unschwer folgern, nämlich das Streben nach besserer Absatzmöglichkeit der eigenen
Produkte durch Verwendung einer fabriksfremden, wenn auch bekannteren Marke.
Auch Paul Abel geht auf Freizeichen und Herkunftsangaben ein (Abel 1908, S. 60):
Der allgemeine Gebrauch muß zum Zwecke der Bezeichnung von Warengattungen geschehen,
darf sohin nicht dem Zwecke der Herkunftsangabe dienen, mag nun dieser letztere Zweck ein offen
einbekannter oder verschleierter sein. Daraus ergibt sich, daß eine Freizeichenbildung insolange
nicht eintreten kann, als die Konkurrenten das Zeichen eines bestimmten Unternehmers
mißbräuchlich nachahmen, unter dem Vorwände, daß Freizeichenbildung eingetreten sei, in
Wahrheit aber nur, um ihrer Ware den Anschein der Herkunft aus dem fremden Unternehmen zu
geben. Ebenso muß die Entwicklung zum Freizeichen insolange verneint werden, als sich die
Konsumenten oder der überwiegende Teil derselben des Zeichens noch als Herkunfts- und nicht
als Gattungsangabe bedienen.
Erschwerend ist noch zu werten, daß bei der meist vorliegenden Massenproduktion
von gefälschtem Wiener Porzellan (vor allem bei Servicen, aber auch Einzeltellern und
-tassen) die Qualität meist so schlecht war, daß sich das Zentralblatt (1894-1895) zu
folgender Äußerung veranlaßt sah:
Bei dieser Gelegenheit wird wieder darauf hingewiesen, dass Dresden und Paris alljährlich grosse
Mengen decorierter Porzellanwaaren, mit Bienenkorb, dem Zeichen der ehemaligen k.k. Porzellanfabrik
Wien, vesehen, in alle Welt und auch auf den Wiener Markt zu unglaublich niederen Preisen
werfen, wobei jedoch bemerkt wird, dass die diesen Preisen entsprechende Ausstattung der
Waaren geeignet ist, das gute Renommee und die materiellen Erfolge der Wiener Porzellandecoration
unheilbar zu schädigen.
Einen guten Überblick über jene Firmen, die Ende des 19. Jahrhunderts Malereien im
„Alt- und Neu-Wiener Genre“, in „Wiener Manier“, im „Wiener Styl“, im „Genre Vieux
Vienne“ ausführten, gibt das Adreßbuch des Jahres 1894 (nähere Angaben zu den meisten
dieser Firmen sind in meinem „Porzellanmaler-Lexikon 1840-1914“, Braunschweig
1977, enthalten):
Carl Ernst Anton, Porzellanmalerei in Herend, gegr. 1880 (Adreßbuch 1894, S. 4). - Eduard Baerschneider,
Porzellanmalerei in Dresden, gegr. 1880 (Adreßbuch 1894, S. 6). - A. Ballcke- Balque,
Porzellanmalerei in Dresden, gegr. 1880 (Adreßbuch 1894, S. 6). - B. Grossbaum & Söhne, Porzellanmalerei
in Dresden (Adreßbuch 1894, S. 69). - Josef Günter, Porzellanmalerei in Dresden-A.
(Adreßbuch 1894, S. 70). - Adolf Hamann, Porzellanmalerei, Kunst- und Antiquitätenhandlung in
Dresden-A., gegr. 1866 (Adreßbuch 1894, S. 73). - Richard Klemm, Porzellanmalerei u.- Handlung
in Dresden (Adreßbuch 1894, S. 94). - H. A. Kruse, Porzellanmalerei u. -Druckerei in Emden, gegr.
1883 (Adreßbuch 1894, S. 100). - Carl Müller & Co., Porzellanmanufaktur und kunstgewerbliche
Anstalt in Selb- Bahnhof, gegr. 1889 (Adreßbuch 1894, S. 113). - Julius Pfohl, Porzellanmalerei in
Meissen (Adreßbuch 1894, S. 123). - Robert Pilz, Porzellanmalerei in Wien VII., Zollergasse 6,
gegr. 1872 (Adreßbuch 1894, S. 124). - Friedrich Plass, Porzellanmalerei in Wien V/2, Giessaufgasse
21 (Adreßbuch 1894, S. 125). - Robert Riedl, Porzellanmalerei in Ottensheim, Ober-Oesterreich,
gegr. 1890 (Adreßbuch 1894, S. 131). - Franz Xaver Ripl, Porzellanmalerei in Wien VI., Liniengasse
35, gegr. 1873 (Adreßbuch 1894, S. 132). - Strobel & Petschke, Porzellanmalerei und
-Handlung in Dresden-A., gegr. 1869 (Adreßbuch 1894, S. 161). - Franz Till, Porzellanmalerei in
Dresden-A., gegr. 1866 (Adreßbuch 1894, S. 164). - Adolf Wache, Porzellanmalerei in Dresden-A.,
gegr. 1880 (Adreßbuch 1894, S. 171). - Helena Wolfsohn Nachf., Leopold Elb, Porzellanmalerei in
Dresden-A., gegr. 1843 (Adreßbuch 1894, S. 183). - Jos. Zasche, Porzellanmalerei in Wien /.,
Kärnthnerring 15, gegr. 1884 (Adreßbuch 1894, S. 185).
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