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Full text: Wiener Porzellan vom Spätbarock zum Art Déco

zet hat. Fleißige, durch mehr als zwanzig Jahre fortgesetzte Versuche und Erfahrungen haben die 
Manufactur bereits dahin geführet, daß sie derselben gänzlich entbehren könnte; noch hat aber 
immer die leichtere Wasserfracht in Berechnung des unverhältnißmäßig hohen Transportes auf 
der Achse oder stromaufwärts ihr die Kosten der Erstehung dieser Erde aus dem Passauischen 
erleichtert, besonders da die loyalen Ansichten der königlich baierischen Regierung den Zoll für 
die Ausfuhr dieses ihren Unterthanen gewinnbringenden Naturproductes bisher nicht bedeutend 
erhöhen ließen. 
Die Consumtion der zur Farbenerzeugung erforderlichen chemischen Producte, Materialien und 
Metalle, ist nicht sehr bedeutend, mit Ausnahme des Goldes, wovon jährlich beynahe ein Viertel 
Centner in seinem reinsten Zustande verwendet wird. 
Der Absatz 
der erzeugten Waare ist beträchtlich, und betrug in den Jahren 1816 und 1817 über eine Million im 
Papiergelde; zwar hat er im vorigen Jahr diese Summe nicht erreichet, da die Preise des Porzella- 
nes im Verhältniß der veränderten Zeitumstände zweymai bedeutend vermindert worden sind. Es 
mußte daher eine größere Anzahl Geschirres abgesetzt werden, um der vorigen Summe des Ver 
schleißes nur nahe zu kommen. 
Der größte Theil des Absatzes geschieht in Tafelgeschirren, wovon die Fabrik in manchen Jahren 
schon sieben bis achthundert complette Tafelservice, jeden für zwölf bis sechzig Personen, ver 
kaufet hat, von denen der größte Theil blau ordinär, vielleicht ein Viertel leicht verziert, über fünf 
zig aber reich vergoldet, und bemalt waren. Die Zahl der Ordinäresten blau geränderten Teller hat 
nicht selten jährlich über 50 ja schon einmal über 60,000 Stück, und die blauen Schüsseln über 
6000 Stück betragen. 
Verhältnismäßig wird eine weit größere Anzahl von Frühstückservicen aller Gattung verkaufet, 
welche von der gemeinsten blauen Bemalung und den einfachsten Tassen bis zu den elegante 
sten Formen und der reichsten Vergoldung und Malerey hinaufsteigen. Die feinsten Tassen sind 
beym Publicum nur einzeln beliebt, um den Thee- und Kaffehtisch mit größerer Mannigfaltigkeit 
auszustatten. 
Den sämmtlichen Verschleiß besorgen vier Beamte, mit eben so vielen Magazinsdienern, welches 
ihnen um so leichter ist, da jedes im Magazin aufgestellte Stück auf seiner Unterseite mittelst 
Wasserfarbe mit seinem Verkaufspreise bezeichnet ist. 
Alle von der Fabrik verfertigten Waaren sind mit dem Fabrikszeichen, dem erzherzoglichen öster 
reichischen Wappenschilde in blauer Farbe versehen. 
Weißes Porzellan ist aus verschiedenen, den Fabriks-Vortheit beeinträchtigenden Ursachen zu 
verkaufen nicht erlaubt. 
Die Manufactur hält in der Stadt und in den Provinzen kein Lager für eigne Rechnung, sondern 
überträgt die Führung ihrer Niederlagen angesehenen Handelshäusern, welchen sie die bestellten 
Producte um den gewöhnlichen Verkaufspreis zusendet, und ihnen die Bezahlung in bestimmten 
Terminen auf Wechsel gestatte (Säcularfeier 1818, S. 17-28). 
1819 
Benjamin von Scholz: Aufsatz „Über Porzellan und Porzellanerden, vorzüglich in den 
österreichischen Staaten“ (in: Jahrbücher des k. k. polytechnischen Institutes in 
Wien): 
Gegenwärtiger Zustand der Wiener Porzellanmanufaktur. 
Die Gebäude derselben schliessen in sieben Höfen einen Flächenraum von 3762 Quadratklaftern 
ein. Sie zählet gegenwärtig zwei und vierzig liegende und zwei runde Starkbrennöfen, zwei 
grosse Verglühöfen, und acht Emailöfen. Sie beschäftigt ausser den Beamten in ihren vier Abthei 
lungen bei fünf hundert Arbeitsindividuen. Diese vier Abtheilungen sind: die Fabrikation, wozu 
das Schlemmen, Massamachen, Kapseldrehen, Glasuren, Holzzubereiten, und das Brennen ge 
höret; die Weissdreherei, die Bildnerei, und die Mahlerei, welche in die Unterabtheilungen der 
Blaumahler, der Ornamentisten oder Desseinmahler, der Blumenmahler, dann der Historien- und 
Landschaftsmahler zerfällt. 
Dieses Arbeitspersonale verbraucht täglich 1550 Pfund Porzellanmasse, 19000 Pfund Kapsel 
masse. Die Fabrik verbrennt jährlich 5 bis 6000 Klaftern weiches, grösstentheils aus Flossbäumen 
geschnittenes 2'fc Schuh langes Holz, 7 bis 800 Stübich Kohlen. In den Jahren 1816 u. 1817 ver 
kaufte die Fabrik, obschon sie weder in der Stadt Wien noch in den Provinzen Lager auf eigene 
Rechnung hält, um mehr als eine Million von ihren Produkten, die grösstentheils in Tafel- und Kaf- 
fehgeschirren bestehen. Von ersteren hat die Fabrik schon in manchen Jahren acht hundert voll 
ständige Service für zwölf bis sechzig Personen verkauft, von denen der grösste Theil blau ordi 
när, vielleicht der vierte Theil leicht verzieret, über fünfzig aber reich vergöldet und bemahlt wa- 
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