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Full text: Wiener Porzellan vom Spätbarock zum Art Déco

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„Deutsche Kunst und Dekoration“, „Dekorative Kunst“, um nur die wichtigsten zu nen 
nen) geben uns einen guten Überblick über das damals schon - wenige Jahre nach 
der Gründung - außerordentlich umfangreiche Produktionsprogramm. 
Neben den Rückgriffen auf traditionelle Formen und Dekore, auf die hier nicht näher 
eingegangen werden soll, werden Service und Gefäße mit verschiedenen Dekoren so 
wie vor allem das reichhaltige figurale Schaffen in den genannten Quellen angeführt. 
In der Nummerngebung sind traditionelle (ab Nr. 100) und moderne Gefäßformen (ab 
Nr. 500) zu unterscheiden; auch im Figuralen sind alte Modelle (ab Nr. 1000) von mo 
dernen Entwürfen (ab Nr. 1500) leicht zu trennen. Die Durchnumerierung der ab Num 
mer 5000 geführten Dekore allerdings differenziert nicht zwischen alten und modernen 
Motiven. Und auch bei Servicen (ab Nr. 1) und Tischlampen mit Schirm (1500er und 
3000er Nummern) dürfte Alt und Modern nicht gesondert geführt worden sein. 
Von den Entwerfern moderner Service seien folgende besonders hervorgehoben: Mi 
chael Powolny (Service Nr. 2 und Nr. 68), Otto Prutscher (Service Nr. 5 und 6), Josef 
Hoffmann (das „Melonenservice“ Nr. 15; die Service Nr. 18, 19 und Nr. 71, das „Schup 
penservice“), Ena Rottenberg (die wegen der Gestaltung ihrer Deckelknäufe auch als 
„Chinesenservice“ bezeichneten Kaffee-, Tee- und Mokkaservice Nr. 20; Kaffee-, Tee-, 
Mokka- und Speiseservice Nr. 21). Weitere moderne Service (ohne Entwerferangabe) 
waren das Speiseservice Nr. 23 und das sogenannte „Basteiservice“ Nr. 69 (Mokka- 
und Teeservice). 
Viele dieser Service sind bis heute in Produktion (die Hoffmann-Service Nr. 15 und 71, 
das Powolny-Service Nr. 68, die Rottenberg-Service Nr. 20 und 21). 
Häufig sind Form- und Dekorentwürfe nicht von ein und demselben Künstler (z. B. die 
graphischen Dekore von Edwin Breideneichen für das Service Nr. 15 von Hoffmann), 
und auch traditionelle, an Porzellane des 18. Jahrhunderts angelehnte Serviceformen 
konnten moderne Motive tragen. 
Die farbige Dekoration von Objekten erfolgte durch Malerei (Farben: Unter- und Auf 
glasurfarben, Gold) oder Staffierung von Figuren. Neben der farblosen, transparenten 
Glasur auf weißem Scherben gab es noch die farbigen Fondporzellane („Neuseladon“, 
vereinzelt gelbe, grüne und andersfarbige monochrome Wandungen) und das Cra 
quele. 
Der Katalog „Der schöne Gegenstand-Vasen ■ Kummen • Dosen“ (vor 1938, wohl um 
1935) differenziert zwischen folgenden Craquele- und Neuseladonglasuren: 
A Einfaches Craquelee in Grau oder Braun 
B Einfaches Craquelee, in Grau oder Braun, mit Goldrand 
C Kobaltmaierei unter Craqueleeglasur mit Goldauflage (Dekorausführung siehe Preis 
blatt für dekoriertes Craquelee)). 
D Neuseladonglasur mit Goldrand 
E Neuseladonglasur mit Golddekor (Englische Blumen etc.) 
Ein anderer Katalog „Der schöne Gegenstand“ (nach 1938, weil Preisangaben in RM 
statt in öS): Dekorbeschreibung Craquele: 
A Einfaches Craquele 
B Einfaches Craquele mit Goldrand oder Neuseladon mit Goldrand 
C Craqueleglasur mit Kobalt-Unterglasurmalerei, mit oder ohne Goldauflage, oder 
Neuseladon mit achatgraviertem Golddekor 
Die Wirkung des in verschiedenen Grauabstufungen hervorgehobenen (seltener in 
Rosa oder farblos belassenen) Craquele kann - abhängig von der Farbe der Wandung 
- stark variieren: zum reinen Weiß stark kontrastierend, ist es auf farbigem Fond (blau, 
grünlich, gelblich, bräunlich) gemildert. 
Ein besonders schönes Beispiel für die Ausführung eines Dekores in Unterglasurblau, 
Aufglasurfarben und Gold stellt Hertha Buchers Dekor „Eichhörnchen und Bäume“ 
(Abb. 338, S. 158) dar, der auch für eine Vase und den Schirm für die als Lampenfuß 
gestaltete Form verwendet wurde. Im Geäst der blauen Bäume mit breiten Stämmen, 
schmäleren Ästen mit dünnlinig geschwungenen Zweigen und großen Blättern sitzen 
Vögel mit blauem und rotem Gefieder, im Schnabel runde goldene Früchte, und Eich- 
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