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Full text: Wiener Porzellan vom Spätbarock zum Art Déco

halt von 3762 Quadratklaftern, in welchem sich sieben Höfe befinden, die von den verschiedenen 
Werkstätten und Brennhäusern eingeschlossen sind. 
Die Anzahl der Starkbrennöfen liegender Gattung ist zwey und vierzig, wozu noch zwey runde 
Starkbrennöfen, und zwey große Verglühöfen, nebst acht Emailöfen, und einem aus mehreren 
Abtheilungen bestehenden Farbenlaboratorium gehören, ueberdieß zählt sie noch siebzig Schor- 
steine (sie!). 
Das Erdgeschoß gegen die Straße füllen auf die Vorderseite des Hauses die Drehereywerkstätten, 
und auf der Seite des Alserbaches die Arbeitsstuben für die Schlämmarbeiter. Ueber den ersten 
befinden sich die Ateliers für die Malerey und Bildhauerey. Jm Hintergebäude der Höfe sind die 
Werkstuben für die Massearbeiter und die gemeinen Töpferarbeiten. Jm ersten Stocke längst des 
Alsterbaches sind die großen, vom Hofrathe von Keßler zuerst angelegten, nun erneuerten Ver 
kaufsmagazine der Manufactur, an welche sich das Verkaufsmagazin der gegossenen Spiegel an 
schließet. 
Die Leitung der Fabriksgeschäfte nebst der sämmtlichen Verrechnung führen außer der Direc- 
tion, welche aus dem k. k. Herrn Hofrathe Matthäus Niedermayr, und dessen Adjuncten Herrn 
k. k. Rath Peter Joris besteht, noch fünfzehn Beamte, nähmlich der Arcanist, zugleich Malerey- 
vorsteher mit einem Adjuncten und einem Malereyscontristen; der Fabricationsverwalter mit 
einem Fabricationsbeamten und Adjuncten; ein Cassier mit einem Controlor und zwey Scontri- 
sten; ein Magazinsbuchhalter und drey Verschleißbeamte nebst einem Scontristen. Letztere be 
sorgen ausschließlich den Verkauf des Porzellans, und haben zur Handreichung und Versendung 
vier Magazinsdiener. 
Die Manufactur beschäftigt gegenwärtig bey fünfhundert Arbeits-Jndividuen, welche in vier ver 
schiedene Branchen abgetheilet sind, jede Branche des Personales hat ihre eigenen Vorsteher. 
Die Malerey 
steht unter dem als Künstler und Chemiker allgemein bekannten verdienstvollen Herrn Joseph 
Leithner. Jhm verdankt die Fabrik den Reichthum an schönen Farben in ihrer Palette, welche 
während seiner Dienstleistung sich sehr vermehrt und verbessert hat. Besonders gewann sie seit 
der Entdeckung des Chrommetalies an schönen und dauerhaften grünen Farben, welche ehe 
mals in der Emailmalerey nur unvollkommen durch Kupfer, so wie in der Oelmalerey nur durch 
Mischung von Blau und Grün erzeugt wurden. Dieses Metall, dessen Erze früher nur mit bedeu 
tenden Kosten aus Frankreich erhalten wurden, hat der für die Naturgeschichte des Vaterlandes 
rastlos forschende Eifer des durchlauchtigsten Erzherzogs Johann in den Gebirgen der Steyer- 
mark aufgefunden; Er hat die vaterländischen Künstler durch die bergmännische Gewinnung des 
selben mit einem Farbstoffe beglücket, der durch seine eigene Lebhaftigkeit, so wie durch die 
Leichtigkeit, mit welcher er sich mit allen anderen Farben vermengen läßt, viel zur Vollendung 
ihrer Kunstarbeiten beyträgt, und auch fürs Ausland gesucht und abgesetzt wird. 
Das Malerey=Personale welches hundert sechs Jndividuen zählt, theilt sich in vier Classen, jede 
unter einem Obermaler; diese sind 
l. die Classe der Historien= und Landschaftmaierey unter dem Obermaler Johann Weixlbaum. 
Die Leitung des höheren Kunstfaches in dieser Classe, so wie die Correctur der vollendeteren Ar 
beiten einiger Künstler aus derselben, führt der academische Rath und Professor Franz Caucig. 
Einige Maler dieser Classe haben durch den an der k.k. Academie der bildenden Künste erhalte 
nen Unterricht ihre Talente und Kunstfertigkeit so sehr ausgebildet, daß sie die Originale der be 
sten älteren und neueren Meister in den hiesigen Gemäldesammlungen mit einer in Absicht auf 
Zeichnung und Colorit bisher in der Email- und Porzellan z Malerey noch unbekannten Treue und 
Richtigkeit nachahmen. Die Namen derselben sind: Claudius Herr und Lorenz Herr im Historienfa 
che, und Jakob Schuhfried und Franz Sartory im Landschaftsfache. 
2. Die Classe der Blumenmalerey unter dem Obermaler Herrn Franz Hirschler. 
Jn dieser Classe zeichnet sich Joseph Nigg, sowohl durch eigne originelle Gemälde, als durch 
musterhafte Nachahmung der ciassischen Künstler seines Faches, eines Huysums, Ruysch ec. 
aus. Er besorgt auch den Unterricht der für dieses Fach bestimmten Eleven. Auch verdienen in 
dieser Classe noch Joseph Fischer, Anton Döring, Joseph Kloos, Andrä Bail und Jgnaz Wildmann 
genannt zu werden. 
3. Die Classe der Ornamentisten und Desseinmaler unter dem ausgezeichneten Obermaler Hrn. 
Friedrich Reinhold, welcher durch Erfindungsgabe und Geschmack in der Angabe und Ausfüh 
rung der allen höheren Kunstarbeiten der Manufactur so nöthigen Verzierungen sich vor allen 
übrigen auszeichnet. Auch verdienen die Desseinmaler Johann Teufel, Karl Herzer, Karl Hinter 
berger, Jgnaz Obenbiegler und Joseph Kürner, so wie der zierliche Schriftzeichner Franz Schnell 
insbesondere genannt zu werden. 
Zu dieser Classe gehört auch noch die Abtheilung der Goldpolierer unter ihrem geschickten Vor 
steher Michael Pollack. 
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