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Volltext: Wiener Silber 1780 - 1866 : Tabaksdosen

EMAILLIEREN, NIELLIEREN, ÄTZEN 
Die zeitgenössischen Erfindungen und Privilegien befassen sich nicht nur mit der 
eigentlichen Emailtechnik, sondern auch mit der Imitation des Emails (Karmarsch 1857, 
S. 458 - 462; Luthmer 1888, S. 26). Vor allem Karmarsch geht auf das „Einlassen mit Far 
ben“ (Karmarsch 1857, S. 462) und auf die Imitation des Emails ein. 
Zu dieser Kategorie gehört auch die Erfindung eines „neuen Emails“, die auf Jakob 
Weiss, „priv. Verfertiger von Gaianteriewaaren aus Bronze, in Wien (Breitenfeld, 
Nro. 17)“ zurückgeht (Jahrbuch 13/1828, S. 362): er erhielt ein Privilegium „auf die Erfin 
dung eines neuen Emails für Gaianteriewaaren aus Gold, Silber, Bronze und anderen 
Metallen, weiches das gewöhnliche Email täuschend nachahmet, und sich vor demsel 
ben dadurch auszeichnet, dass es bedeutend schneller und wohlfeiler erzeugt, nicht so 
leicht durch Druck oder Stoss beschädigt, und für alle Metalle ohne Ausnahme - daher 
auch für jene, die bisher zur Emaillirung nicht tauglich waren, wie z. B. 13löthiges Silber 
und Nro. Eins oder anderes stark legirtes Gold - und ohne Beschränkung auf Form und 
Grösse des zu emaillirenden Gegenstandes oder der auszuführenden Email-Zeichnung 
verwendet werden kann. “ 
Das Privilegium wurde vom 11. Februar 1827 auf fünf Jahre erteilt und erlosch durch 
Zeitablauf im Jahre 1832 (Beschreibung 1/1841, S. 9): 
Der Ueberzug, weichen der Privilegirte den verschiedenen Metallgegenständen gibt, ist eine 
innige Mengung von irgend einer Farbe mit Kopal = Lack. Da kein hoher Hitzegrad angewen 
det wird, und kein Einschmelzen Statt findet, so ist es kein eigentliches Email. Aus eben die 
sem Grunde ist dieser Ueberzug aber auch, nach der Angabe des Privilegirten, für 13löthiges 
Silber, für Gold Nr. 1, und für sonstige Verzierungen anwendbar, welche im Email = Feuer 
schmelzen würden (Beschreibung 1/1841, S. 9). 
Der volle Wortlaut des Privilegiums hat sich erhalten: 
Beschreibung. 
Die zum Emailliren bestimmten Waaren können aus jedem beliebigen Metalle bestehen, und 
von den allerverschiedensten Formen seyn. Sie werden durch die allgemein bekannten Mittet, 
nähmlich durch Pressen oder Stampfen mit Stanzen, durch Walzen, zusammenlöthen der ein 
zelnen Theiie u. s. w. erzeugt. Obwohl demnach in den Mitteln und Handgriffen, die man zur 
Erzeugung dieser Waaren anwendet, nichts Neues enthalten ist, so unterscheiden sich die 
zum Emailliren bestimmten Gegenstände doch von den gewöhnlichen Artikeln durch einen 
Umstand, der hier für wesentlich gilt, nähmlich darin, daß sie alle Theiie des Desseins oder 
der Verzierung vertieft enthalten, weil dieselben in der Folge von der Emailmasse ausgefüllt 
werden müssen. Zum gewöhnlichen Gebrauche, d. h. ohne emaillirt zu seyn, würden also sol 
che Stücke gar nicht taugen, weit der vertiefte Dessein ihnen ein unpassendes, ungewohntes 
Ansehen gibt, wie man z. B. an der als Muster beiliegenden rohen Uhrhaken Leyer bemerken 
kann. Es ist zwar allerdings wahr, daß von jenen Metallen, bey welchen das Emailiren bisher 
üblich war, auch jederzeit derley Gegenstände verfertigt worden sind, allein aus Gold N 0 1, 
oder 13löthigem Probesilber, welche beide man bisher nicht zu emailliren vermochte, sind 
derley Gegenstände als ein vollkomen neues Erzeugnis anzusehen. 
Dieses ist der erste Punkt, auf weichem die Neuheit der Erfindung beruht. Der zweite Punkt 
ist die Zusamensetzung und Anwendung der Emailmasse selbst. 
Diese Masse, weiche bei zweckmäßiger Anbringung die gewöhnlichen Emailfarben vollkom 
men täuschend nachahmt, besteht aus käuflichem Kopal = Lack, dem man die verschiedenen 
Farben in solcher Menge zusetzt, als die verlangte Schattirung und der gewünschte Glanz 
nöthig machen. Die Farben können gewöhnliche Lackfarben seyn, wie man sie in den käufli 
chen Tuschkästchen findet; besser aber sind die feinen, so genannten chemischen Farben. 
Als Weiß, sowohl für sich als zum Mischen, um andere Farben lichter zu machen, dient Blei 
weiß (Kremserweiß). Zu Schwarz wird Kienruß gebraucht. Wiener Lack gibt ein schönes 
durchsichtiges Roth. Ferner sind das so genannte Chromblau, das Kaisergrün, das dunklere 
Schobergrün, das nach der Vermischung mit Kopailack durchsichtige Parisergrün (Grün- 
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