Skip to main content Jump to sidebar
MAK

Full text : Wiener Silber 1780 - 1866 : Tabaksdosen

ÖSTERREICHISCHE  ERFINDUNGEN  UND  PRIVILEGIEN

In  diesem  Kapitel  werden  österreichische  Erfindungen  und  Privilegien  abgehandelt,  die
primär  mit  den  Form-  oder  Dekortechniken  des  vorliegenden  Katalogbandes  in  Zusammenhang ­
  stehen:  Guillochieren,  Emaillieren,  Nieliieren.  Andere  Techniken  werden  nur
dann  gestreift,  wenn  sie  mit  den  vorgenannten  in  unmittelbarer  Verbindung  stehen  oder
als  deren  Imitation  verwendet  wurden  (z.  B.  Fallwerk,  Schraubenpresse  und  Walzwerk
von  Montoison-Ramel  zur  Herstellung  von  Uhrgehäusen).
In  den  beiden  Folgebänden  des  Kataloges  wird  auf  die  dazugehörigen  Techniken  im  Detail ­
  eingegangen  werden.

GUILLOCHIEREN
Dieses  Verfahren  dürfte  bereits  um  die  Mitte  18.  Jahrhunderts  in  Frankreich  bekannt  gewesen ­
  sein  (Corbeiller  1966,  S.  46);  eine  beliebte  Dekortechnik  war  noch  im  18.  Jahrhundert ­
  das  Überziehen  des  guillochierten  Grundes  mit  transluzidem,  farbigem  Email.
Die  Technik  des  Guillochierens  konnte  auf  verschiedene  Materialien  angewendet  werden, ­
  da  sie  zum  Dekorieren  aller  weichen  Metalle  und  anderer  Materialien  (Elfenbein,
Holz,  Buchsbaum  etc.)  geeignet  war.  Für  den  Stoffdruck  (besonders  erwähnt  wird  oft
der  Kattundruck)  verwendete  man  guillochierte  Walzen.  Die  Guillochierung  konnte  direkt ­
  auf  das  Objekt  oder  indirekt  (mittels  guillochierter  Platten  oder  der  bereits  erwähnten ­
  Walzen)  ausgeführt  werden.
Im  folgenden  beschränke  ich  mich  auf  die  Darstellung  des  Guillochierens  von  Metall,  im
besonderen  die  in  Österreich  angewendeten  Verfahren  und  geschützten  Privilegien  berücksichtigend. ­

ANTON  OBERHÄUSER:  GUILLOCHIERMASCHINE  (1803)
Auf  Anton  Oberhäuser  und  seine  Privilegien  für  eine  „Krümm-“  sowie  eine  „Guillochirmaschine“
  wurde  bereits  kurz  eingegangen.
Oberhäuser,  „k.  k.  privilegirter  Fabrikant  der  piattirten  Schnallen  und  bürgt:  Galanterie
Arbeiter“,  suchte  im  Jahre  1803  um  Privilegien  für  zwei  Maschinen  an:
Umständliche  Beschreibung
Uiber  die  von  Gefertigten  erfundene  Plattirungs-Art,  und  deren
zum  piattirten  Schnallen  dienlichen  zwoen  Maschinen
Die  Plattirungs  Art  betreffend  weicher  keine  in  k.  k.  Erbstaaten  befindliche  Fabrikaten  ähnlich
sind  ist  folgende,  als
Die  Schnallen  werden  mit  hiezu  eigends  verfertigten  flüssiger  Masse  eingetauchet,  und  in  die
aus  3.  Specien  zusamgesetzte  geschmolzene  Löttung  getunket  -  worauf  sich  die  Schnallen
ansieden;  das  daraufzu  p/attiren  körnende  Silber  wird  mit  einer  fein  geläuterten  Zinmasse  gefüttert ­
  -  wie  beiliegendes  Muster  erweiset  -  aufgebunden,  in  einen  hiezu  bereiteten  Ofen  gelb ­
  ttet,  abgesotten,  in  einer  Lauge  geschauert,  und  rein  poliert;  dann  kann  man  darauf  verschneiden, ­
  und  die  Schnallen  sowohl  von  freyer  Hand  mittelst  denen  Glanzpunzen  ausarbeiten, ­
  oder  mit  denen  hier  beiliegenden  Pressen  verfertigen;  in  beyden  Fällen  hält  es  die  Probe,
und  stehet  oder  löset  sich  nicht  auf.
Die  zwo  erfundene  Maschinen  belangen;  und  zwar  erstens:
A.  auf  der  Guillochir  Maschine  kann  man  durch  An-  und  Abschrauffen  der  zerschiedenen
Dessein  Räder  alle  Moussirung  und  Deseine  auf  die  Schnallen  bringen,  ohne  Press  und
Schlagwerker  zu  brauchen,  als  wozu  man  zu  jeder  Größe  und  Desein  eine  besondere  Stanzen ­
  benöthiget,  wofür  das  Graviren  auf  30-40-50-  auch  70  ft  zu  stehen  körnet.  Die  Manipula-167


            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.