abwechselnd ein Stück an der Dose und eins am Deckei haftet. Nach dieser flüchtigen Befe
stigung wird das Charnier an jedem der beiden Theile noch besonders nachgelöthet. Bei der
Zusammensetzung der Dose wird durch das Charnier ein Eisen = oder Messingdraht gescho
ben, und die äußere Oberfläche noch mit der hohlen Charnierfeiie nachgearbeitet. Die Böden
der Dosen werden oft guillochirt, emaillirt oder mit Steinen besetzt. Solche, weiche durch
Stampfen in einer Stanze mit hohlen Verzierungen versehen sind, werden regelmäßig auf der
Jnnenseite mit einem dünnen flachen Boden überlegt, um das Ansehen massiver Arbeit zu
gewinnen..."
Vom 19. Februar 1823 datiert eine Beschreibung „der von Leopold Bajohr neu verbeßer-
ten Lampen, Tabakdosen u: Pippen“. Bajor, „Drechslergeselle aus Wien“, erhielt am 18.
März 1823 ein dreijähriges Privilegium auf die Erfindung, „aus plattirtem Kupferbleche
Tabaksdosen von beliebiger Form und Größe auf eine eigene Art zu verfertigen“, verlie
hen (das Privilegium erlosch durch Zeitablauf im Jahre 1826).
„Die Tobackdosse / Sowohl Dekel als Unt: Theil bestehend aus zwey nach beliebiger Größe
u: Form, vorher ausgedrückt platierte Kupferblech, wo zu erst im äußeren, der beliebige Des-
sain mit dem Ranterier = Rädern von der inwendig körnende Seite gegeben werden muß, so
dann werden beyde Theile genau zu samen gepaßt u: dazwischen mit einen Kitt von Pech u
Harz mit Ziegelmehl vermischt gut verkittet. “ (Technische Universität Wien, Universitätsar
chiv, Priv. Reg. Nr. 98).
Besser verständliche ist die gedruckte Beschreibung dieses Privilegiums (Beschrei
bung 1/1841).
„ Sowohl der Deckel als der Unterteil besteht aus zwei Theiien, weiche aus plattirtem Kupfer
bleche gepreßt, und mittelst des Randerir = Rädchens auf der Drehbank mit einem Dessin
versehen werden. Beide Bestandteile werden nun in einander gepaßt, und mittelst eines Kit
tes, der aus Pech und Ziegelmehl besteht, vereiniget. “
DOSENFORMEN
Die Form der Wiener Tabaksdose vom Ende des 18. bis in die sechziger Jahre des
19. Jahrhunderts zeigt im Laufe dieser etwa sieben Jahrzehnte eine Reihe von Varian
ten, die eine gewisse zeitliche Einordnung zulassen.
Die runde Dose ist eher selten anzutreffen (Kat. Nr. 15, Abb. 186); häufiger dürfte die
ovale bzw. oblonge Wiener Dose sein. Eine dieser Dosen ist früh anzusetzen: die Silber
dose von Wenzel Massebost stammt aus den 90er Jahren des 18. Jahrhunderts (Kat.
Nr. 1, Abb. 187); eine ovale Golddose von Joseph Mayer allerdings datiert bereits aus
dem Jahre 1824 (Kat. Nr. 54, Abb. 188); diese Dose ist flacher als jene von Massebost
und zeigt anstelle des fein gravierten Dekors (Abb. 187) guillochierte Ornamentik
(Abb. 188).
Nach 1800 gibt es einige Dosen, deren Wandungen in der Längsrichtung gerade und de
ren Schmalseiten geschwungen sind, daher nicht mehr als oval, sondern eher als
oblong bezeichnet werden können. Vom eben genannten Massebost ist eine davon
(Kat. Nr. 2, Abb. 189), eine weitere ist von vergleichbarer Form (Kat. Nr. 3, Abb. 190);
eine undatierte Dose (Kat. Nr. 32, Abb. 192) kann durch die Widmung aus dem Jahre
1845 zeitlich eingeordnet werden; etwas aus dem Rahmen fällt ein Objekt in Form einer
Büchse (Abb. 191), die eventuell auch einen anderen Zweck als jenen des Aufbewah-
rens von Schnupftabak erfüllt haben könnte (für eine Nadelbüchse, wie wir sie in der
zeitgenössischen Literatur erwähnt finden, aber vielleicht doch ein wenig zu groß).
Dosen in Buchform sind in zwei Beispielen vertreten (Kat. Nrn. 14, 4, Abb. 193, 194): sie
sind von querrechteckiger Grundform mit abgerundetem Rücken, wobei der Dosendek-
kel als „Buchdeckel mit dem Rücken durch ein Scharnier verbunden - gestaltet ist.
Die drei achteckigen Dosen (Kat. Nrn. 5,10, 18, Abb. 195 - 197) mit geometrischen oder
floralen Ornamenten sind von etwa 1810 bis in die zwanziger Jahre einzuordnen.
71