Fremden, die es wohl vorsahen, was mit der Zeit daraus entstehen konnte, eine billige Eifersucht,
von dem damals anwesenden chursächsischen Residenten wurden die aus Sachsen überkom
mene 2 Arbeiter dahin beredet, wiederum in ihr Vaterland zurückzukehren, welches ihme derge-
stalten gelungen, daß selbe bevor ihrer Entweichung die vorräthige Porzellain Massa mit Gips
vermengten, und sie dadurch völlig unbrauchbar machten.
Der Unternehmer geriethe durch dieses niedrige Benehmen in äußerste Verlegenheit, und mußte
auf einige Zeit mit der Fabrikation aufhören, bis endlich inländische Lehrlinge von dem wenig Er
lernten so viel Gebrauch machten, die Massa Erzeugung vornehmen zu können, und durch viel
fältige Versuche die Sache wiederum in den vorigen Gang einleiteten.
Bey Erweiterung der Fabrik wurde anno 1721 das erste Haus von den damaligen Fabriks'-Gebäu-
den erkauft und zur Fabrik mit Errichtung des Brennofens und übrigen Werkstätten umgeschaf
fen, das ganze Personale bestünde aus 20 Personen inclusive der Mahler. Jedermann, der da
weiß, wie viel eine neu zu errichten kommende Fabrik an Gebäuen, Utensilien, machende Versu
che und andere kostspielige Aufwände verursacht, konnte leicht voraussehen, daß diese Societät
mit ihren dem Werk gar nicht angemessenen Fond den Vorgesetzten Entzweck nicht erreichen
konnte. (Bericht 1787, fol. 1 r°, v°).
Die Wiener Porzellan Fabrik ist die älteste Tochter der sächsischen und verdankt ihr Daseyn dem
Unternehmungsgeist eines als Hofagent hier in Bedienstung gestandenen Niederländers Kiaudius
Du paquier.
Jm Jahre 1706 erfand der bekannte Baron Böttger zu Dresden eine Art von Porzellan aus brau
nem Thone, und bald darauf wurde von ihm auch das ächte, dem chinesischen an Güte und
Schönheit gleichkommende Porzellan verfertiget und die bekannte Manufaktur zu Meißen errich
tet.
Der Ruf dieses neuen Manufakts machte Aufsehen in Europa. Du paquier, der einsah, wie nützlich
die Erzeugung einer Waare, die ehevor mit großen Kosten aus einen andern Welttheile zu uns
kämm, dem Lande werden könnte, und der sich von der Anlegung einer dergleichen Fabrik in den
österreichischen Staaten viele Vortheile versprach, beschloß die Nachahmung zu versuchen.
Mit Hilfe einiger chemischen Kenntniß trachtete er die nöthigen Materialien im Lande auszufinden,
und nach dem er von ihren Daseyn versichert war, reiste er nach Sachsen, um wo möglich die
dortige Fabriks-Manipulation kennen zu lernen, und ihre Geheimniße sich eigen zu machen.
Jn Dresden gab er sich als Handelsmann an, und hatte Gelegenheit auf einem der dortigen Koffe-
häuser mit dem Werkmeister der Meißner Porzellan Fabrik StenzI (sic! recte: Stöitzel!) Bekannt
schaft zu machen. Du paquier verlohr an ihn im Billardspiel wovon Jener ein großer Liebhaber war,
gefließentlich, dadurch gewann er dessen Zuneigung und vertrauen, er machte ihm ansehnliche
Anerbiethungen und brachte ihn mit Verheißung von 1000 Th: Gehalt nebst eigener Equipage und
freyer Wohnung hieher. Hierauf nahm er noch drey Freunde in Compagnie, erhielt vom Kaiser
Karl den Sechsten untern 27 ,en May 1718 für sich und seine Gesellschaft ein Privilegium privati-
vum auf 25 Jahre und fieng dann seine Fabrikation in dem erkauften großen Breunerischen
Sommergebäude in der Vorstadt Rossau an, wo sich diese Manufaktur noch dermal befindet.
StenzI (sic! recte: Stöitzel), der Anfangs gute Dienste leistete, ward, weil man ihm nicht Wort hal
ten konnte, bald mißvergnügt und gieng im dritten Jahre wieder heimlich nach Sachsen zurück,
nachdem er zuvor alle vorräthig gewesenen Materialien verdorben und unbrauchbar gemacht
hatte.
Die Stücke welche von der ersten Erzeugung noch übrig sind beweisen, daß der Unternehmer
gleich anfangs ächtes Porzellan zu machen Wissenschaft hatte. Aber es war in der Feine und
Weiße weit unter dem sächsischen, und konnte an Schönheit der Formen und Malerey mit selber
gar nicht in Vergleich kommen. Während die sächsische Fabrik mit ansehnlichen Aufwand des
Hofes, und der Mitwirkung der in Wissenschaft und Kunstkenntnißen fähigen und geübten Män
nern ihr Fabrikat in kurzer Zeit auf einen hohen Grad von Perfektion brachte, fehlte es unsern Un
ternehmer an allen diesen Hilfsmitteln gänzlich; Er mußte sich begnügen nur die leichtesten und
geringsten Gattungen fremder Porzelläne so gut er konnte nachzuahmen, aber diese fanden sel
ten Absatz, weil der Gebrauch der geringen Sorten im Lande ganz unbekannt war, die Pracht-
waare hingegen in ungleich schöneren Ansehen und beßeren Eigenschaft von fremden Ländern
hereinkamen.
Die Herstellung der nöthigen Fabriks Gebäude, die Anschaffung und Ausfindung der Materialien,
und der Aufwand den er auf oft mißrathene Versuche und auf ein Personale machen mußte, das
er sich so zu sagen erst selbst bildete, erschöpften sein Vermögen, und setzten ihn in Schulden,
und so wurde er nach Verlauf von 25 Jahren unvermögend die Fabrik ferner fortzuführen, und
mußte sich glücklich schätzen, daß die Hochseel. Kaiserin Maria Theresia, die jede zum Wohl ihrer
Unterthanen, und Emporkommen des Nationalfleißes abzwekende Anstalt der schweren Kriege
ungeachtet ihrer Aufmerksamkeit würdigte, diese angehende Manufaktur nun selbst überneh
men, und dadurch von den unvermeidlichen Verfall schützen wollte. Die Fabrik wurde nunmehr
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