läßt allerdings auf eine andere Verwendung (vermutlich für Schokolade) schließen
(Abb. 1, S. 8; Abb. 47, 48, S. 59).
Vom „Zuckerwasser als Getränk gehobener Gesellschaftskreise“ informiert uns
Univ.-Prof. Hubert Olbrich, Direktor des Zucker-Museums Berlin, wie folgt:
Zuckerwasser hat zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert den Rang eines besonderen Ge
tränks eingenommen. Allein die Tatsache, daß Zucker so teuer war, daß ihn sich nur begü
terte Kreise leisten konnten, enthebt seinen Konsum in der Form eines Getränkes dem profa
nen Alltag.
In Zusammenhang mit der Verwendung als Arzneimittel (Norbert Olbrich 1983, S. 38, 42, 48,
97, 112), gibt es nur wenige Quellen, die darüber berichten.
Ein Kupferstich von Andreas Matthäus Wotffgang (1660-1736) stellt einen Ausrufer für Zuk-
kerwasser in Algier um 1690 dar und hat persönliche Erlebnisse des Künstlers zum Hinter
grund. Diese Darstellung (Baxa-Bruhns 1967, S. 295) hat der Künstler nach mehrjähriger
Sklaverei in Algier nach der Rückkehr in die Heimat angefertigt und hierbei als Vorlage eine
Darstellung benutzt, die er selbst während der Sklaverei in Algier gezeichnet hatte.
Zuckerwasser wurde durch Ausrufer für die Bevölkerung feilgehalten, d.h. es scheint für je
dermann auf offener Straße als Alltagsangebot zum Lebensstand einer maurischen Stadt zu
gehören. Es war noch lange Zeit für die Menschen in Mitteleuropa ein Angebot des gehobe
nen Alltagskonsums. Von Napoleon /. wissen wir, daß aromatisiertes Zuckerwasser zu seinen
Lieblingsgetränken gehörte und er noch auf dem Sterbebett an dieser Liebhaberei festhielt.
Zuckerwasser mit dem Geschmack von Orangenblüten zog Napoleon I. jedem anderen Ge
tränk vor. Und dabei ist es bis in die letzten Stunden seines Lebens geblieben (Hubert Olb
rich 1987, S. 150-151).
Es gehört deshalb zu den Raritäten, wenn in einschlägigen Auktionshäusern „Zuckerwasser-
Garnituren“ angeboten werden. Es handelt sich hierbei um komplette Sets mit Kristallglas-
Karaffe und Trinkglas, silberner Zuckerdose, dem zugehörigen Löffel und einem speziellen
Tablett mit den jeweiligen Vertiefungen für den Einsatz der dazugehörigen Gefäße. Die kost
bare Ausführung solcher Garnituren entspricht der graduellen Zuordnung im Konsumstatus
der Zeit. Bis in die dreißiger Jahre des 19. Jahrhunderts gab es spezielle Zuckerwasser-Gar
nituren, die den hohen Lebensstandard widerspiegeln, der luxusorientierten Kreisen ein zeit
genössisches Bedürfnis gewesen ist.
Im reichhaltigen Privilegienarchiv der Technischen Universität in Wien hat sich ein Doku
ment erhalten, das wohl als Rarissimum anzusehen ist: das Rezept eines besonderen
Zuckerwassers vom Wiener Zuckerbäcker G(e)stättenbauer (Technische Universität
Wien, Priv. Reg. Nr. 339, 1829 protokolliert unter Prot. N ro 589):
Abschrift des von mir erzeugten
Produktes
Welches durch hier folgende Bestandtheille, aus Zucker und Leomony besteht. Der Leomony
wird auf den Zucker abgerieben, dan nimt man so vielI von dem Saft dazu: Z. B: daß dan die
Maßa so fest ist, daß man Zel/teln daraus schneiden kann, und läßt es dan troken werden den
andern Tag nimt man einen andern Zuker, und lößt in mit Waßer auf, und siedet man ihm zum
schwachen faden, dan wird dießer heißer Zucker, über die Zellteln gegoßen, durch das, be-
kömt es den andern Tag das Crista/Iisirte, her nach kann man das Zellteln zerbrechen so lö-
ßet es sich in gleichen verhältnißen so auf wie das gewöndliche Zuker Waßer und verschaff
zu gleich ein angenehm erfrischendes getränke. So ist es auch mit den Bommeranzen wel
ches auf die nehmliche Weiße verfertigt wird, nur das man auch etwas Leomony Saft dazu
giebt um das es ein wenig Seürer hat, so wie die zwey beiliegenden Muster sind. Hier füge
Jch noch Einige dazu an Z: B: Vanilly da nimt man fein gestoßnen Zuker etwas Vanil/y dazu
macht es dan mit Waßer auch so fest an, daß man Zellteln schneiden kann. Marraßkino ist es
nehmliche da nimt man wieder den Zucker und macht ihn mit Marraßkino an und läßt in dan
troknen. Weinscharl ist wieder das nehmliche nur daß der Zuker mit Weinscharll Saft ange
macht wird dießes Gegränk geht außerortenlich vor den Turst wie auch zur gesundheit dient.
Erdbeer, Himber, Pfirsig, Bimach, Marillen, Rochen, Weichsel, Annanas, f/eur derang, Schme-
kerte, Weindrauben,
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