Verblüffend Ist, daß auch ihre Verarbeitung durchaus der eines echten Objekts ent
spricht: die typische reliefierte Oberfläche (vermutlich maschinell vorgeformt und mit
Punzen bzw. Grabstichel nachbearbeitet) liefert kein Kriterium zum Nachweis einer Fäl
schung - allerdings ist auch die Beweisführung zugunsten der Echtheit nicht möglich.
Gerade bei Objekten, deren ursprünglicher Zustand weitgehend verändert scheint, ist
die Feststellung der Echtheit oft nicht leicht. Die stark beeinträchtigte Guillochierung auf
den Wandungen einer Dose, die vollkommen glatten Oberflächen von Dosendeckel und
-boden, die undeutbare Meisterpunze und Details, die auf galvanische Verarbeitung
schließen lassen, führen beim Versuch einer näheren Bestimmung zur Irritation
(Abb. 154-157).
In dieselbe Kategorie schwer identifizierbarer Objekte gehört auch eine achteckige Sil
berdose (Abb. 159- 162) mit geraden Wandungen und zentraler Raute im Deckel: sie
zeigt eine Feingehaltspunze, die es unseres Wissens in dieser Form eigentlich nie gege
ben haben kann und die und aus zwei verschiedenen Punzentypen zusammengesetzt
scheint: der 13lötigen Punze bis 1806 (mit der Feingehaltszahl 13 oben) und der 13löti-
gen Punze von 1813 (unten dreibogig geschwungen, vgl. Abb. 82). Sie hat nur den
Schönheitsfehler, die Jahreszahl 1805 aufzuweisen; die echte Wiener Punze von 1805
(Abb. 48) hatte allerdings unten einen geraden Abschluß, und die oberflächlich ähnlich
erscheinenden Venezianer bzw. Triestiner Punzen von 1805 sind unten zweibogig ge
schwungen (Abb. 78, 79). Die Meisterpunze W-N im Oval (Abb. 161) könnte mit dem
Wiener Silberschmied Wenzel Nachtmann in Verbindung gebracht werden. Trotz des wi
dersprüchlichen Punzenbildes ist auch in diesem Fall die Echtheit der Dose nicht unbe
dingt auszuschließen; unklar ist allerdings, wem die Punzenfälschung zuzuschreiben ist.
Die guillochierte und gerillte Oberfläche ist bereits sehr stark eingeebnet, sodaß sie na
hezu glatt erscheint (Abb.159); nur bei extremer Beleuchtung wird die Ornamentierung
der Oberfläche sichtbar (Abb. 162). Ein Detail einer anderen Dose (Abb. 158) zeigt
durch Benützung eingeebnete, geglättete Stellen der ursprünglich ohnehin nur zarten,
ins Silber schwach eingedrungenen Guillochierung.
Ein weiteres Problem stellen Dosen (Abb. 163-167) mit unvollständige Punzen vor allem
dann dar, wenn weder die Jahreszahl rekonstruierbar (Abb. 165) noch die Namens
punze identifizierbar ist (Abb. 166). Für den Wiener Bereich konnte ich das MK mit
Krone jedenfalls noch nicht nachweisen.
In ihrer Provenienz sind hingegen jene Dosen eindeutig, die das B für das Prager Amt
im Punzenbild tragen (Abb. 174).
Wenn ein Teil des Punzenbildes fehlt, ist die doppelte Punzierung eines Objekts (bei
einer Dose manchmal in Deckel und Boden) von großem Vorteil, weil dann manchmal
die Rekonstruktion der unvollständigen Punze anhand der zweiten Punzierung möglich
ist (Abb. 174, 175).
Drei Dosen mit vertikalen, horizontalen und radialen Liniendekoren (Rillungen) scheinen
sich zu einer Gruppe zusammenschließen zu lassen (Abb. 168- 171).
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