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Full text: Wiener Porzellan vom Spätbarock zum Art Déco

DIE MARKEN DER WIENER PORZELLANMANUFAKTUR AUGARTEN 
Von allen Marken der Wiener Porzellanmanufaktur Augarten ist uns jene mit dem be 
krönten Bindenschild und der Bezeichnung Wien (Abb. 278, S. 145) am geläufigsten. 
Sie wurde vermutlich ab Beginn der 1923 in Schloß Augarten neu erstandenen Wiener 
Porzellanmanufaktur verwendet, wenn auch ihre Registrierung erst 1934 erfolgte. 
Die Kennzeichen auf Augarten-Porzellan wurden in verschiedener Weise angebracht; 
für die Manufakturmarken waren jene in Blau unter der Glasur (Abb. 294-299, S. 148- 
149; Abb. 301-308, S. 149; Abb. 311-320, S. 152, 153; Abb. 324, 325, S. 156; Abb. 330- 
337, S. 157) neben den farblos eingestempelten (Abb. 300, S. 149) üblich. In Untergla 
surblau konnten - wenn auch relativ selten - Malerkennzeichen (Initialen oder Num 
mern) bei Anwendung von Dekoren unter der Glasur angebracht werden (Abb. 299, 
S. 149). Farbige Kennzeichen auf der Glasur können Manufakturmarken, Form-, De 
kor- und Mitarbeiternummern, Größenangaben, Motivbezeichnungen, selten Künstler 
namen oder - Signaturen sein. Alle diese Kennzeichen sind zur näheren zeitlichen Be 
stimmung eines Porzellans wichtig, besonders deshalb, weil Augarten-Porzellane bis 
auf wenige Ausnahmen (Abb. 296, 299, 314, S. 148, 149, 152) keine wie immer gearte 
ten Datierungen tragen. 
Auf dekorierten Objekten finden wir häufig Marken, die ich als Dekormarken bezeich 
nen möchte: das rote, schmale, achteckige Abziehbild (Abb. 294, 295, 297, 298, 301- 
304, 308, S. 148, 149; Abb. 318, 320, S. 153) mit der Inschrift „Augarten Austria“ (vor 
1938 zu datieren), kurzzeitig ersetzt durch MADE IN GERMANY (Abb. 325, S. 156), 
später abgelöst durch AUGARTEN WIEN AUSTRIA (Abb. 315, 316, 319, S. 152, 153; 
Abb. 324, S. 156) und seit neuestem (1989) durch „Augarten Vienna“ (Abb. 317, S. 152). 
Künstlernamen von Entwerfern (Abb. 294, S. 148: „ENTWURF HAGEL “; Abb. 295, 
S. 148: „Entwurf F. v. Zülow“; Abb. 311, S. 152: „I. DINDA“; Abb. 312, S. 152: „Berze- 
viczy“; Abb. 313, S. 152: „Jesser“, Abb. 314, S. 152: „HEINRICH BAUER“; Abb. 320, 
S. 153: „ENTWURF PROF. JOS. HOFFMANN“) sind fallweise vorhanden. Es kann Vor 
kommen, daß Entwerfer und Maler ein und dieselbe Person sind und sich dies in der 
Kennzeichnung ausdrückt, wie im Fall des Malereileiters Edwin Breideneichen, der die 
Malernummer 1 führte (Abb. 336, S. 157). Historische Anlässe (Abb. 296, S. 148) wer 
den manchmal auf der Unterseite von Porzellanen ebenso vermerkt wie Blumenmotive 
(Abb. 324, S. 156), Tierkreiszeichen (Abb. 305, S. 149), Veduten (Abb. 306-308, S. 149). 
Musterschutzangaben (Abb. 320, S. 153: „GES. GESCH.“) sind sehr selten. Weißware, 
mit einem Schleifstrich durch die Marke gekennzeichnet (Abb. 330, S. 157), wurde 
manchmal mit dem Zusatz „DEKORIEREN VERBOTEN“ (Abb. 331, S. 157) versehen; 
Monogramme anderer Firmen, wie jener von J. & L. Lobmeyr, Wien (Abb. 332, 333, 
S. 157) scheinen auf eine Kooperation hinzuweisen. Eine Reihe von Marken, die aus 
einer Kombination des Bindenschildes mit dem Wort Augarten bestehen, scheint für 
das sogenannte „Hotelporzellan“ bestimmt gewesen zu sein (Abb. 326-329, S. 157); 
bei den mir vorliegenden Stücken handelt es sich vorwiegend um dickwandiges und 
daher sehr widerstandsfähiges Porzellan. 
Dekoriertes Augarten-Porzellan trägt in der Regel die durch einen Schrägstrich ge 
trennten oder untereinander stehenden Form- und Dekornummern (Abb. 294, 295, 
S. 148; Abb. 301-307, S. 149; Abb. 311, 315, S. 152; Abb. 319, 320, S. 153; Abb. 324, 
325, S. 156; Abb. 334-337, S. 157). Zwischen ihnen sind manchmal, wenn dieselbe 
Form in verschiedenen Größen hergestellt wurde, arabische oder römischen Ziffern zu 
finden (Abb. 305, S. 149; Abb. 315, S. 152; Abb. 325, S. 156), die die jeweilige Größe 
angeben. Eher ungewöhnlich ist ein F (= Form) bzw. ein D (= Dekor) vor der jeweiligen 
Zahl (Abb. 311, S. 152; Abb. 335, S. 157). Die Dekornummern Augartens beginnen mit 
der Zahl 5000, während das System der Formnummern etwas komplizierter ist. 
Eine meist etwas isoliert stehende weitere Zahl ist die betreffende Malernummer, 
durch die der Entstehungszeitraum eines Porzellangegenstand etwas näher einge 
grenzt, wenn auch nicht exakt bestimmt werden kann. Die zeitgenössischen figuraien 
Modelle wurden mit vertieften, farblosen Zahlen bezeichnet (ab Modellnummer 1500), 
selten finden sich einzelne gestempelte Ziffern, die sich auf den jeweiligen Modelleur 
oder Figurenretoucheur beziehen könnten, bzw. ein gestempeltes „MADE IN 
AUSTRIA“. 
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