 275), die „K. K. ärarische Porzellan = Manufaktur“ in Wien „1 Zuckervase mit Fruchtge 
mälde ... 1 Zuckerdose mit Goldstreifen“ (Bericht 1835, S. 280) und Friedrich Wolff und 
Comp, („privil. Steingutfabrik zu Glinsko, Galizien“) „3Zuckerdosen, verschieden ge 
färbt und mit Blattguirlande" (Bericht 1835, S. 282). 
Mit Zuckervasen, Zuckerdosen, Zuckerstreuern und Zuckerzangen auf der Ausstellung 
1835 vertreten (Bericht 1835, S. 184), scheint Jakob Weiß („k. k. privil. Gold = , Silber= 
und Bronzewaaren=Fabrikant“ in Wien) ein Spezialist für diese Objekte gewesen zu 
sein. 
Im Bericht über die „zweite allgemeine österreichische Gewerbs=Producten=Ausstel- 
lung“ im Jahre 1839 werden folgende Zuckerdosen aus Glas, Keramik und Metall er- 
255
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.