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Full text: Wiener Porzellan vom Spätbarock zum Art Déco

stungskraft wieder auf besonderer Höhe (Österreichische Kunst, 6. Jg., Juli-August 1935, 
Heft 7/8, S. 14, Abbildungen der Einzelteile der Prinz-Eugen-Statue sowie „neue Craquelee Va 
sen“). 
Abbildungen von Augarten-Porzellan: Prinz Eugen von Karin Jarl Sakellarios sowie 
Craquele-Vase und -dose (Moderne Welt, Jg. XVI, 1935, Januar, Heft 4, S. 31, 33). 
Dr. Else Hofmann: Die neuen Arbeiten der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten A.G. 
Zu den Kunstproduktionsstätten Österreichs, die die Lebensfrische und den Aufschwung des 
neuen Österreich aufs deutlichste zeigen, ja geradezu mitverbürgen, gehört die Wiener Porzellan 
manufaktur Augarten . . . Die edle, alte Tradition, die in zahllosen köstlichen Modellen und Origi 
nalformen der Manufaktur weiterlebt, und die ewig junge Schöpferkraft des österreichischen Vol 
kes und seiner künstlerischen Führer spricht lebensvoll aus der Produktion der allerletzten Zeit, 
die die Porzellanmanufaktur Augarten unter neuer sachkundiger und feinfühliger Führung an der 
Arbeit zeigt, alterprobte Gebiete auszubauen, neues wertvolles Feld zu erobern. 
Die Figuralplastik, stets ein Gebiet besonderer Leistungen der Wiener Manufaktur, ist in der 
neuesten Produktion durch die prachtvolle, kühn und monumental auf gebaute Gruppe „Kämp 
fende Hengste“ des Bildhauers Robert Ullmann vertreten, die neben der Reiterstatuette des Prin 
zen Eugen von Karin Jarl-Sakellarios zu den bedeutendsten Leistungen neuerer Porzellankunst 
überhaupt zu zählen ist. Auch das großzügig dekorative und zugleich naturnahe „Barockpferd“ 
der Künstlerin gehört dazu. 
Die lebensvolle Porträtfigur des Fürsten Ernst Rüdiger Starhemberg und die zwei prächtigen 
„Jagdfiguren“ von Bildhauer Opitz zeigen ebenso den Schwung und die Kraft dieser neuen Figu 
ralplastik, die im Sinne moderner Porzellangestaltung auf großformatige Wirkungen abzielt. 
Die drei subtilen „Kinderköpfchen“ der zart empfindenden Irma Rothstein, die pikante „Büste 
einer Florentinerin“ von Walter Essenther, die zierliche Volkstrachtfigur „Österreicherin" von M. 
Jaksch, die an die liebenswürdigen Alt-Wiener „Straßenfigürchen“ in moderner Auffassung glück 
lich anknüpft - sie alle beweisen, wie auch Richard Teschners „Madonna“ und die lustig anmuti 
gen „Stoppelköpfe“ von Prof. Richard Teschner und Ena Rottenberg, daß die Grazie des Wiener 
Porzellans, sein altberühmter Charme, auch heute weiterleben. 
An neuen Gefäßformen und Servicen fehlt es der Augarten-Manufaktur ebensowenig wie an 
neuen technischen und handwerklichen Methoden vollendeter Gestaltung . . . 
Mit besonderer Würdigung muß der außerordentlichen neuen Craquelees in chinesischer Art ge 
dacht werden, jener in erlesenen, grauen, oft muschelrosa getönten oder champagnerfarbenen 
Tönen gehaltenen edlen Geräte, wie Lampenfüße, Vasen, Fruchtschalen, Aschenbecher, die in 
Form, Farbe, Technik und Glasur gleich vollendet sind und schon mehrfach von Museen ange 
kauft wurden. Auch prachtvolle Kobaltgefäße wurden neu geschaffen. 
Wundervolle farbige Unterglasurmalerei ziert viele Gefäße, Prunkteller in Unterglasur zeigen die 
schönsten Motive. Hier muß an erster Stelle der Leistungen der hochbegabten Künstlerin Ena 
Rottenberg gedacht werden. Durch ihre zahlreichen wertvollen Arbeiten für Augarten ist Ena Rot 
tenberg, der die Wiener Manufaktur bereits viele schöne Erfolge verdankt (wir erinnern an die 
vorbildlichen, rasch populär gewordenen Tee- und Mokkaservice u.a.), in die erste Reihe kunst 
handwerklich schaffender Kräfte in Österreich getreten. Den vielen Leistungen der Porzellanma 
nufaktur ist der Erfolg nicht versagt geblieben. Amerika schätzt figurale Arbeiten und Service 
vom Augarten als köstlichen Tafelschmuck. Persien, Ägypten, Südafrika, Frankreich, Belgien, 
Spanien und viele andere beziehen heute Augarten-Porzellan mit besonderer Sympathie. 
Auch der moderne Film des In- und Auslandes bevorzugt zur prunkvollen Ausstattung seiner Ate 
liers die hochwertigen Erzeugnisse der Wiener Manufaktur. Und Wien . .. ? Österreich . .. ? 
Wie so oft, weiß die Heimat vielleicht auch hierin noch nicht ganz die eigenen Schätze zu würdi 
gen. 
Die Ausstellungen der Porzellanmanufaktur auf dem Kohlmarkt und dem Kärntner Ring, Sehens 
würdigkeiten im Herzen der Stadt Wien, zeigen alle diese großen und kleinen Kunstwerke. In hel 
lem Lichte schimmert das edle Material, das von zartfühlenden Künstlerhänden Form und Farbe 
erhielt... (Österreichische Kunst, 6. Jg., Okt. 1935, Heft 10, S. 15-18: Abbildungen: Decken 
strahler von Ena Rottenberg; Craquele-Objekte; Figuren und Gruppen von K. Jarl-Sakellarios, W. 
Essenther, Rob. Ullmann, Opitz, Irma Rothstein; Speiseservice im Du-Paquier-Stil; Craquelee- 
Schale; Alt-Wiener Porzellan-Service; Auslage des Verkaufsladens auf dem Kohlmarkt; Hundepla 
stik). 
1936 
Robert Ullmann, „Kämpfende Hengste“ (Abbildung in: Moderne Welt, XVII. Jg., Feb. 
1936, Heft 5, S. 38). 
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